Zöliakie – Krankheit mit vielen Gesichtern

14 Feb 2014 Keine Kommentare by

Mediziner beschreiben die Zöliakie auch als „Chamäleon unter den Magen-Darm-Erkrankungen“. Das Tückische an der Dünndarmerkrankung ist die Vielfalt der auftretenden Symptome. Häufig verschlimmern sich die Beschwerden erst in Belastungssituation, wie im Falle einer Schwangerschaft oder nach einem Verkehrsunfall. Manchmal reicht es aber auch schon aus, wenn der Job gerade besonders stressig ist. Schätzungsweise leiden mehr als eine halbe Million Deutsche an Zöliakie – einer Lebensmittelunverträglichkeit, bei der die Betroffenen den Eiweißstoff Gluten nicht vertragen. 70 bis 80 % der Betroffenen wissen allerdings nichts von ihrer Erkrankung. Häufig leiden sie jahrelang unter Allerweltssymptomen wie Bauchschmerzen und Blähungen, die oft erst durch Zufall oder starke Verschlimmerung der Beschwerden zur Diagnose Zöliakie führen.

 

Welche Symptome treten auf?

Wenn die Zöliakie sehr häufig erst viel zu spät diagnostiziert wird, liegt das meist daran, dass selten ein Vollbild der Krankheit mit massivem Gewichtsverlust und Durchfall mit Fettstühlen vorliegt. Es überwiegen die Verläufe, bei denen nur wenige oder einzelne Symptome bestehen. Man spricht hier von der oligosymptomatischen / asymptomatischen oder stummen Zöliakie. Ein ungeklärter Eisenmangel ist oft das einzige Symptom, dass dann auf eine Zöliakie hinweist. Auch Knochenschmerzen mit Osteoporose oder eine Arthritis können Anzeichen der Erkrankung sein. Bei ‚atypischer Zöliakie’ klagen die Patienten über Symptome, die nicht direkt auf eine Darmerkrankung schließen lassen: Dazu gehören z. B. Zyklusstörungen bei der Frau, Depressionen und Migräneanfälle oder unspezifische Leberwerterhöhungen.

Betroffene Kinder sind oft appetitlos, weinerlich und haben Wachstumsstörungen. Interessant ist, dass etwa bei der Hälfte der Patienten zwar die charakteristischen Veränderungen der Darmschleimhaut nachgewiesen werden können, Magen-Darm-Beschwerden jedoch ausbleiben. Stattdessen treten vielfältige andere Symptome auf, wie z.B. Depressionen, Müdigkeit, Eisenmangel, Gelenkbeschwerden, Osteoporose, Laktoseintoleranz und – bei Frauen – Unfruchtbarkeit oder wiederholte Fehlgeburten. Bei anhaltenden Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Aufnahme von glutenhaltigen Nahrungsmitteln stehen, sollte also immer an die Möglichkeit einer Zöliakie gedacht und umgehend ein Arzt konsultiert werden.

 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Für eine sichere Diagnose ist nach wie vor ein zweistufiges Verfahren nötig: Neben einer
Blutuntersuchung muss zwingend eine Gewebeprobe des Dünndarms erfolgen. Erst dann kann zweifelsfrei geklärt werden, ob beim Patienten eine Zöliakie vorliegt. Während die Blutuntersuchung zum Nachweis spezifischer Antikörper dient, fällt die definitive Diagnose erst durch die Darmbiopsie, die Aufschluss über die typischen Schleimhautveränderungen bringt. Bestätigt wird die Diagnose durch einen raschen Rückgang der Beschwerden bei glutenfreier Ernährung. Mit Vorsicht ist den Versprechungen der Hersteller von teuren Zöliakie-Schnelltests zu begegnen. So warnt die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e. V. (DZG), der Test könne zu falschen positiven wie negativen Ergebnissen führen.

 

Tipp von docFood:

Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden, die den Verdacht auf Zöliakie aufkommen lassen, sollten direkt einen fachkundigen Arzt – am besten einen Magen-Darm-Spezialisten – aufzusuchen und nicht erst mit fragwürdigen Tests oder „Geheimrezepten“ aus dem Internet experimentieren.

Bildquelle: wavebreakmediamicro / 123RF Stock Foto

 

Allergie & Intoleranz, FOOD-DOKTOR

Über den Autor

Dipl.-Oecotrophologe, Journalist, Berater.
Kein Kommentar zu “Zöliakie – Krankheit mit vielen Gesichtern”

Kommentar abgeben

Folgen
Get every new post delivered to your inbox
Join millions of other followers
Powered By WPFruits.com