Kosten und Nutzen der klinischen Diätetik

28 Okt 2015 Keine Kommentare by

In einer Zeit, in der immer mehr Patienten unter Mangelernährung leiden, sind diätetische Maßnahmen kostensparend und effektiv. Zu diesem Urteil kommt der Verband der Diätassistenten (VDD) in einer aktuellen Pressemeldung auf Basis der Ergebniss einer neuen Studie aus den Niederlanden. Demnach kann die individuelle Behandlung unter- bzw. mangelernährter Patienten durch Ernährungsfachkräfte im Krankenhaus zu Einsparungen in Millionenhöhe führen. Die niederländische Studie beziffert den Nutzen für die Gesellschaft in Holland auf bis zu 123,8 Mio. Euro. Eine Ernährungstherapie könnte auch hierzulande Leid verhindern und Kosten senken.

Durchgeführt wurde die Studie von ‚SEO Economisch Onderzoek‘ – einer Stiftung, die im Auftrag der niederländischen Regierung und der Wirtschaft unabhängige Wirtschaftsforschung betreibt und eng mit der Universität Amsterdam verbunden ist. Ziel war es, die volkswirtschaftlichen Kosten und Nutzen der Diätetik zu quantifizieren.

 

Diätetik höchst effektiv

Die Ergebnisse sind auch für Deutschland hochinteressant. Hintergrund der Studie ist die Erkenntnis, dass immer mehr Tumorpatienten oder ältere Menschen im Krankenhaus mangel- oder unterernährt sind. In den Niederlanden betrifft das ungefähr 22 Prozent der Krankenhauspatienten. Mangel- und Unterernährung verschlechtern nicht nur ihre Aussichten auf Genesung, sondern verursachen zudem erhebliche Kosten. SEO hatte bereits 2014 in einer Studie herausgefunden, dass eine Mangelernährung mit einer höheren Sterblichkeit, einer längeren Liegedauer im Krankenhaus und zusätzlichen Krankenhauskosten verbunden ist. Jetzt hat die Stiftung anhand umfangreicher Literaturrecherchen eine volkwirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse unter Berücksichtigung sämtlicher Kosten erstellt. Die Zahlen sprechen für sich: Wenn in den Niederlanden alle neu identifizierten mangel-/unterernährten Patienten mit einer prozessgeleiteten Ernährungstherapie durch eine Diätassistentin behandelt würden, könnte der volkswirtschaftliche Nutzen pro Jahr bei netto bis zu 123,8 Mio. Euro liegen.

 

Mehr und bessere Lebensqualität

Den größten positiven Effekt hätte eine Ernährungstherapie bei älteren mangelernährten Krankenhauspatienten (bis zu 78 Mio. Euro) sowie bei Patienten, die aufgrund eines Tumors im Magen-Darmtrakt mangelernährt sind (bis zu 42 Mio. Euro). Tumorpatienten profitieren von der individuellen Ernährungsberatung durch eine Ernährungsfachkraft, indem sie mehr Nahrung aufnehmen können, weniger Gewicht verlieren und einen insgesamt besseren und stabileren Ernährungszustand halten können. Bei älteren mangelernährten Patienten führt die Diätetik zudem zu weniger Stürzen und geringeren funktionellen Einschränkungen (z. B. beim Treppensteigen).

 

docFood meint

In Deutschland entstehen dem Gesundheitssystem nach den Schätzungen des VDD bei einem Anteil von ca. 25 Prozent mangelernährten Patienten vermeidbare Kosten in Höhe von rund 9 Mrd. Euro pro Jahr. Der VDD fordert seit Langem die Einführung eines flächendeckenden Screenings aller Patienten in Krankenhäusern sowie die Implementierung von interdisziplinären Ernährungsteams. Gleichzeitig sollten diätetische Maßnahmen im Entgeltsystem berücksichtigt werden. Ernährungsfachkräfte und andere Verbände im ERnährungsbereich sollten diese Forderungen auf breiter Ebene unterstützten.

Quelle: Verband der Diätassistenten VDD

Ernährungsprofis

Über den Autor

Dipl.-Oecotrophologe, Journalist, Berater.
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