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Intervallfasten – so geht es richtig

Die Diät beim Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt, richtet sich nach der Uhr. Mit dem Ziel eine Gewichtsreduktion zu erreichen oder die Stoffwechselgesundheit zu fördern, wird dem Körper stunden- oder tagelang keine Energie zugeführt. Lässt sich mit dem Intervallfasten effektiv abnehmen und für wen ist die Reduktionsdiät geeignet?

Beim Intervallfasten gibt es vielfältige Konzepte für die praktische Umsetzung: regelmäßiges Verzichten auf das Frühstück oder Abendbrot, um 16 Stunden nüchtern zu bleiben (16:8-Diät) oder die 5:2-Diät (zwei Tage in der Woche fasten und die restlichen fünf Tage wie gewohnt essen). Erste Tier- und Humanstudien legen nahe, dass sich mit dem Intervallfasten Fettdepots abbauen lassen. Auch das viszerale Fettgewebe in Leber und Bauchspeicheldrüse kann reduziert werden. Beim Fasten stellt sich der Energiestoffwechsel des Körpers um. Erhält der Körper keine Kohlenhydrate, greift er auf Glykogen aus Muskel und Leber zurück. Ist das Glykogen verbraucht, baut der Körper Fettreserven ab.

Dadurch hilft das Intervallfasten beim Abnehmen, hat jedoch keinen Vorteil gegenüber herkömmlichen Reduktionsdiäten. Dies zeigten jüngste Humanstudien, wie die HELENA-Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Heidelberg mit 150 übergewichtigen und adipösen TeilnehmerInnen aus dem Jahr 2018 sowie eine im vergangenen Jahr durchgeführte Studie der University of California mit 116 übergewichtigen ProbandInnen. In einem experimentellen Studiendesign untersuchten beide die Effektivität des intermittierenden Fastens im Vergleich zu klassischen Reduktionsdiäten. Die Studien kamen zu dem Ergebnis, dass das Intervallfasten nicht effektiver als eine herkömmliche energiereduzierte Diät ist. Intervallfastende verloren ähnlich viel Gewicht, wie TeilnehmerInnen, die eine klassischen Reduktionsdiät einhielten. Ebenso ließen sich vergleichbare Effekte bei der Verbesserung des Gesundheitszustands in beiden Gruppen erzielen. Weiterhin liegen Hinweise vor, dass durch das intermittierende Fasten die Insulin-Ausschüttung reduziert und somit das Risiko für Typ-2-Diabetes gesenkt werden kann.

Für einige Personengruppen ist das Intervallfasten jedoch nicht geeignet. Das Bundeszentrum für Ernährung rät Typ-1-DiabetikerInnen, Menschen mit einer Essstörung, Minderjährigen, Schwangeren und Stillenden sowie Frauen mit Kinderwunsch von dieser Fastenform ab. Auch Menschen mit Vorerkrankungen, wie Bluthochdruck, sollten vor Beginn der Diät Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt/ihrer behandelnden Ärztin halten.

Intervallfasten – Was bringt das Essen im Rhythmus?

Schon bald beginnt die Fastenzeit. Intervallfasten ist inzwischen für viele eine Alternative zum klassischen Fasten, bei dem über mehrere Tage hinweg gar nichts gegessen hat. Was es mit dem Intervallfasten auf sich hat und welche Vorteile es für die Gesundheit bringen kann, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Anja Markant (Foto links) vom Fachbereich Oecotrophologie / Facility Management der Universität Münster.

Prof. Markant beschäftigt sich mit den gesundheitlichen Aspekten des Fastens im Rahmen ihres Themenschwerpunktes Ernährungsphysiologie. Im folgenden Interview verweist die Expertin darauf, dass Intervallfasten nicht nur beim Abnehmen helfen kann, sondern generell auch mit Verbesserungen von Stoffwechselprozessen verknüpft ist. So konnten Studien belegen, dass sich Parameter des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels durch das Intervallfasten verbesserten:

Frau Prof. Markant, was genau ist Intervallfasten?

Intervallfasten oder auch intermittierendes Fasten ist charakterisiert durch Phasen, in denen nicht gegessen wird, und solchen, in denen eine Mahlzeitenaufnahme erfolgt. Diese Phasen können sich auf Stunden innerhalb eines Tages oder aber auch auf Tage innerhalb einer Woche beziehen. Eine bekannte Variante des Intervallfastens ist der sogenannte 16 : 8-Rhythmus innerhalb eines Tages. Dies bedeutet, dass 16 Stunden auf Essen verzichtet wird und innerhalb der verbleibenden 8 Stunden Mahlzeiten wie gewohnt eingenommen werden können. Je nach Vorlieben jedes Einzelnen kann somit entweder das Frühstück oder das Abendessen weggelassen werden. Es gibt allerdings auch das alternierende Tagesfasten, das heißt, dass jeden zweiten Tag gefastet wird. In ähnlicher Weise funktioniert auch die sogenannte 5 : 2-Diät. Hier wird an zwei Tagen in einer Woche komplett gefastet beziehungsweise die Energiezufuhr auf maximal 20 bis 25 Prozent des individuellen Bedarfs reduziert. Die restlichen Tage der Woche kann wie gewohnt gegessen werden.

Wie streng muss man das nehmen? Heißt das, dass ich in den Fastenstunden ausschließlich Wasser trinke, also beispielsweise keinen Zucker in den Kaffee geben sollte?

Entscheidend sind die Essenspausen zwischen den Mahlzeiten beziehungsweise das Einhalten der Fastentage. Je länger die Abstände zwischen den Mahlzeiten sind, desto effektiver ist die Wirkung des Intervallfastens, da nur so die gespeicherten Energiereserven des Körpers herangezogen werden. In dieser Zeit sollten dann auch nur Wasser oder ungesüßte Getränke wie Kaffee und Kräuter- oder Früchtetee getrunken werden. Für die fastenfreien Intervalle gibt es keine strikten Vorgaben. Natürlich sollen die Empfehlungen für eine gesunde vollwertige Ernährung berücksichtigt werden, also viel Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte, möglichst wenig Fertiggerichte und eine Mäßigung bei dem Verzehr von Süßigkeiten und salzigen Snacks. Natürlich sollte auch in den fastenfreien Intervallen ausreichend Flüssigkeit aufgenommen werden.

Wie wirkt sich das Intervallfasten auf die Gesundheit aus?

Für die meisten Menschen, die mit dem Intervallfasten beginnen, ist die Hauptmotivation eine Gewichtsabnahme. Jede erfolgreiche Gewichtsabnahme ist jedoch nur mit einer längerfristigen verringerten Kalorienaufnahme möglich. Dies fällt oft nicht leicht, da unter Umständen auf zahlreiche Lieblingsspeisen verzichtet werden muss. Wenn man sich jedoch nur zeitlich begrenzt einschränkt – 16 Stunden oder ein bis zwei Tage in der Woche – und nicht im Detail jede Kalorie zählen muss, erhöht das die Akzeptanz für die Ernährungsumstellung. Aus diesem Grund konnten mittlerweile zahlreiche Studien zeigen, dass Intervallfasten zu einer effektiven und lang anhaltenden Gewichtsreduktion führt. Hinzu kommt noch, dass mit einer Korrektur des Körpergewichts immer auch Verbesserungen von Stoffwechselprozessen verknüpft sind. So konnten Studien belegen, dass sich Parameter des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels durch das Intervallfasten verbesserten.

Wie lange sollte man mindestens fasten? Wie viel maximal? Gibt es dazu Empfehlungen?

Zeitliche Angaben zur maximalen Dauer des Intervallfastens gibt es nicht. Auf jeden Fall kann das Intervallfasten beendet werden, wenn das Wunschgewicht erreicht ist. Es ist natürlich jederzeit möglich, wieder mit den Fastenphasen zu beginnen und damit kleine Abweichungen vom Wunschgewicht zu korrigieren. Letztendlich kann dies jeder für sich selbst entscheiden. Genauso sind kleine Unterbrechungen durchaus verzeihlich, wenn dann wieder konsequent das Intervallfasten fortgesetzt wird.

Foto: © FH Münster/Wilfried Gerharz
Quelle: FH Münster – University of Applied Sciences / Fachbereich Oecotrophologie-Facility-Management / Aktuelles

Fasten kann bei Fettleber heilen

Gegen Fettleber gibt es ein einfaches Rezept: Fasten. In vielen Fällen ließe sich damit auch ein bestehender Diabetes therapieren, wie  der Ernährungswissenschaftler Prof. Nicolai Worm bereits vor drei Jahren in seinem Buch „Menschenstopfleber“ postuliert hat. Jetzt haben Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München neue Erkenntnisse auf molekularer Ebene gewonnen, die die Thesen von Worm bestätigen.

 
In der Pressemeldung des Zentrums heißt es: „Die steigende Zahl an übergewichtigen Menschen entwickelt sich zu einem drängenden Problem. Insbesondere die dadurch verursachten Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes und entsprechende Folgeerkrankungen können schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen haben. Eine reduzierte Aufnahme von Kalorien, etwa im Rahmen einer Intervallfastenkur, kann helfen, den Stoffwechsel wieder auf Vordermann zu bringen.“ Auf der Suche nach dem Grund dafür konnten die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zeigen, dass bei Nahrungsentzug ein bestimmtes Protein hergestellt wird, das den Stoffwechsel in der Leber anpasst.
 

Fetteinlagerung: Proteinschalter in der Leber

Mithilfe so genannter transcript arrays konnten sie zeigen, dass speziell das Gen für das Protein GADD45β je nach Ernährung unterschiedlich oft abgelesen wurde: Je mehr Hunger, desto öfter produzierten die Zellen das Molekül, dessen Bezeichnung eine Abkürzung für das englische ‘Growth Arrest and DNA Damage-inducible’ ist. Modellversuche ergaben, dass GADD45β für die Steuerung der Fettsäureaufnahme in der Leber zu ständig ist. Mäuse, denen das Gen fehlte, entwickelten leichter eine Fettleber. Stellte man das Protein aber wieder her, so normalisierte sich der Fettgehalt der Leber. Zudem verbesserte sich der Zuckerstoffwechsel. Auch beim Menschen – so stellten die Wissenschaftler fest – gehen niedrige GADD45β-Spiegel erhöhten Fettanreicherung in der Leber und   erhöhtem Blutzuckerspiegel einher.
 

Hungern für die Gesundheit

„Der durch das Fasten verursachte Stress auf die Zellen der Leber scheint also die Produktion von GADD45β anzukurbeln, was dann den Stoffwechsel an die geringe Nahrungsaufnahme anpasst“, fasst Prof. Dr. Stephan Herzig, Direktor des Instituts für Diabetes und Krebs (IDC) am Helmholtz Zentrum München, zusammen. Die neuen Ergebnisse wollen die Forscher nun nutzen, um therapeutisch in den Fett- und Zuckerstoffwechsel einzugreifen und die positiven Effekte von Nahrungsentzug mit Wirkstoffen nachzuahmen.
 

Intervallfasten – Hungern für die Gesundheit from Helmholtz Zentrum München on Vimeo.

 

docFood meint

„Wirkstoffe“ zu entwickeln, die die „positiven Effekte von Nahrungsentzug nachahmen“ ist hanebüchener Unsinn, wo das Fasten doch eine sichere und (weitestgehend) nebenwirkungsfreie Methode des Nahrungsentzugs bietet  – es braucht nicht viel mehr als den persönlichen Willen dazu. Statt etwas Überflüssiges zu entwickeln, an dem im Zweifelsfall vor allem die Pharmaindustrie Freude hat, sollten sich die Helmholtz-Forscher Worms Anleitung zum Leberfasten zu Gemüte führen. Bei deren Lektüre kommt man schnell zu dem Schluss, dass mit dem Leberfasten die gesuchte Therapie bereits gefunden ist. Dann wäre allenfalls eine Studie sehr nützlich, die genau das verifiziert!

 Dr. Friedhelm Mühleib

Fastenzeit – 60 Prozent der Deutschen üben Verzicht

Knapp 60 Prozent der Deutschen haben schon mindestens einmal in der Fastenzeit gezielt für mehrere Wochen auf bestimmte Genussmittel oder Konsumgüter verzichtet – darunter vor allem Jüngere. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Besonders beliebt ist der Verzicht auf Alkohol und Süßigkeiten. Fast jeder dritte Befragte würde eher sein Handy oder Internet für längere Zeit abschalten.
Laut DAK-Studie haben 42 Prozent der Befragten schon öfter für mehrere Wochen gefastet. Bei der gleichen Umfrage im Jahr 2012 gaben dies nur 34 Prozent an. Weitere 17 Prozent verzichteten bereits einmal gezielt auf bestimmte Genussmittel oder Konsummittel. Jeder Zehnte hat dies noch nie getan, könnte sich aber gut eine Fastenzeit vorstellen.
 

Beliebt: Verzicht auf Alkohol

Nur für 29 Prozent der Deutschen kommt derzeit der bewusste Verzicht überhaupt nicht in Frage. Während bei den 18- bis 29-Jährigen nur 18 Prozent das Fasten ablehnen, sind es in der Altersgruppe über 60 Jahre doppelt so viele. Favorit beim Fasten bleibt Alkohol – hierauf würden 69 Prozent der Befragten am ehesten verzichten. Es folgen Süßigkeiten mit 63 Prozent. Der gezielte Verzicht auf Fleisch wird mit 47 Prozent in diesem Jahr häufiger genannt als das Rauchen (43 Prozent). 31 Prozent würden am ehesten auf Unterhaltungselektronik wie Handy, Smartphone, Computer und Internet verzichten. Jeder Fünfte würde sogar sein Auto stehen lassen.
 

Fastenzeit 2014: Hierauf würden die Deutschen am ehesten verzichten*

1.) Alkohol                            (69 Prozent)
2.) Süßigkeiten                    (63 Prozent)
3.) Fleisch                             (47 Prozent)
4.) Rauchen                         (43 Prozent)
5.) Fernsehen                      (33 Prozent)
6.) Handy, Computer      (31 Prozent)
7.) Auto                                 (19 Prozent)
* Repräsentative Bevölkerungsbefragung durch Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit, 25. bis 27. Februar 2014, 1.000 Befragte
 

Größere Bereitschaft zum Fasten bei Frauen

Beim Fasten unterscheiden sich die Geschlechter. Während 54 Prozent der Frauen bewusst auf Fleisch verzichten würden, sind es bei den Männern nur 40 Prozent. Auch den Verzicht auf Handy und Internet nennen Frauen mit 36 Prozent häufiger als Männer mit 26 Prozent.  „Frauen achten in der Regel mehr auf ihren Körper und ihre Psyche“, erklärt Expertin Silke Willms von der DAK-Gesundheit. „Sie gehen häufiger als Männer zur Vorsorge und nutzen auch das Fasten bewusst für einen gesunden Lebensstil. Wenn Familie und Beruf zu sehr stressen, kann gerade der gezielte Verzicht auf Smartphone und Computer Entspannung und neue Kraft bringen. Wer länger abschaltet, kann seine eigene Batterie besser aufladen.“
 

Tipp von docFood:

Wie wär’s als Alternative zum Verzicht auf Alkohol, Fleisch, Rauchen & Co. mit Strichcodefasten? Was das ist, erfahren Sie hier>>
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Fasten und Alltag – lässt sich das verbinden?

Für viele, die jetzt fasten wollen, stellt sich die Frage: Kann ich das Fasten in meinen beruflichen und privaten Alltag integrieren? Mit einer gewissen Voraussicht und Planung ist das kein Problem. Allerdings gilt: Wer zum ersten Mal fastet, tut dies am besten mit reduzierter Alltagsbelastung und unter fachkundiger Anleitung – allein schon um die individuellen Reaktionen von Körper und Seele auf den Nahrungsverzicht kennenzulernen, denn die sind schließlich bei jedem verschieden.
Empfehlenswert für Anfänger sind Fastenkurse in kleinen Gruppen mit erfahrenen Kursleitern. So wird man mit dem „System“ des Fastens am besten und schnellsten vertraut. Inzwischen werden Fastenkurse von vielen Volkshochschulen, naturheilkundlichen Praxen und ausgebildeten privaten Fastentrainer/innen angeboten.
 

Fasten zu hause – gute Vorbereitung hilft

Gefastet wird dann zu hause – den Rückhalt gibt das tägliche Treffen im Fastenkurs. Wer dabei bleibt, dem stehen später viele Wege offen: Fasten kann man allein, mit dem Partner, in Gruppen, ohne Anleitung, mit Anleitung, im Urlaub, zu hause oder sonst wo. Wichtig ist immer nur, sich eine Situation zu suchen, in der man sich wohl fühlt und eine Zeitnischen hat, um seine Ruhe zu finden. Der ideale „Fastenrhytmus“ dürfte übrigens bei ein bis zwei Fastenwochen pro Jahr liegen. Jeder sollte letztlich selbst für sich herausfinden, wann, wie oft und wo er fastet. Beim Fasten zu hause sollte man vor allem an folgende Punkte denken:

  • Beginnen Sie an einem Wochende und nehmen Sie sich zum Fastenanfang eine echte Auszeit. Die ersten zwei bis drei Tage im Fasten sind die schwierigsten. Danach verschwinden normalerweise anfängliche Hungergefühle und der Körper schaltet auf den so genannten „Hungerstoffwechsel“ um: Der Organismus greift auf seine Energiereserven zurück und beginnt, Fettdepots und – in weit geringerem Ausmaß – Muskeleiweiß zu mobilisieren, um seinen Energiebedarf zu decken.
  • Planen Sie für die Fastenwoche täglich wenigstens zwei bis drei Stunden für den persönlichen Rückzug ein. Halten Sie sich die Zeit von außergewöhnlichen Belastungen und verschiebbaren Terminen frei.

 

Es muss kein strenges Fasten sein

Entscheidend für die persönliche Verfassung während des Fastens ist auch die Fastenform. Für das Fasten zuhause sind die strengen Fastenformen (Wasserfasten, Teefasten) weniger geeignet. Stattdessen sollte eine Form des modifizierten Fastens bevorzugt werden. Beim modifizierten Fasten sind geringe Mengen Nahrungsenergie (ca. 200 bis 300 Kalorien täglich) vorgesehen:
 

  • „Buchinger-Fasten“ mit heißen Kräutertees, heißer Gemüsebrühe sowie Obst- und Gemüse-Säften.
  • Molke-Fasten mit täglich ca. 2 Litern Molke, die durch ihren Eiweißgehalt einem Eiweißmangel im Fasten vorbeugt.
  • Schleimfasten. Es ist besonders geeignet für Magen- und Darmempfindliche.

Beim selbständigen Fasten sind diese modifizierten Fastenformen, sicherlich die bewährtesten. Da sie eine „Illusion“ von Nahrung lassen, fällt das Fasten mit ihnen in der Regel leichter als mit den absoluten Null-Diäten.
 

Tipp von docFood:

Wer es nicht schafft, sich für das Fasten eine echte Auszeit zu nehmen und im Alltag fastet, sollte bedenken: Alles braucht mehr Zeit. Der Kreislauf kann labiler sein. Schnellstarts und Spurts in jeder Hinsicht wirken belastend. Fastende sind in der Regel psychisch empfindlicher und sensibler. Beim Autofahren kann die Reaktionsfähigkeit herabgesetzt sein.
 
Bildquelle: DAK / Kohlbecher
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Fasten – Hält Körper und Seele jung

Über die klassischen medizinischen Aspekte des Fastens hinaus rücken in jüngster Zeit vor allem zwei weitere gesundheitliche Vorteile ins Blickfeld der Betrachtung: Die positive Wirkung auf die Psyche sowie sein Anti-Aging-Potential.
Dass Fasten die Stimmung hebt und sich nach einigen Fastentagen eine heitere, entspannte Stimmung einstellt, die manchmal fast euphorische Ausmaße annimmt, weiß man aus zahllosen Erfahrungsberichten von Fastenden. Der Göttinger Neurobiologe und Stressforscher Prof. Dr. Gerald Hüther hat die biochemischen Mechanismen erforscht, die dafür verantwortlich sind: Zum einen fallen beim Fasten die Blutfettwerte des Stresshormons Kortisol bis zur Hälfte ab – was bei gestressten Zeitgenossen schon zu enormer Beruhigung führt. Zum andren greift das Fasten in unser „serotogenes System“ ein. Fasten stimuliert bereits nach kurzer Zeit die Ausschüttung des „Glückshormons“ Serotonin. Gleichzeitig blockiert es dessen Wiederaufnahme in die Zellen. So bewirkt das Fasten durch die immer höhere Konzentration des Serotonins auf natürlichem Weg ähnliches wie bestimmte synthetisch-chemische Rauschmittel und Psychopharmaka: Eine euphorisch-gehobene Stimmung, gesteigerte Sensibilität, und intensives Traumerleben werden massiv stimuliert.
 

Fasten verstärkt die Gefühle

Dieser neurobiologische Effekt des Fastens dürfte auch einer der Gründe dafür sein, dass das Fasten in vielen Kulturen im Rahmen religiöser oder spiritueller Traditionen – z.B. zur Erlangung transzendentaler Bewusstseinszustände – einen wichtigen Platz hat. Andererseits ist durchaus auch eine gewisse Vorsicht geboten: So weist Hüther auch auf die Gefahren dieses Phänomens hin: „Fastende können in einen Zustand geraten, in dem sie sich plötzlich befreit von Ängsten und Spannungen fühlen. Das kann durchaus zu seelischer Abhängigkeit führen. Ich rate deshalb psychisch labilen Menschen vom Fasten ab. Bei Mädchen oder jungen Frauen, die wenig gefestigt sind, kann Fasten sogar in einer Magersucht enden.“ Gleichzeitig haben die Fastenforscher festgestellt, dass die Wirkung des Heilfastens stark abhängig von der Haltung des Fastenden ist. Hüther: „Der wohltuende Effekt des Fastens stellt sich nur ein, wenn man bereits zu Beginn des Fastens positiv gestimmt ist.“ Wer zum Fasten gezwungen wird oder zu Beginn des Fasten in Krisenstimmung ist, läuft ebenfalls Gefahr, schon bald in eine „Fastenkrise“ mit Erschöpfung, Schlafstörungen und Schwindelanfällen zu fallen, die zum Abbruch zwingen kann.
 

Fasten beugt dem Altern vor

Was den Anti-Aging-Effekt des Fastens betrifft, so behaupten die großen Fastenlehrer wie z.B. Buchinger und Lützner schon seit langem, Fasten halte die Alterungsprozesse im Körper auf bzw. verlangsamen sie. So gilt Fasten als ideale Prävention zur Erhaltung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, besonders in den Wechseljahren der Frau und beim Leistungsknick des Mannes um das 50. Lebensjahr. Aktuelle Forschungsergebnisse weisen ebenfalls in diese Richtung. So konnte Dr. Ryoya Takahashi von der Toho Universität / Japan nachweisen, dass sich im Fasten der Gehalt hitzelabiler, geschädigter Enzyme in den Zellen drastisch vermindert: „Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass dieser Anhäufung geschädigter Enzyme – und damit vermutlich auch dem Alterungsprozess – durch Einschränkung der Nahrungszufuhr entgegengewirkt werden kann.“
 
Bildquelle: Gisela Peter / pixelio.de
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Fasten – Kopf und Bauch klar!

Ob als spirituelle Selbsterfahrung, körperliches Fitnessprogramm oder Entspannung für die Seele – immer mehr Menschen nehmen im Frühjahr eine Auszeit, um beim Fasten Gesundheit und Wohlbefinden zu stärken. Dabei legen inzwischen alle seriösen Fastenexperten Wert auf die Feststellung, dass der wirkliche Nutzen des Fastens nicht im Abnehmen bzw. im Gewichtsverlust liegt, sondern im Gewinn an Lebendigkeit, an geistiger und seelischer Klarheit. Tatsächlich zeigen jüngste Forschungsergebnisse zum Fasten vor allem zwei Dinge: (Regelmäßiges) Fasten macht zum einen froh und hebt die Stimmung. Zum anderen scheint die zeitweise Enthaltsamkeit die Gesundheit zu fördern und zur Verlängerung des Lebens beizutragen.
„Fasten heißt lernen, zu verzichten – aber nicht mit böser Miene, sondern entdecken, dass ich unendlich vieles überhaupt nicht brauche. Das bringt eine ungeheure Ruhe und große Ausgeglichenheit. Mit jedem Fastentag kann ich besser spüren, sensibler sein, kann ungeheuren Spaß haben an mir selbst und am Leben. Ich sehe alles intensiver, alle Sinne sind schärfer,“ so umschreibt der „Fastenpapst“ Dr. Hellmut Lützner die wichtigsten Effekte einer Fastenkur. Für die Naturheilkunde ist das Fasten eine ganzheitliche Regenerationskur mit positivem Einfluss auf viele wichtige physische und psychische Parameter. Nicht umsonst bezeichnet der berühmte Fastenarzt Buchinger das Fasten als den „königlichen Heilweg“.
 

Fasten – Fitnesskur für den Stoffwechsel

Bei ernährungsabhängigen Stoffwechselerkrankungen gibt es wohl kaum eine wirkungsvollere und ungefährlichere Heilmethode:

  • Fasten senkt in der Regel erhöhten Blutdruck und reguliert erhöhte Blutfettwerte. Wer zu viel Cholesterin im Blut hat, dem hilft das Fasten in vielen Fällen besser als jede Pille.
  • Fasten unterstützt die Regeneration und Heilung der Leber bei verschiedenen Erkrankungen (z.B. Fettleber).
  • Studien aus Schweden zeigen, dass das Fasten, kombiniert mit einer anschließenden Vollwert-Ernährung, Menschen mit Rheuma und Arthritis helfen kann.
  • Auch bei allergischen Erkrankungen der Haut und der Schleimhäute wirkt Fasten manchmal Wunder. Gleichzeitig ist das Fasten idealer Einstieg in eine „Suchdiät“, wenn es um die Identifizierung einer Nahrungsmittelallergie geht.
  • Manche scheinbar unheilbare oder unbeeinflussbare Krankheit kann durch Fasten und eine naturgemäße Zusatzbehandlung zu Heilung oder Stillstand kommen, so z.B. Migräne, chronischer Kopfschmerz, Glaukom (grüner Star) im Anfangsstadium, Pilzerkrankungen oder Porphyrie. Bei diesen Erkrankungen gibt es natürlich keine Erfolgsgarantie – ein Versuch wert ist es allemal.

 

Tipp von Doc Food:

Wer das Fasten als eine mögliche Begleittherapie der genannten Erkrankungen ausprobieren will, sollte sich vorher z.B. bei einem ausgebildeten Fastenberater informieren, die man u.a. auf den Internetseiten des Fördervereins fair beraten e.V. findet.
 
Bildquelle: twinlili / pixelio.de
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