Wie Palmöl den Regenwald zerstört

23 Nov 2015 Keine Kommentare by

Alle reden von der Fleischproduktion und ihren ökologischen Folgen. Vom Palmöl redet kaum jemand, obwohl es für eine der größten ökologischen Katastrophen der Gegenwart verantwortlich ist. Im Herbst 2015 stehen in Indonesien 1,7 Millionen ha Regenwald als Folge illegaler Brandrodung in Flammen – das entspricht der Fläche von Thüringen. Zweck der Brände ist die Gewinnung neuer Flächen für die Palmölerzeugung. Dahinter steht die Gier nach der hohen Rendite, die sich – trotz des niedrigen Preises von Palmöl – mit dem Anbau der Palmen noch immer erzielen lässt.

Nach Schätzungen des WWF enthält inzwischen bereits etwa jedes zweite Supermarktprodukt Palmöl. Es kann in den verschiedensten Lebensmitteln stecken, die pflanzliche Fette enthalten – u.a. Backwaren, Süßwaren, Pizzen oder Margarine. Auch in Kosmetikprodukten ist die Verwendung verbreitet – z.B. in Hautcreme, Seife, Sonnenmilch, Körperlotion, Lippenstift und anderen. Aus Palmkernöl können Tenside hergestellt werden, die in Duschgels, Shampoos und in Wasch- und Reinigungsmitteln Verwendung finden.

 

Palmöl – weltweit wichtigsten Pflanzenöl

Rund 60 Millionen Tonnen Palmöl wurden weltweit im vergangenen Jahr hergestellt. Indonesien ist mit 30 Millionen Tonnen größter Produzent, gefolgt von Malaysia mit 20 Millionen Tonnen. Seit 1990 hat sich die Fläche für Ölpalmen weltweit verdoppelt, in Indonesien sogar verzehnfacht. Palmölplantagen bedecken weltweit inzwischen zwölf Millionen Hektar Fläche. Das ist etwa ein Drittel der Bundesrepublik Deutschland. Die Liste der Naturschäden ist lang: Riesige Monokulturen bedrohen die biologische Vielfalt in den Anbauländern.

 

Brandrodung bedroht Menschen und Umwelt

Schon seit Jahren werden für die Herstellung von Palmöl riesige Regenwaldgebiete in Indonesien – meist illegal – zerstört. In den letzten Wochen jedoch ist die Situation erstmals ganz außer Kontrolle geraten. Die Folge ist nicht nur die Zerstörung des einzigartigen Biotops mit einem fatalen Verlust zahlloser Arten. Inzwischen ist auch die Gesundheit der Menschen bedroht. Aus über 2.000 Brandherden in Borneo und Summatra steigen Tausende Tonnen Feinstaub und Ruß in die Luft und fressen sich in die Lungen der Menschen. Es wurde geschätzt, dass in den letzten drei Wochen durch die Brände mehr Treibhausgase verursacht wurden, als in Deutschland in einem Jahr.

 

Gutes Palmöl – schlechtes Palmöl

Ein Verzicht auf Palmöl ist nach Einschätzung des WWF keine wirkliche Alternative, denn „mit Palmöl kann auf vergleichsweise geringer Fläche ein großer Teil des weltweiten Bedarfs an Pflanzenölen gedeckt werden. In vielen Ländern ist Palmöl ein schwer zu ersetzendes Nahrungsmittel und bildet die Lebensgrundlage von Kleinbauern. Vielerorts ist der Einsatz von Palmöl eine Chance zur Armutsbekämpfung.“ „Wie bei fast allem kommt es auch bei Palmöl auf das Wie der Produktion an. Die Herstellung muss anders werden, als sie heute größtenteils ist – nämlich ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich. Davon sind die meisten Produzenten von Palmöl noch weit entfernt.“ schreibt der WWF. Für eine solche nachhaltige Produktion setzt sich in Deutschland das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) ein, dem inzwischen fast 50 Unternehmen angehören – darunter Unternehmen wie Bahlsen, Nestle und Unilever.

 

Tipp von docFood:

Alle FONAP-Mitglieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Palmöl, Palmkernöl oder entsprechende Derivate in Produkten herstellen und verwenden haben sich verpflichtet, ausschließlich 100% zertifiziertes Palmöl, Palmkernöl oder entsprechende Derivate einzusetzen. Eine vollständige Liste der Mitglieder findet sich hier. Beim Kauf von Produkten, die Palmöl enthalten, sollten Verbraucher die Produkte der Mitgliedsunternehmen bevorzugen.

 Friedhelm Mühleb

Fette & Öle, Lebensmittel, Nachhaltigkeit, VERBRAUCHER, Verbraucherschutz

Über den Autor

Dipl.-Oecotrophologe, Journalist, Berater.
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