Therapie der Adipositas: Ernährungsfachkräfte gehören dazu!

16 Jan 2015 Keine Kommentare by

In Brandenburg soll in diesem Jahr ein neues Adipositas-Programm in Zusammenarbeit mit Hausärzten starten – wie die AOK Nordost jetzt bekanntgegeben hat. Das ist prinzipiell zu begrüßen – doch Ernährungsfachkräfte bleiben in der ambulanten Behandlung außen vor. Das lässt den Erfolg der Maßnahme von vornherein bezweifeln, denn ernährungstherapeutische Kenntnisse und Fertigkeiten dürften bei Hausärzten doch sehr überschaubar sein.

 

Das Adipositas-Zentrum der Havelland Kliniken möchte künftig, so die Pressemeldung der AOK Nordost, die Kooperation mit den Hausärzten der Region bei der Behandlung Übergewichtiger intensivieren. Hausärzte sollen die Patienten bei Vorliegen einer Adipositas zeitnah an das Behandlungsteam der Kliniken überweisen. Grundlage dafür ist ein integrierter Versorgungsvertrag, den die AOK Nordost mit den Havelland Kliniken abgeschlossen hat. Mit dem Vertrag über die Durchführung des ambulanten Adipositas-Programms wollen die AOK Nordost und die Havelland Kliniken GmbH dem Problem Adipositas begegnen. Herzstück des Programms sind die interdisziplinäre Diagnostik und Therapie. Dabei richtet es sich in erster Linie an Patienten mit deutlichem Übergewicht und einem Bodymaßindex über 40 bzw. 35 mit dadurch bedingten Folgeerkrankungen.

 

Ernährungsfachkräfte im ambulanten Bereich: Nicht vorgesehen

Im Adipositas-Zentrum selbst arbeiten Ernährungsmediziner mit anderen Gesundheitsberufen eng zusammen – neben Sporttherapeuten und Psychologen sind dort auch beispielsweise Ernährungswissenschaftler mit dabei. Schwerpunkt ist dabei eine umfassende Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie mit dem Ziel, dauerhafte Impulse für einen gesunden Lebensstil zu setzen. Das Programm ist jeweils auf zwölf bzw. sechs Monate angelegt. Wichtig ist, dass der behandelnde Hausarzt, insbesondere nach dem Ende des Adipositas-Programms, der erste Ansprechpartner für die Patienten bleibt. Ein Einsatz qualifizierter Ernährungsberater in der Nachsorge auf ambulanter Ebene scheint nicht vorgesehen.

 

docFood meint:

Es ist zu begrüßen, dass Adipositas-Patienten nach einer intensiven Therapiephase weiter begleitet werden. Der Hausarzt ist sicherlich der richtige Ansprechpartner, wenn es um medizinische Fragestellungen geht. Für den nachhaltigen Effekt einer Gewichtsreduktion ist jedoch auch eine Unterstützung durch erfahrene, gut qualifizierte Ernährungsfachkräfte nötig. Nur sie können den Patienten bei den täglichen Entscheidungen ihres Ernährungsalltags unterstützen, weil sie die einzige Berufsgruppe sind, die gleichzeitig Kenntnisse in der Ernährungsmedizin und im Bereich Lebensmittel aufweisen. Man kann den Hausärzten also nur empfehlen, mit Ernährungsfachkräften zu kooperieren.

Dr. Maike Groeneveld

Ernährungsprofis

Über den Autor

Diplom-Oecotrophologin, ernährungswissenschaftliche Beraterin
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