Weißbuch: Die Deutschen und ihre Verdauung

12 Jun 2017 Keine Kommentare by

Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) sind die Krankheiten der Verdauungsorgane eine ‚verkannte‘ Volkskrankheit. So werden rund zwei Millionen Menschen, die an einer Erkrankung des Verdauungssystems leiden, jährlich im Krankenhaus behandelt, wie die DGVS im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des neuen „Weißbuch Gastroenterologische Erkrankungen 2017“ feststellt.

 

Die Behandlung der Betroffenen im Krankenhaus erfordert demnach jährlich mehr als elf Millionen Belegungstage – fast 10 mal so viele wie die stationäre Behandlung von Diabetikern und doppelt so viele wie die Behandlung von Lungenerkrankungen oder psychischen Erkrankungen. Nicht eingerechnet sind hierbei bösartige Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Leber und des Pankreas. Sie führen zu weiteren 3,3 Millionen Behandlungstagen und fordern 24.000 Todesfälle pro Jahr. Die Bedeutung von Fehl- und Überernährung bei der Entstehung vieler dieser Erkrankungen findet im Weißbuch nur am Rande Erwähnung – ähnlich wie die Möglichkeiten diätetischer Maßnahmen im Rahmen der Therapie.

 

Behandlung kostet fast 35Milliarden Euro

Mit dem erstmalig aufgelegten Zahlenwerk will die DGVS eine Grundlage für Diskussionen über die Gegenwart und Zukunft der gastroenterologischen Erkrankungen in Deutschland schaffen. Kein anderes Fachgebiet behandelt ein so breites Spektrum von Erkrankungen wie die Gastroenterologie: Sie befasst sich mit allen Krankheiten an Magen, Darm, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse. Mehr als 37 000 Menschen sterben jedes Jahr an Krankheiten der Verdauungsorgane – auch hier deutlich mehr als an Infektionskrankheiten, Diabetes, psychischen Störungen, Demenz oder  neurologischen Erkrankungen. Die direkten Kosten der Behandlung von Krankheiten der Verdauungsorgane belaufen sich auf 34,8 Milliarden Euro.

 

Immer mehr Menschen von Reizdarm und Fettleber betroffen

Die Daten des Weißbuchs zeigen, dass die gutartigen Erkrankungen der Verdauungsorgane nach den Herz-Kreislaufstörungen die mit Abstand häufigsten Krankheiten der Deutschen sind. Die Nicht-alkoholische Fettleber zählt dabei zusammen mit dem Reizdarmsyndrom ( gemeinsam mit der chronischen Verstopfung) zu den häufigsten gastroenterologischen Gesundheitsstörungen in der Bevölkerung. Die Mediziner vermuten, dass zwischen 4% und 10% der Bevölkerung vom Reizdarmsyndrom (RDS) betroffen sind. Die große Spannbreite dieser Schätzung ist vor allem auch der Tatsache geschuldet, dass es immer noch keine klare Definition des RDS gibt, der man die Betroffenen eindeutig zuordnen könnte.

 

Großer Forschungsbedarf

Damit ist das RDS nur einer von vielen Bereichen, in denen die Gastroenterologen noch großen Forschungsbedarf sehen, um den Betroffenen in Zukunft besser zu helfen. Die DGVS kritisiert in diesem Zusammenhang, dass die medizinische, wissenschaftliche und epidemiologische Bedeutung des Faches in ihrer Gesamtheit von der Gesundheitspolitik immer noch nicht ausreichend wahrgenommen werde. Ein Grund sehen die Mediziner darin, dass die Gastroenterologie im Gegensatz zu vielen anderen Fächern eine Vielzahl von Erkrankungen an verschiedenen Organen zu versorgen hat.

 

Die Zahl der Betroffenen wird steigen

Das Weißbuch macht deutlich, dass die Zahl der zu versorgenden Patienten in Praxis und Krankenhaus  in Zukunft kontinuierlich steigen wird. Im Zeitraum 2012 bis 2014 hat allein die Zahl der Behandlungen gutartiger Erkrankungen  um ca. 5 % zugenommen. Positiv vermerkt der Bericht, dass die Zahl der gastroenterologischen Fachabteilungen an deutschen Krankenhäusern zwischen 1996 und 2011 um 70 % und die Zahl der im Krankenhaus tätigen Gastroenterologen um 130 % gestiegen ist. Bis zum Jahr 2032 wird die Zahl der Patienten nach den Schätzungen des Weißbuches durch demografische Faktoren voraussichtlich um 9 % steigen, die der gastroenterologischen Fälle dagegen um 22 %. Somit muss von einem Mehrbedarf an Gastroenterologen sowohl im ambulanten wie auch im stationären Bereich mit Sicherheit ausgegangen werden. Entsprechend hoch sind auch die direkten und indirekten Kosten.

 

docFood meint

Auch für Ernährungsfachkräfte, die im Bereich der gastroenterologischen Störungen beraten und therapieren, ist das Weißbuch eine Pflichtlektüre, um sich ein Bild vom Stand der Dinge zu verschaffen. Das konsequente Ignorieren der Bedeutung von Fehl- und Überernährung bei der Entstehung vieler dieser Erkrankungen (..von marginalen Bemerkungen abgesehen) und das – man möchte schon sagen: Verschweigen diätetischer Therapieansätze stellt ein echtes Versäumnis dar.

Dr. Friedhelm Mühleib

Das Weißbuch steht auf der Website der DGVS hier zum kostenlosen Download zur Verfügung steht,

Ernährungsprofis, FOOD-DOKTOR, Verdauung & Stoffwechsel

Über den Autor

Dipl.-Oecotrophologe, Journalist, Berater.
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