Wie teuer muss die neue Küche sein?

04 Jun 2014 Keine Kommentare by

Augen auf beim Küchenkauf: „Was, wie oft und für wie viele koche ich? Welche Geräte brauche ich dazu? Wird in meinem Haushalt noch gebacken? – die Antwort auf diese Fragen sollte jeder kennen, der sich eine neue Küche kauft“ das rät die Osnabrücker Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt. Denn wer seinen Bedarf nicht kennt, läuft Gefahr, beim Kauf der neuen Küche unnötig viel Geld zu versenken. Die Küche ist das neue Statussymbol der Deutschen, und der Trend geht ganz eindeutig zu höherwertigen und höherpreisigen Küchen – so lautete der Tenor des Beitrags von docFood in der vergangenen Woche.

Im Folgenden die Tipps von Prof. Elisabeth Leicht-Eckardt, wo und wie man beim Küchenkauf sparen kann:

docFood: Was kann man denn einem Privathaushalt, der sich eine neue Küche anschaffen will, raten?

Prof. Leicht-Eckardt:
Heute brauchen viele ihre neue Küche nicht mehr zum Kochen, sondern zur Repräsentation – gemäß dem Motto: Dem Mann seinen Porsche, der Frau die Einbauküche. Einer der häufigsten Gründe, warum so teure Küchen gekauft werden, ist der schöne Schein – und nicht der Nutzen. Die erste entscheidende Frage vor dem Kauf muss also lauten: Wollen wir eine Küche für die Repräsentation – oder zum Kochen. Wer sich fürs Angeben entscheidet, muss nicht weiter nachdenken – er braucht nur ein dickes Konto. Es soll Menschen geben, die eine 60.000-Euro Küche haben – und darin nicht viel mehr als Kaffee kochen. Da bewahrheitet sich der alte Spruch: Die teuersten Küchen gehen meist dahin, wo sie nur angeschaut werden.

docFood: Was ist mit denen die sparen müssen und dazu noch kochen wollen?

Prof. Leicht-Eckhardt: Wer seine Küche effektiv nutzen will, sollte sich zunächst überlegen, was er wirklich braucht. Ich denke, dass viele vielleicht noch Kochstellen brauchen, aber wer braucht schon noch einen Backofen? Wer backt noch Kuchen? Wer überbackt wirklich mal einen Auflauf? Wer kann überhaupt noch kochen und backen? Es werden immer weniger. Die meisten nutzen den Backofen allenfalls noch für die Fertigpizza. Und das ist – ehrlich gesagt – die reinste Energieverschwendung. Ganz viele Singlehaushalte z.B. brauchen deshalb heutzutage nur noch ein Mikrowellengerät. In den Großstädten überwiegen inzwischen die Ein-Personen-Haushalte. Warum soll ein solcher Kleinhaushalt 20- bis 40tausend Euro in einer Küche versenken? Wer da bedarfsorientiert plant, der findet fast immer eine kleine und trotzdem gute Lösung. Aber das wollen die Küchen-Möbelhersteller natürlich nicht hören.

docFood: Wo kann man sich außer bei den Herstellern noch wirklich objektiv informieren?

Prof. Leicht-Eckhardt: Eigentlich nirgends mehr – im Gegensatz zu früher, wo es z.B. einen entsprechenden Service der Verbraucherzentralen gab. Es gibt Informationen bei der Stiftung Warentest oder in der Zeitschrift Ökotest. Man muss leider sein eigenes Nachhaltigkeits- und Anforderungsprofil selbst erstellen und sich über seine Bedürfnisse selbst klar werden. Das ist auch eine gute Voraussetzung, um mit einem Küchenstudio, die meist mit speziellen Geräte- oder/und Möbelherstellern koopieren, konkret zu planen. Eine fachlich fundierte, hauswirtschaftlich orientierte Hersteller unabhängige Beratung – die gibt gibt allerdings leider nirgends mehr. Einige Schreiner und ein paar Anbieter von Bio-Küchen, die unabhängig arbeiten, bieten noch eine individuelle Küchenplanung an. Heute muss der Kunde aber selbst selber denken – oder googeln. Es gibt inzwischen zahllose Programme für Küchenplanung im Internet.

docFood: Die Berater der Hersteller bzw. Händler empfehlen vemutlich am liebsten die Küche, an der am meisten verdient wird?

Prof. Leicht-Eckhardt: Inzwischen wird das Angebot von Einbauküchen dominiert – und Einbauküche heißt: die Geräte sind schon drin. In der Regel gibt es da Verträge zwischen Küchenstudios und den jeweiligen Geräteherstellern. Da werden dann High-Tech Geräte mit verkauft, die unbenutzte Dekoration bleiben, weil der Kunde die Gebrauchsanweisung nicht mehr findet. Oder die Leute wissen nicht, dass man den 4000 Euro teuren Dampfgarer zwischendurch entkalken muss. Wenn dann der Kunde irgendwelche krummen Zuschnitte von Möbeln braucht, die nicht den Standardmaßen entsprechen, freut sich das Küchenstudio besonders. Denn damit wird viel Geld verdient, weil die individuell angefertigt werden müssen.

docFood: Sollte man sich von mehreren Anbietern eine Planung und ein Angebot machen lassen?

Prof. Leicht-Eckhardt: Ja – in jedem Fall! Dabei sollte man vor allem darauf achten, dass die unterschiedlichen Angebote von Händlern stammen, die auch verschiedene Gerätehersteller repräsentieren. Zu bedenken ist aber auch, dass Angebote oder Beratung teilweise heute schon Geld kosten, was ggf. später mit dem Auftrag verrechnet wird. An den Geräten lässt sich oft Geld sparen, wenn sie in einem Angebot integriert sind. Zu prüfen ist, ob sie dann auch den Kundenbedürfnissen entsprechen, denn solche Änderungen kosten zusätzlich Geld. Die meisten Leute überlegen aber gar nicht, wie viel Geld sie in einer solchen Küche binden. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren: Je teurer die Küche, desto weniger denken die Leute nach! Es gibt Leute, die regen sich bei 1,99 Euro für ein Pfund Schweinebraten auf – und zucken bei 100.000 Euro für die Küche nicht mit den Wimpern (Anm. der Redaktion: Lesen Sie dazu auch unseren Artikel „Küche – Trend zum Luxus„).

docFood: Frau Prof. Leicht Eckardt, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dr. Friedhelm Mühleib

Bildquelle: AMK Die Moderne Küche Service GmbH

Haushalt & Kochen, Konsum, VERBRAUCHER, Verbraucherschutz

Über den Autor

Dipl.-Oecotrophologe, Journalist, Berater.
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