Meersalz – mehr Plastik

24 Nov 2015 Keine Kommentare by

Freunde natürlicher Produkte lieben Meersalz: Alles Gute aus dem Meer. Leider ist auch vom Schlechten aus dem Meer dabei. Dass auch Meersalz nicht mehr ist, was es vorzeiten mal war, hat eine Studie aus China herausgefunden. Forscher haben dort in Speisesalzen nach winzigen Plastikpartikeln gesucht. Ausgerechnet im Meersalz fanden sie besonders viel Mikroplastik. Weltweit werden jährlich über 200 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Davon landen Schätzungen zufolge ca. 10 Millionen Tonnen im Meer. Dort werden sie in winzige Partikel zerrieben. Über Plankton gelangen die Mikroplastik-Teilchen in Schalen- und Krustentiere und Fische – und offensichtlich auch ins Meersalz.

Als Mikroplastik werden Teilchen aus Kunststoffen bezeichnet, die zwischen 0,001 und fünf Millimeter groß sind. Dass inzwischen jeder, der Meeresfrüchte und Fisch isst, grundsätzlich auch Mikroplastik aufnimmt, ist hinlänglich bekannt.

 

Meersalz aus dem Supermarkt untersucht

Die Meeresforscher der East China Normal University in Shanghai kauften handelsübliche Salze von 15 verschiedenen Herstellern – abgepackte Produkte, die es in normalen Supermärkten in China gibt: Meersalze, Steinsalze und aus Sole gewonnene Salze. Die Forscher untersuchten in ihrer Studie sämtliche Proben auf Spuren von Mikroplastik. Ausgerechnet im grobkörnigen Meersalz, das auch bei uns viele Verbraucher für besonders gesund halten, fanden Forscher besonders viele Kunststoffreste. Größtenteils handelte es sich dabei um Polyethylenterephthalat (PET). Die Forscher fanden übrigens in allen untersuchten Proben Spuren von Plastik – mit dem Hinweis, dass die Partikel auch beim Verarbeiten und Verpacken der Salze in die Produkte gelangt sein können. Die untersuchten Meersalze waren allerdings weitaus stärker mit Partikeln belastet als die anderen Sorten. In ihnen fanden die Forscher zwischen 550 bis 681 Partikel pro Kilogramm.

 

Am wenigsten Plastik in Steinsalz

Die geringste Belastung wiesen übrigens die Steinsalzproben auf. In einer Steinsalzprobe fanden die Forscher sogar nur sieben winzige Plastikteilchen. Das am stärksten belastete Steinsalz enthielt 204 Partikel pro Kilogramm. Man könnte Steinsalz übrigens als ‚antikes‘ Meersalz bezeichnen: Es wird zwar im Bergbau gewonnen, ist aber Überbleibsel von Meeren, die vor Millionen von Jahren verdunstet sind. Das mineralreiche, oft leicht bräunliche Salz kann sehr intensiv schmecken und bringt kräftige Würze vor an neutrale Speisen. Da übrigens Fische und Meeresfrüchte weltweit Mikroplastik enthalten, ist davon auszugehen, dass sich der Kunststoff auch nicht auf Meersalz von chinesischen Küsten beschränkt, sondern weltweit als Verunreigung der grobkörnigen Minerale zu finden ist.

 

docFood meint

Da man Meersalz nicht Kiloweise verzehrt, müssen sich Freunde des Meersalzes kaum ängstigen: Die Menge an Plastik, die aus dem Salz in den menschlichen Körper gelangt, bleibt minimal. Problematisch ist das Ergebnis jedoch aus der Gesamtschau: Immer mehr Plastik landet wohl schneller als je gedacht wieder dort, wo er herkam: bei uns Menschen. Genauer gesagt: In uns drin. Zu den Wirkungen auf Menschen weiß man bislang wenig. Welche Gefahr von den Substanzen ausgeht, die aus dem Mikroplastik austreten, ist unklar. Warum das Plastik im Meer so gefährlich gibt, lässt sich in einer guten Übersicht auf der Nachhaltigkeits-Website Utopia nachlesen. Und das kann jeder einzelne von uns tun:
● Was das Salz betrifft: Sparen Sie Salz beim Essen und Kochen. Macht schon deshalb Sinn, weil zu viel Salz auch ansonsten der Gesundheit schaden kann. Ernährungsexperten empfehlen höchstens sechs Gramm am Tag
● Vermeiden Sie Plastikverpackungen, Plastiktüten und Wegwerfartikel und verwenden Sie Alternativen: z.B. Baumwolltaschen statt Plastiktüten, unverpacktes Gemüse vom Markt statt in Plastik verschweißtes vom Discounter
● Werfen Sie zuhause Kunststoffmüll dorthin, wo er hingehört: möglichst konsequent in die gelbe Tonne – was darin landet, wird recycelt. Wer keine gelbe Tonne hat: Viele Städte bieten Sammelcontainer an, auch bei Wertstoffhöfen kann man Kunststoffmüll kostenlos entsorgen.
● Pflegeprodukte und Kosmetika, die Mikroplastik enthalten, sind gar nicht so schwer, aus dem Alltag zu verbannen: Der BUND hat eine hilfreiche Negativ-Liste von Produkten erstellt, die Mikroplastik enthalten. Mehr Tipps gibt es hier.
● „Tu Gutes und rede darüber“: Erkläre deinen Freunden, warum du Plastik vermeidest, erzähle ihnen von den Problemen, die Plastikmüll in den Meeren verursacht. Denn nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Unwissenheit halten viele Menschen an ihren Gewohnheiten fest. Letztendlich geht es immer darum, eine kritische Masse von Menschen zu erreichen.

 Friedhelm Mühleib

Konsum, Nachhaltigkeit, Schadstoffe, VERBRAUCHER

Über den Autor

Dipl.-Oecotrophologe, Journalist, Berater.
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