Macht Süßstoff dick?

01 Okt 2014 Keine Kommentare by

Macht Süßstoff dick und krank? Bisher wurde diese Frage von seriösen Wissenschaftlern eindeutig mit „Nein“ beantwortet. Doch zumindest für den Süßstoff Saccharin kommen jetzt Zweifel daran auf. Süßstoffe gelten als gesundheitlich unbedenklich, solange sie in Maßen aufgenommen werden. Ein wichtiges Argument für ihre Unbedenklichkeit war bisher, dass diese kalorienfreien Süßungsmittel nicht in den Blutkreislauf gelangen, sondern im Darm verbleiben. Doch genau hier liegt möglicherweise ein Problem. Denn unser Darm ist kein leerer Schlauch sondern die Heimat von 100 Billionen Bakterien – das sind 100 mal so viele, wie unser eigener Körper Zellen hat.

Hohe Mengen des Süßstoffs Saccharin können offenbar die Mikrobiota, also die Gesamtheit aller Bakterien im Darm verändern, wie eine aktuelle Studie zeigt. Unter anderem war nach der Süßstoffaufnahme die Anzahl einer Bakterienart (Akkermansia muciniphila) vermindert, die dafür bekannt ist, den Schutzwall des Darmes zu stärken. Dies könnte die Ursache dafür sein, dass es bei Labormäusen nach der Süßstoffaufnahme sowohl zu Veränderungen im Zuckerstoffwechsel als auch zu einer Gewichtszunahme kam.

 

Gewichtszunahme ist nicht auszuschließen

Um zu untersuchen, ob dieser Effekt auch bei Menschen möglich ist, führten die Forscher eine kleine klinische Studie mit fünf gesunden Männern und zwei Frauen durch, die vorher noch keine Süßstoffe verwendet hatten. Die Probanden nahmen für eine Woche täglich 360 mg Saccharin auf, die höchste erlaubte Dosis. Bei vier der sieben Personen verschlechterte sich der Zuckerstoffwechsel bereits innerhalb einer Woche, begleitet von Veränderungen in Zusammensetzung und Aktivität der Bakteriengemeinschaft im Darm. Bei drei Personen veränderten sich weder die Mikrobiota noch der Zuckerstoffwechsel. Die Forscher vermuten, dass diese so genannten ‚Non-Responder‘ keine jener Bakterienarten beherbergten, die auf Süßstoffe reagieren.

 

Weitere Forschung nötig

Die Studie spiegelt allerdings die realen Verhältnisse beim Menschen nicht wieder, denn der Süßstoff Saccharin wurde in extrem hohen Konzentrationen verabreicht, die ein normaler Verbraucher in dieser Höhe kaum zu sich nehmen würde. Zudem ist die Studie mit sieben Versuchspersonen viel zu klein, als dass man daraus echte Schlüsse ziehen könnte. Gleichwohl lenkt die Studie die Aufmerksamkeit auf die Darmbakterien als Faktor, der bisher – auch in Sicherheitsabwägungen – viel zu wenig berücksichtigt wurde: Zusammensetzung und Aktivität der Mikrobiota haben einen enormen Einfluss auf unsere Gesundheit, wie man inzwischen aus vielen Studien weiß. Jeder Inhaltsstoff unserer Nahrung kann sich nicht nur auf unseren Stoffwechsel, sondern auch auf unsere Darmbewohner auswirken. Dies gilt umso mehr bei Substanzen, die nicht verdaut werden und unverändert in den Darm gelangen – wie z.B. Süßstoffe.

 

Tipp von docFood

Dass Süßstoffe bisher als unbedenklich gelten, ist durch zahlreiche Studien und durch Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit belegt. Durch die neue Studie kommen Zweifel auf, denn Einflüsse auf die Darmbakterien wurden bisher nicht im Detail untersucht. Bis hierzu genauere Forschungsergebnisse vorliegen, gilt die altbekannte Empfehlung: Süßstoffe nur in Maßen verwenden!

Dr. Maike Groeneveld

Quelle: Suez J, Korem T et al.: Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota. Nature. 2014 Sep 17.

FOOD-DOKTOR, Verdauung & Stoffwechsel, WAS WIR ESSEN, Zucker & Honig

Über den Autor

Diplom-Oecotrophologin, ernährungswissenschaftliche Beraterin
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