Neuer Skandal um Gammelfleisch

12 Nov 2013 Keine Kommentare by

Laut Medienberichten wurde in einer niedersächsischen Firma in Bad Bentheim Gammelfleisch im großen Stil mit frischem Fleisch vermischt und zur Weiterverarbeitung an Wurstfabriken geliefert. Gegen den Betrieb, der so genanntes Separatorenfleisch herstellt, ermittelt aus anderen Gründen die Staatsanwaltschaft Oldenburg bereits seit einigen Monaten.

Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück, vergammeltes Fleisch verarbeitet zu haben. Die Aussage bezieht sich allerdings auf die Gegenwart. Über die zurückliegenden Monate möchte der Betreiber mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Stellungnahme abgeben. Zwei ehemalige Mitarbeiter hatten in einem Bericht im ARD-Magazin „Plusminus“ vom 6. November schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben.

 

Was ist Separatorenfleisch?

Separatorenfleisch ist das Fleisch, das nach dem Zerlegen von Geflügel und Schweinen noch an den Knochen hängt. Es wird maschinell ausgelöst, zerkleinert und darf für die Herstellung von Fleisch und Wurstwaren verwendet werden. Rechtlich fällt es nicht unter die Definition von „Fleisch“. Auf verpackten Fleisch- und Wurstwaren, wie zum Beispiel bei Brühwürsten oder Bierschinken, muss der Einsatz von Separatorenfleisch ausdrücklich aus der Zutatenliste ersichtlich sein. Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministeriums wird bereits wegen des Verdachts von Kennzeichnungsverstößen und Urkundsdelikten gegen das Unternehmen in Bad Bentheim ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft, ob sogenanntes Separatorenfleisch zum Einsatz kam, das nicht als solches gekennzeichnet wurde.

 

Proben erhärten Verdacht auf Gammelfleisch

Ob zudem Gammelfleisch verarbeitet wurde, wie die zwei ehemaligen Mitarbeiter berichteten, konnte noch nicht bewiesen werden. Bei einer mikrobiologischen Untersuchung von verschiedenen Proben wurden zwar deutlich erhöhte Mengen an Keimen gefunden sowie abgebaute Fettkomponenten, die deutlich darauf hinweisen, dass das Fleisch bereits verdorben war. Da die Proben jedoch aus dem Wareneingang stammten, ist unklar, ob das Fleisch für die Verabeitung bestimmt war. Wie so oft in der Vergangenheit fordern Verbraucherschützer nun, die amtliche Lebensmittelüberwachung weiter auszubauen, um schwarze Schafe in der Lebenmittelindustrie schneller entlarven zu können. Allerdings wurden in dem niedersächsischen Unternehmen bereits mehr Kontrollen durchgeführt, als durch die EU vorgegeben sind. Wenn Profitgier und kriminelle Energie vorhanden sind, können auch engmaschige Kontrollen keinen absoluten Verbraucherschutz garantieren. Vielmehr wird auf die Courage der Mitarbeiter gesetzt, die von innen heraus auf vorhandene Missstände aufmerksam machen.

 

Tipp von Doc Food

Lebensmittelskandale entstehen dann, wenn kriminelle Energie und Profitgier herrschen. Bei Billig-Fleisch verleitet oft der Preisdruck der Branche die Hersteller dazu, minderwertige Ware einzusetzen, um die Gewinnspanne zu erhöhen. Wenn Sie statt billiger Fleisch- und Wurstwaren oder Fertiggerichte hochwertige Produkte und frisches Fleisch mit bekannter Herkunft kaufen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Gammelfleisch auf Ihrem Teller landet.

Bildquelle: Julien Christ / pixelio.de

November 2013

Ernährungswirtschaft, Fleisch & Geflügel, Lebensmittel, VERBRAUCHER, Verbraucherschutz, WAS WIR ESSEN

Über den Autor

Diplom-Oecotrophologin und Fachjournalistin in Sachen Ernährung.
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