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Tipp gegen Tricks zum Schutz vor Demenz

Wer im Internet surft, kann sich kaum retten vor Tipps und Tricks für dieses und jenes, für eigentlich alles. Auch heute entgehe ich den Websites nicht, die mich mit Tipps und Tricks versorgen. Heute verspricht mir die Website von n-TV: „Mit diesen Tricks bleibt das Gehirn auf Zack“. Und welche tollen Tricks wären das nun? Fähigkeiten nutzen; gesund essen; viel bewegen; gezielt trainieren; Diabetes behandeln lassen; Anschluss suchen!
 
Das sollen Tipps und Tricks sein? Das sind weder Tipps noch Tricks, sondern  Selbstverständlichkeiten, die jeder jenseits der 50 verinnerlicht haben sollte. Es sind die Grundelemente eines halbwegs gesunden Lebensstils in der zweiten Lebenshälfte. Die Behandlung eines Diabetes ist kein Trick, sondern eine notwendige Maßnahme zur Verhinderung eines zu frühen Todes. Ein Trick ist das Versprechen, mit wenig Aufwand viel zu erreichen. Geht es darum, gesund und beweglich alt zu werden, klappt das in Regel nicht mit dem minimalen Aufwand. Wer rastet, der rostet. Stellt sich die Frage: Für wie dumm halten uns all jene, die uns täglich mit solchen unsäglichen Tipps und Tricks versorgen? So ist der einzige hilfreiche Tipp dieser: Wenn Dir das Netz Tipps und Tricks verspricht, surfe möglichst schnell weiter. Schalte den Computer aus und stattdessen das Hirn ein. Denke im aktuellen Fall (Demenzschutz) ein paar Minuten darüber nach, was Du heute tun kannst, um Dich jung und geistig und körperlich fit zu halten. Iss dabei einen Apfel. Das wäre Dein optimaler Demenz-Schutz.

 Friedhelm Mühleib

Alzheimer: Fisch schützt, Fischöl nicht.

Können Fisch oder Fischöl-Kapselnvor Alzheimer und/oder anderen Erkrankungen schützen? Eine aktuelle Studie am Rush University Medical Center in Chicago kommt zu dem lakonischen Ergebnis: Fisch hilft, Fischöl nicht! Das bestätigt eine alte Erkenntnis der Vollwerternährung: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile – oder, um es naturwissenschaftlicher auszudrücken:  „Die Nachteile einer ungesunden Ernährung kann man nicht durch die Einnahme einzelner Mikronährstoffe oder Supplemente kompensieren“, so der Kommentar von Prof. Martin Smollich, Experte für klinische Ernährung von der Praxishochschule Rheine, zu den Ergebnissen der Studie.
 

Viel Fisch, viel Quecksilber – was aber nicht schadet

Ein moderater Seefisch-Verzehr (2 Fischmahlzeiten pro Woche) ist den Ergebnissen der Studie zufolge mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit korreliert, an Alzheimer zu erkranken. Wer regelmäßig Seefisch isst, muss mit einem nicht ganz unproblematischen Nachteil rechnen: der möglicherweise hohen Aufnahme des Schwermetalls Quecksilber. Doch während der  Fischverzehrs Vorteile bringt – so die Leiterin der Studie Prof. Martha Clare Morris – scheint das Quecksilber nicht zu schaden, zumindest hinsichtlich dementieller Erkrankungen nicht: Die Fischesser hatten zwar tatsächlich mehr Quecksilber im Gewebe – was allerdings hinsichtlich Demenz und neuropathologischer Erkrankungen keinerlei Auswirkungen hatte.
 

More fish, more fun

Wer sich für die Einzelheiten der Studie interessiert, dem sei die Lektüre des Beitrags von Prof. Smollich im praxisblog der Hochschule Rheine empfohlen. Sein Fazit: „Tatsächlich konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Fischverzehr zu Lebzeiten und der Quecksilber-Konzentration im Gehirn gefunden werden. Ebenfalls signifikant war aber auch der umgekehrte Zusammenhang zwischen Fischverzehr und neuropathologischen Anzeichen für Alzheimer und zerebrale Makroinfarkte: Je höher der Seefisch-Verzehr, desto geringer waren die Anzeichen für Alzheimer und Hirninfarkte. Und besonders aufschlussreich: Im Gegensatz zu Fischmahlzeiten zeigte die Supplementation mit Fischöl-Präparaten keinerlei Zusammenhang mit neuropathologischen Parametern.“
 

docFood meint

Genau darin könnte der eigentliche Wert der Studie liegen: In der Erkenntnis, dass Fischöl in Kapseln mit all seinen hochgelobten Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel zumindest hinsichtlich der Prävention von Demenz nichts bringt. Doch auch in Bezug auf den Fischverzehr sollte man sich davor hüten, in den „viel hilft viel“ Modus zu verfallen. Schließlich mahnt selbst Prof. Morris als Autorin der Studie einen umsichtigen Umgang mit dem Seefisch an: “Most studies in dementia have found that one seafood meal a week is beneficial,” she said, though “they haven’t found that the more you eat, the lower the risk.”

Dr. Friedhelm Mühleib

Quelle: Morris MC et al. Association of seafood consumption, brain mercury level, and APOE ε4 status with brain neuropathology in older adults. JAMA 2016; 315: 489–497

Demenz – Einfluss der Ernährung

Wenn es um Demenz, ihre Behandlung oder das Hinauszögern von Verschlechterungen geht, stehen Ernährungsfachkräfte vor einer zentralen Frage: Lässt sich der Krankheitsverlauf durch Ernährung beeinflussen? Demenz ist ursächlich nicht heilbar. Eine entsprechende Ernährung scheint zumindest Möglichkeiten zu bieten, den Krankheitsverlauf hinauszuzögern. Dr. Werner Hofmann, Chefarzt der Klinik für Geriatrie am Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, hat sich mit Chancen und Grenzen einer Ernährungstherapie befasst.
„Zusammenhänge zwischen Ernährung und Demenz sind sehr vielfältig“, sagt Dr. Hofmann und stellt fest, dass etwa die Hälfte aller Demenzkranken schon in den Jahren vor der Diagnose schleichend Gewicht verlieren.
 

Mangelernährung und Gewichtsverlust sind häufige Begleiter

„Es lässt sich durchaus sagen: Mangelernährung und Gewichtsverlust sind begleitende Faktoren bei der Entwicklung einer Demenz“, so Hofmann nach einer aktuellen Meldung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DDG). Ob es eine Ursache und eine daraus ableitbare Wirkung gibt, hat sich bislang aber nicht klären lassen: „Das ist wie mit der Henne und dem Ei – da ist noch Spekulation im Spiel.“ Eine zentrale Frage, die insbesondere auch Ernährungsfachkräfte bewegt: Lässt sich der Krankheitsverlauf durch Ernährung beeinflussen? Hier scheint es mehr Hoffnung zu geben. Dr. Hofmann, der bis 2012 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG) war und sich intensiv mit der Ernährung alter Menschen beschäftigt, verweist auf aktuelle Studien, deren Ergebnisse nahelegen, dass eine Kombination verschiedener essentieller Nahrungsstoffe – zum Beispiel Vitamine, Fette und Aminosäuren – die Ausfallserscheinungen bei Alzheimer mildern kann.
 

Ernährung als Schalthebel

„Man kann aber leider nicht schlussfolgern, dass eine wiederaufgenommene bessere Ernährung das Fortschreiten einer Demenzerkrankung aufhält“, schränkt Hofmann ein. „Dafür ist die Datenlage noch zu begrenzt.“ Trotzdem vertritt er die Auffassung, dass die Ernährung ein Schalthebel ist, um das Gesamtbefinden der Patienten wesentlich zu beeinflussen. So gelten Hofmann zufolge exemplarisch drei Empfehlungen:
● mehr Proteine, um den Muskelabbau im Alter zu stoppen und die Sturzgefahr zu reduzieren.
● Mehr Kalorien, um den erhöhten Energieverbrauch durch Hyperaktivität auszugleichen.
● Mehr individuell zubereitete Gerichte, um Leiden wie Schluckprobleme mit entsprechender Kost aufzufangen.
 

docFood meint

Bei älteren Patienten im Alter von über 60 Jahren, die über Gewichtsverlust klagen und / oder ohne konkreten medizinischen Befund Symptome einer Mangelernährung vorweisen, sollte immer auch an die Möglichkeit der Entwicklung einer dementiellen Erkrankung gedacht werden. Sind Anzeichen kognitiver oder motorischer Einschränkungen vorhanden, sollte man dem Klienten zu einer ärztlichen Abklärung des Sachverhaltes raten.

 Redaktion docFood

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Quellen: Scheltens P et al. Efficacy of Souvenaid in mild Alzheimer’s disease: results from a randomized, controlled trial. J Alzheimers Dis. 2012;31(1):225-36. http://wurtmanlab.mit.edu/static/pdf/1051.pdf
Shah RC et al. The S-Connect study: results from a randomized, controlled trial of Souvenaid in mild-to-moderate Alzheimer’s disease. Alzheimers Res Ther. 2013 Nov 26;5(6):59. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3978853/