Glutensensitivität – Die eingebildete Krankheit?

11 Mrz 2014 Keine Kommentare by

„Gluten ist Mist“, schrieb Miley Cyrus auf Twitter und empfahl allen, die ihr folgen, auch darauf zu verzichten. Miley Cyrus und andere Celebrities wie Lady Gaga und Victoria Beckham haben inzwischen nach eigenem Bekunden alles Gluten von ihren Tellern verbannt. Gleichzeitig halten sie die Welt über die wunderbare Wirkung des Verzichts auf dem Laufenden. „Die Veränderung deiner Haut, deiner physischen und psychischen Gesundheit ist erstaunlich“, twitterte Miley Cyrus. Wahrscheinlich leiden Miley Cyrus und die anderen prominenten Damen weder an einer Zöliakie – einer echten Glutenunverträglichkeit – noch an einer Glutensensitivität.

Stattdessen tragen sie durch ihren medialen Einsatz massiv dazu bei, viele Menschen mit oft harmlosen Darmbeschwerden zu verunsichern. Tatsächlich sind immer mehr Menschen davon überzeugt, dass sie kein Gluten vertragen – obwohl sich bei ihnen keine Zöliakie nachweisen lässt. Für dieses Phänomen hat die Medizin inzwischen den Begriff Glutensensitivität (im Folgenden als GS abgekürzt) geprägt– was sich etwa mit „Empfindlichkeit gegenüber Gluten“ übersetzen lässt. Vieles spricht dafür, dass es die GS tatsächlich gibt. Doch letzte medizinische Beweise stehen dafür noch aus.

 

Beschwerden ähnlich wie bei Zöliakie

Die Beschwerden, mit den Patienten mit verdacht auf GS in die Praxen kommen, ähneln denen der echten Zöliakie, sind aber in der Regel weniger schwer: Typisch sind Bauchschmerzen, Durchfälle und Blähungen, aber auch Symptome außerhalb des Darms wie Ekzeme, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen oder Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen. Während bei der Zöliakie zwischen erstem Kontakt mit dem Gluten bis zum ersten Auftreten akuter Beschwerden Monate bis Jahre vergehen können, treten Symptome einer GS bereits einige Stunden bis Tage nach dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel auf. Anlass für die Vermutung, dass das Gluten der Auslöser für die Beschwerden ist, gibt vor allem die Beobachtung, dass bei vielen Betroffenen die Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung rasche Hilfe bringt.

 

Diät auf Probe kann Klärung bringen

Existiert sie nun, die GS, oder existiert sie nicht? Der Gastroenterologe und Zöliakie-Experte Prof. Dr. Wolfgang Holtmeier vom Krankenhaus Porz am Rhein sieht das differenziert: „Meiner Meinung nach ist sich die Mehrheit in der medizinischen Fachwelt, die sich mit der Thematik beschäftigt, einig, dass es eine Glutensensitivität gibt.“ Die Toleranzschwelle, bis zu der Gluten vertragen wird, kann seiner Meinung nach jedoch stark differieren und muss in jedem Einzelfall individuell ermittelt werden. Vor einer langfristigen, generellen Umstellung der Ernährung auf eine glutenfreie Diät empfiehlt er eine Testphase: „Ein nur circa zweiwöchiger Verzicht auf Weizenprodukte kann jedoch bei Patienten, die seit Jahren unter ungeklärten Beschwerden leiden, in den meisten Fällen Klarheit schaffen, ob Weizen eine Rolle spielt.“ Dabei warnt auch er vor übertriebenen Versprechungen – etwa, wenn die glutenfreie Ernährung zur Gewichtsreduktion empfohlen wird – und hier irrt ganz bestimmt auch Miley Cirus: Die glutenfreie Ernährung, so Holtmeier, ist weder zum Abnehmen noch zum Schutz vor Herzinfarkt geeignet.

 

Tipp von docFood:

Auch wenn es sich beim Absender um einen Hersteller handelt: Auf der Website von Schär gibt es umfangreiche und verständliche, nicht verkaufsbezogene Informationen über Glutensensitivität.

 

Bildquelle: angieconscious / pixelio.de

Allergie & Intoleranz, FOOD-DOKTOR, Verdauung & Stoffwechsel

Über den Autor

Dipl.-Oecotrophologe, Journalist, Berater.
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