Diabetes und Ernährung – Mittelmeerdiät ist klar überlegen

25 Jan 2018 1 Kommentar by

Die Mittelmeer-Diät ist im Vergleich zu acht anderen Kostformen am besten geeignet, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Blutzuckerwerte zu verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt ein europäisches Wissenschaftlerteam unter Leitung von Lukas Schwingshackl und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) im European Journal of Epidemiology. Dazu wertete das Team wertete die Daten von 4.937 Studienteilnehmern aus 56 Ernährungsstudien aus. 

 

Nach neuesten Daten der International Diabetes Federation und der World Health Organization zählt Typ-2-Diabetes zu den wichtigsten Volkskrankheiten. Schätzungsweise sind weltweit 350-400 Millionen Menschen an dieser Diabetesform erkrankt. Das Gute ist, dass sich die Krankheit über die Ernährung günstig beeinflussen lässt.

 

Neun Diäten unter der Lupe

Welche Kostform hierfür am besten geeignet ist, ist allerdings nur schwer einzuschätzen. Mit Hilfe einer neuen Analysemethode, der sogenannten Netzwerk-Meta-Analyse, konnten die Wissenschaftler nun erstmals viele verschiedene Kostformen gleichzeitig auswerten und vergleichen. Zu den neun untersuchten Kostformen gehören die Low-Fat-, die Paläo-, die High-Protein-, die Low-Carb- und die Mittelmeer-Diät. Ebenso analysierten die Forscher die Wirkung einer vegetarisch/veganen Kost sowie die Effekte von Diäten mit einem moderaten Kohlenhydratanteil oder mit einem niedrigen glykämischen Index bzw. einer niedrigen glykämischen Last. Wenn die Teilnehmer im Rahmen der jeweiligen Ernährungsstudie keine vorgegebene Diät verzehrten, sondern sich wie gewohnt ernährten, werteten die Forscher dies als Kontroll-Diät. Die Forscher schlossen nur Studien in ihre Analyse ein, bei denen die Teilnehmer über 18 Jahre alt waren und mindestens für 12 Wochen eine bestimmte Kostform einhielten.

 

Mittelmeerdiät beste unter acht Diäten

Die Mittelmeer-Diät war im Vergleich zur Kontrolldiät, gefolgt von der Paläo-Diät und der veganen Kost am besten geeignet, um den Nüchtern-Blutzuckerwert zu senken. Dieser Wert gibt die Blutzuckermenge nach einer mindestens achtstündigen Fastenperiode an, zum Beispiel am Morgen nach der Nachtruhe. Bei gesunden Menschen beträgt der Nüchtern-Blutzuckerwert 4,4 bis 5,6 mmol/l. Ein Wert von 5,6 bis 6,9 mmol/l weist auf eine beginnende Diabeteserkrankung hin. Die Low-Carb-Diät war dagegen am besten geeignet, den Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert) günstig zu beeinflussen. Er verrät, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen acht bis zwölf Wochen war. Kurzfristige Blutzuckerschwankungen beeinflussen ihn praktisch kaum. Daher nutzen Ärzte den Wert, um abzuschätzen, wie gut die Zuckerkrankheit bei ihren Patienten in der jüngeren Vergangenheit eingestellt war. Zudem kann der Wert auch zur Diabetes-Diagnose beitragen. Liegt der HbA1c-Wert über 6,5 Prozent, so liegt ein Diabetes vor. Neben der Low-Carb-Diät wirkten sich aber auch die Mittelmeer- sowie die Paläo-Diät sehr günstig auf den HbA1c-Wert aus.

Die Low-Fat-Diät zeigte hingegen die schwächsten Effekte auf den Zuckerstoffwechsel, das heißt, auf den Nüchtern- sowie den Langzeit-Blutzuckerwert. Sie war aber immer noch deutlich effektiver als die Kontroll-Diät. Im Vergleich zu letzterer trugen alle untersuchten Kostformen mit leicht unterschiedlicher Stärke dazu bei, den Nüchtern-Blutzucker-Wert um 1 bis 1,61 mmol/l zu senken. Ebenso verminderten sie die HbA1c-Werte um 0,47 bis 0,82 Prozent.

 

Diabetes-Therapie: Ernährung noch besser nutzen!

„Unsere Studie zeigt, dass eine pflanzenbasierte Kost wie die Mittelmeer-Diät eine gute Möglichkeit ist, den Zuckerstoffwechsel bei Menschen mit Diabetes günstig zu beeinflussen“, sagt der Leiter der Studie Dr. Ludwig Schwingshackl. Die Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass die in Früchten, Gemüse, Olivenöl, Nüssen, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe sowie Ballaststoffe die Insulinempfindlichkeit der Patienten verbessern und die Produktion von Advanced Glycation Endproducts (AGEs) verringern. Letztere sind Zucker-Eiweißverbindungen, die insbesondere bei oxidativem Stress, aber auch bei zu hohen Blutzuckerwerten entstehen.

„Seit langem ist bekannt, dass bei Diabetes eine gute Blutzuckerkontrolle ein entscheidender Schritt ist, um schwere Folgeerkrankungen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern“, weiß Prof. Heiner Boeing, der am DIfE die Abteilung Epidemiologie leitet. “Menschen mit Diabetes sollten so viel wie möglich über ihre Ernährung dazu beizutragen, den Blutzucker in den Griff zu bekommen. Dies fördert auf einfache Weise das Wohlbefinden, spart Medikamente und entlastet hierdurch auch unser Gesundheitssystem.“

 

docFood meint

Im Rahmen der DiRECT-Studie, deren Ergebnisse erst kürzlich im Lancet veröffentlicht wurden, haben englische Forscher mit einem intensiven Programm zur Gewichtsreduktion in Hausarztpraxen bei übergewichtigen Typ-2- Diabetikern spektakuläre Ergebnisse erzielt: Bei fast jedem zweiten Behandelten war nach einem Jahr der Diabetes verschwunden. Dazu brauchte es nichts anderes als eine konsequente Ernährungstherapie (unter Verwendung einer Formula-Diät) und die entsprechende fachliche Begleitung durch geschulte Beratungskräfte. Neben dieser Arbeit mit dem Fokus auf der Gewichtsabnahme zeigt nun auch die Metaanalyse unter Leitung des DIfE (..mit dem Fokus auf Diäten für Diabetiker als Alternative zu ihrer bisherigen Alltagsernährung), dass die Ernährung in der Therapie des Diabetes extrem viel bewirken kann. Ernährungfachkräfte, die sich in der Praxis mit Diabetes beschäftigen, sollten ihre Partner im diabetischen Bereich – Hausärzte, Diabetologen, Diabetesberater etc. – aktiv auf diese und ähnliche Ergebnisse hinweisen. Hier muss ein Umdenken her. Ernährungstherapie – ob mit oder ohne Gewichtsabnahme – muss endlich den Stellenwert bekommen, den sie verdient!

Dr. Friedhelm Mühleib

Quellen:

● DIfE – Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Pressemitteilung vom 19.01.2018

● Originalarbeit: Schwingshackl L, Chaimani A, Hoffmann G, Schwedhelm C, Boeing H.: A network meta-analysis on the comparative efficacy of different dietary approaches on glycaemic control in patients with type 2 diabetes mellitus. Eur J Epidemiol. 2018; doi: 10.1007/s10654-017-0352-x.

 

Diabetes, Ernährungsprofis, FOOD-DOKTOR

Über den Autor

Dipl.-Oecotrophologe, Journalist, Berater.

One Response to “Diabetes und Ernährung – Mittelmeerdiät ist klar überlegen”

  1. Nicolai Worm says:

    Tja, dieser Einschätzung kann ich nur vollends beistimmen. Es geht übrigens nicht nur “entweder – oder” sondern, man kann “mediterran” mit “low-carb” besonders erfolgreich kombinieren – wie beispielsweise hier bewiesen: http://circ.ahajournals.org/content/early/2017/11/14/CIRCULATIONAHA.117.030501.long

    UND – es soll sogar Ernährungskonzepte geben, die zu “mediterran + low-carb” auch noch wahlweise “Mahlzeitenersatz” über eine Formula anbietet! Grüße, Nicolai Worm

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