Adipositas: Immer öfter Skalpell statt Diät

03 Mrz 2015 2 Kommentare by

Diese Zahlen belegen ein Drama – und gleichzeitig ein Versagen der Politik: in deutschen Krankenhäusern müssen immer mehr stark übergewichtige Patienten vollstationär behandelt werden: In nur acht Jahren ist ihre Zahl um 154 Prozent gestiegen. Rund 18.300 Patienten wurden 2013 wegen Adipositas oder sonstiger Überernährung in den Kliniken versorgt. Dagegen belief sich ihre Zahl 2005 auf gerade einmal 7.200. Das berichtet die Krankenkasse DAK-Gesundheit mit Hinweis auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts.
Nach Angaben der DAK unterziehen sich die meisten Adipositas-Patienten einer Magen-Operation. Mit dem Eingriff wird der Magen verkleinert oder ein Magen-Bypass gelegt. Nach aktuellen Daten der DAK-Gesundheit kommen so fast zwei Drittel aller Klinikaufenthalte von stark Übergewichtigen zustande. Der Rest entfällt auf die Behandlung des Schlafapnoesyndroms sowie verschiedener Stoffwechselerkrankungen. Die wachsende Zahl adipöser Krankenhauspatienten schlägt sich auch in erhöhten Ausgaben nieder. Nach internen Zahlen verdoppelten sich die Kosten von 3,4 Millionen Euro (2009) auf 6,8 Millionen Euro (2013).

 

Immer mehr junge Adipöse im Krankenhaus

Am stärksten angestiegen ist die Zahl der vollstationären Adipositas-Behandlungen bei den 45- bis 64-Jährigen: von zwölf auf 33 Klinikaufenthalte je 100.000 Einwohner. Auffallend hoch auch der Zuwachs bei den 15- bis 44-Jährigen: 2013 wurden 26 von 100.000 Einwohnern vollstationär behandelt, 2005 nur neun. Bei der Verteilung nach Geschlechtern zeigt sich, dass Frauen im Schnitt doppelt so oft behandelt werden wie Männer: 2013 wurden 12.273 weibliche Patienten registriert, aber nur 6031 männliche. Damit bestätigt sich der Trend der Vorjahre. DAK-Experte Volker Roettsches gibt zu bedenken: Magen-Operationen stellen nach wie vor einen schweren Eingriff dar. „Die Adipositas-Chirurgie ist nur eine von mehreren Therapieformen“, betont Roettsches. „Magen-OPs sollten daher nur vorgenommen werden, wenn alle anderen Therapiemethoden ausgeschöpft sind.“

 

docFood meint

In der öffentlichen Wahrnehmung gilt die Adipositas-Chirurgie mitunter als bequemer Weg zur Gewichtsreduzierung. Mit einer Magen-OP allein sei es zudem nicht getan, warnt Petersen vor überzogenen Erwartungen. Wirklich erfolgreich könne eine Operation nur sein, wenn der Patient sein Verhalten langfristig umstelle. Abgesehen vom Risiko eines solchen Eingriffs können dessen Nebenwirkungen beträchtlich sein: Sie reichen von Vitaminmangel, Unterzuckerungen, bis hin zu Depressionen mit erhöhter Suizidrate. Inzwischen sind bariatrische Operationen auch immer mit der Hoffnung auf Heilung des Diabetes verbunden, an dem die meisten Adipösen leiden. Auch hier ist größte Vorsicht geboten, wie dieser Bericht zeigt.

Ernährungsprofis

Über den Autor

Dipl.-Oecotrophologe, Journalist, Berater.

2 Responses to “Adipositas: Immer öfter Skalpell statt Diät”

  1. Antje Müller says:

    Hey, was ist denn bei Ihnen los? In diesem Artikel bringen Sie die Dinge genauso durcheinander wie ich es sonst nur von Journalisten kenne, die sich mit dem Thema nicht auskennen und die Sutdiendaten in Schlagworte zusammenfassen, die einen falschen Eindruck vermitteln.
    Wenn Patienten mit der Diagnose Adipositas in Kliniken eingewiesen werden, ist es logisch, dass es um Behnadlungsmaßnahmen geht, die nicht mehr ambulant machbar sind. Die tausende von Patienten, die aufgrund von ernährungsbedingten Folgeerkrankungen wie Diabetesfolgen, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Gichtanfällen usw. in Akutkrankenhäuser eingewiesen werden, werden in der Regel nicht mit der als Erstdiagnose „Adipositas“ in den Statistiken erscheinen.
    Dass die Möglichkeiten und die Akzeptanz von magenverkleinernden Operationen zugenommen haben, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und dass diese Maßnahmen gut begleitet werden müssen, erlebe ich täglich in meiner Beratungspraxis. Die Betroffenen, die in einem seriösen, interdiszipliär arbeitendedn Krankenhaus operiert werden, kommen NIE zu mir mit dem Ziel „Skalpell statt Diät“. Sie wissen, dass eine vorbereitende Ernährungsberatung nicht nur formal für den Antrag bei der Krankenkasse nötig ist, sondern auch dazu dient, sich auf die Veränderungen vorzubereiten, die sich für das Essen nach der OP ergeben. Ja, es gibt die Fälle von Vitamin- und Mineralstoffmangel, von Fehlernährung und von Depressionen – nach meiner Erfahrung überwiegend bei den Patienten, die ohne Beratung und Begleitung durch Ernährungs-, Bewegungs- und psychologische Fachleute operiert wurden. So lange es Kliniken gibt, die solche OPs ohne Begleitung anbieten ( die Fallpauschalen sind nur dann lukrativ, wenn alles glatt geht, die Nachbetreuung wird nicht von Kostenträgern finanziert!), wird dieses Image weiter so bleiben, wie Sie es beschrieben haben.
    Ich wünsche mir von Ihnen mehr „Best-Practice“- Berichte von interdisziplinären Teams, die bei der Behandlung einer chronischen Krankheit wie Adipositas ALLE Berufsgruppen zur Unterstützung mit im Boot haben – und von den Verantwortlichen im Gesundheitssystem, dass die langfristige Betreuung von Adipositas- Betroffenen auch angemessen honoriert wird.
    Das eigentliche Problem liegt darin, dass diese Begleitung immer noch gar nicht oder

  2. Evi Wimberger says:

    Seit Jahren berate ich Menschen mit dem Wunsch nach einer bariatischen Lösung für ihr Gewichtsproblem. Meine Beratung ist Teil der Antragstellung auf eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

    Ich habe Verständnis, wenn bereits viele erfolglose Versuche unternommen wurden, abzunehmen und ein BMI weit über 50 vorliegt, jedoch wenig, wenn die OP als schnelle, einfache Lösung gesehen wird. Leider vermitteln Medien, sogenannte Selbsthilfegruppen, Ärzte sowie Adipositaszentren, die die OP vornehmen, den Eindruck, eine OP wäre eine optimale, risikoarme Lösung. Ich sehe die Menschen, die im ersten Jahr nach der OP wunderbar abnehmen, euphorisch gestimmt sind. Bei vielen der Betroffenen kommt es nach 10-30 kg zu einem Stillstand, bei manchen geht das Gewicht wieder nach oben. Ich habe Klienten erlebt, die nach 5 bis 10 Jahren wieder ihr Ausgangsgewicht erreicht haben. Leider lassen sich diese Menschen kaum durch eine Statistik erfassen, da die Scham sehr groß ist. Was aber leicht nachvollziehbar ist, sind die Erfahrungen nach OP nach Magencarcinome. Die Adipositaschirurgie macht ja im Prinzip nichts anderes, was immer schon nach Magenkrebs praktiziert wurde, Magenverkleinerung zum Schlauchmagen oder ganze Ausschaltung des Magens durch Magen-Bypass.

    Solange eine langfristige Nachsorge durch die Adipositaszentren nicht geregelt ist, ist nach meiner Meinung ein solcher unumkehrbarer Eingriff ethisch nicht vertretbar. Es sollten die Patienten vertraglich verpflichtet werden, regelmäßig vorstellig zu werden, aber auch die Adipositaszentren, die Patienten jahrelang weiter zu betreuen. Leider gibt es unser Gesundheitssystem nicht her, dass ein Patient bei Vertragsbruch Kosten zurück zahlen muss, und dass die Nachsorge finanziert wird. Und so macht man irgendetwas, nur damit das Problem momentan vom Tisch ist.

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