Intervallfasten – Was bringt das Essen im Rhythmus?

Schon bald beginnt die Fastenzeit. Intervallfasten ist inzwischen für viele eine Alternative zum klassischen Fasten, bei dem über mehrere Tage hinweg gar nichts gegessen hat. Was es mit dem Intervallfasten auf sich hat und welche Vorteile es für die Gesundheit bringen kann, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Anja Markant (Foto links) vom Fachbereich Oecotrophologie / Facility Management der Universität Münster.

Prof. Markant beschäftigt sich mit den gesundheitlichen Aspekten des Fastens im Rahmen ihres Themenschwerpunktes Ernährungsphysiologie. Im folgenden Interview verweist die Expertin darauf, dass Intervallfasten nicht nur beim Abnehmen helfen kann, sondern generell auch mit Verbesserungen von Stoffwechselprozessen verknüpft ist. So konnten Studien belegen, dass sich Parameter des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels durch das Intervallfasten verbesserten:

Frau Prof. Markant, was genau ist Intervallfasten?

Intervallfasten oder auch intermittierendes Fasten ist charakterisiert durch Phasen, in denen nicht gegessen wird, und solchen, in denen eine Mahlzeitenaufnahme erfolgt. Diese Phasen können sich auf Stunden innerhalb eines Tages oder aber auch auf Tage innerhalb einer Woche beziehen. Eine bekannte Variante des Intervallfastens ist der sogenannte 16 : 8-Rhythmus innerhalb eines Tages. Dies bedeutet, dass 16 Stunden auf Essen verzichtet wird und innerhalb der verbleibenden 8 Stunden Mahlzeiten wie gewohnt eingenommen werden können. Je nach Vorlieben jedes Einzelnen kann somit entweder das Frühstück oder das Abendessen weggelassen werden. Es gibt allerdings auch das alternierende Tagesfasten, das heißt, dass jeden zweiten Tag gefastet wird. In ähnlicher Weise funktioniert auch die sogenannte 5 : 2-Diät. Hier wird an zwei Tagen in einer Woche komplett gefastet beziehungsweise die Energiezufuhr auf maximal 20 bis 25 Prozent des individuellen Bedarfs reduziert. Die restlichen Tage der Woche kann wie gewohnt gegessen werden.

Wie streng muss man das nehmen? Heißt das, dass ich in den Fastenstunden ausschließlich Wasser trinke, also beispielsweise keinen Zucker in den Kaffee geben sollte?

Entscheidend sind die Essenspausen zwischen den Mahlzeiten beziehungsweise das Einhalten der Fastentage. Je länger die Abstände zwischen den Mahlzeiten sind, desto effektiver ist die Wirkung des Intervallfastens, da nur so die gespeicherten Energiereserven des Körpers herangezogen werden. In dieser Zeit sollten dann auch nur Wasser oder ungesüßte Getränke wie Kaffee und Kräuter- oder Früchtetee getrunken werden. Für die fastenfreien Intervalle gibt es keine strikten Vorgaben. Natürlich sollen die Empfehlungen für eine gesunde vollwertige Ernährung berücksichtigt werden, also viel Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte, möglichst wenig Fertiggerichte und eine Mäßigung bei dem Verzehr von Süßigkeiten und salzigen Snacks. Natürlich sollte auch in den fastenfreien Intervallen ausreichend Flüssigkeit aufgenommen werden.

Wie wirkt sich das Intervallfasten auf die Gesundheit aus?

Für die meisten Menschen, die mit dem Intervallfasten beginnen, ist die Hauptmotivation eine Gewichtsabnahme. Jede erfolgreiche Gewichtsabnahme ist jedoch nur mit einer längerfristigen verringerten Kalorienaufnahme möglich. Dies fällt oft nicht leicht, da unter Umständen auf zahlreiche Lieblingsspeisen verzichtet werden muss. Wenn man sich jedoch nur zeitlich begrenzt einschränkt – 16 Stunden oder ein bis zwei Tage in der Woche – und nicht im Detail jede Kalorie zählen muss, erhöht das die Akzeptanz für die Ernährungsumstellung. Aus diesem Grund konnten mittlerweile zahlreiche Studien zeigen, dass Intervallfasten zu einer effektiven und lang anhaltenden Gewichtsreduktion führt. Hinzu kommt noch, dass mit einer Korrektur des Körpergewichts immer auch Verbesserungen von Stoffwechselprozessen verknüpft sind. So konnten Studien belegen, dass sich Parameter des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels durch das Intervallfasten verbesserten.

Wie lange sollte man mindestens fasten? Wie viel maximal? Gibt es dazu Empfehlungen?

Zeitliche Angaben zur maximalen Dauer des Intervallfastens gibt es nicht. Auf jeden Fall kann das Intervallfasten beendet werden, wenn das Wunschgewicht erreicht ist. Es ist natürlich jederzeit möglich, wieder mit den Fastenphasen zu beginnen und damit kleine Abweichungen vom Wunschgewicht zu korrigieren. Letztendlich kann dies jeder für sich selbst entscheiden. Genauso sind kleine Unterbrechungen durchaus verzeihlich, wenn dann wieder konsequent das Intervallfasten fortgesetzt wird.

Foto: © FH Münster/Wilfried Gerharz
Quelle: FH Münster – University of Applied Sciences / Fachbereich Oecotrophologie-Facility-Management / Aktuelles

Darmkrebs – das bringen Screenings

Patienten mit mehr oder weniger starken Verdauungsbeschwerden gehören zum Alltag von Fachkräften in der Ernährungstherapie und –beratung. Immer wieder geht es dabei auch um die Frage der Patienten: „Brauche ich eine Darmspiegelung und wenn ja, gibt es verschiedenen Methoden und welche davon ist die beste?“ Eine Reihe von Screeningverfahren soll Darmkrebs bereits in einem frühen Stadium aufspüren und damit die Krebssterblichkeit und auch die Neuerkrankungsrate reduzieren. Doch für welche der Verfahren ist dies bislang ausreichend wissenschaftlich belegt?
 
Stuhltests und endoskopische Untersuchungen können die Darmkrebssterblichkeit senken, so  das Ergebnis einer umfassenden Bewertung der derzeitigen Darmkrebs-Screening-Verfahren durch eine internationale Expertengruppe der Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation.
 

Erwiesen: Wirksamkeit von Stuhltests und Darmspiegelung

Die Experten vergaben die Prädikate „ausreichend nachgewiesen“ ( für Verfahren, die die Neuerkrankungsrate bzw. Sterblichkeitsrate tatsächlich reduzieren) oder „eingeschränkt nachgewiesen“ wenn der Nachweis gar nicht oder nur unzureichend erbracht werden konnte. Als ausreichend nachgewiesen, die Darmkrebssterblichkeit zu reduzieren, stuften die Forscher die beiden stuhlbasierten Untersuchungen ein (immunologische Tests und der Guaiac-Enzymtest) – vorausgesetzt, sie werden regelmäßig alle zwei Jahre durchgeführt. Als ebenso ausreichend nachgewiesen bewerteten die IARC-Experten die Beweislage dafür, dass eine einzige Untersuchung mit einem der endoskopischen Verfahren die Sterblichkeit reduziert: Dazu zählt die so genannte „kleine Darmspiegelung“ (Sigmoidoskopie), die nur den letzten Teil des Dickdarms erfasst, sowie die Koloskopie, bei der der gesamte Dickdarm inspiziert wird.
 

Stuhltest für Neuerkrankungen: Nachweis nicht sicher

Die Reduktion der Darmkrebs-Neuerkrankungsrate dagegen ist nach den Erkenntnissen der IARC-Forscher bislang jedoch nur für die beiden endoskopischen Verfahren ausreichend belegt. Hier liegen Ergebnisse aus großen randomisierten Studien für die Sigmoidoskopie und zahlreiche Ergebnisse aus Beobachtungsstudien für die Koloskopie vor. Auf Basis der Auswertung der vorliegenden Studien kommen die Experten zum Schluss, dass eine Risikoreduktion für Neuerkrankungen ausreichend nachgewiesen ist, da in der Koloskopie eine Sigmoidoskopie enthalten ist und man bei der Spiegelung des gesamten Darms von einer noch größeren Effektivität ausgehen kann. Für den immunologischen Stuhltest dagegen ist die Studienlage hinsichtlich der Reduktion der Neuerkrankungsrate nach dem Ergebnis der Experten noch nicht ausreichend. Jedoch gibt es Hinweise, dass die immunologischen Stuhltests, wenn sie regelmäßig im Abstand von zwei Jahren durchgeführt werden, ähnlich viele Vorstufen und Karzinome im Darm aufspüren können wie eine einmalige Koloskopie.“ Sowohl bei den endoskopischen Verfahren als auch bei den Stuhltests überwog der Nutzen die Risiken der Untersuchung. Die bisherige Studienlage zum Screening des Dickdarms mit einer Computertomographie konnte die IARC-Experten dagegen nicht überzeugen.
 

docFood meint

Bei chronischen Verdauungsbeschwerden empfiehlt sich besonders bei älteren Patienten auch in puncto Darmkrebs besondere Vorsicht. Noch immer nutzen zu wenige Menschen die Vorsorgemöglichkeiten im Rahmen von Stuhltests und endoskopischen Methoden. Ernährungsfachkräfte können durch sachliche Information und Aufklärung helfen, das zu ändern und mehr Menschen zur Vorsorge zu bewegen.

Red.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums Dkfz

Prostatakrebs: Männer, esst viele Tomaten!

Es gibt Neues vom Lycopin, dem Wunderstoff aus der Tomate: Amerikanische Wissenschaftler haben in einer aktuellen Übersichtsstudie bestätigt, dass Lycopin das Risikos für die Entstehung von Prostatakrebs reduziert. Dabei zeigte sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Lycopinaufnahme aus der Nahrung und dem Prostatakrebsrisiko: Das Risiko konnte pro aufgenommener Dosis in Höhe von 2 mg Lycopin um jeweils 1 Prozent gesenkt werden.
 
Wir erinnern uns: Lycopin kommt als Farbstoff in Tomaten und Tomatenprodukten vor, aber auch in Pink Grapefruits, Wassermelonen und diversen anderen Obstsorten. Der sekundäre Pflanzeninhaltsstoff aus der Gruppe der Carotine verfügt über eine besonders starke antioxidative Wirkung. Das macht den roten Pflanzenstoff zum vieldiskutierten Kandidaten für die Prävention verschiedener Krebsarten sowie von Bluthochdruck und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
 

Prostatakrebs: Lycopin senkt das Risiko

In den vergangenen Jahren haben die verschiedensten Studien die vorbeugende Rolle des Lycopin bei Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebserkrankungen bestätigt. So konnte bei Hypertonie eine mäßige blutdrucksenkende Wirkung nachgewiesen werden. Auch der Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Lycopin über die Nahrung und dem Risiko für die Entstehung von Prostatakrebs wurde bereits mehrfach untersucht. Die amerikanischen Wissenschaftler haben in ihrer Übersichtsarbeit 42 dieser Studien zum Zusammenhang zwischen Lycopin und Prostatakrebsrisiko ausgewertet und dabei analysiert, inwieweit die Höhe der mit der Nahrung aufgenommenen Lycopinmenge eine Rolle spielt. Die ausgewerteten Studien enthielten Daten von insgesamt 692.012 Teilnehmern, von denen 43.851 an Prostatakrebs erkrankt waren. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sowohl die über die Nahrung aufgenommene Menge an Lycopin als auch die im Blut messbaren Lycopin-Werte deutlich mit der Reduzierung der Risikos für die Entstehung von Prostatakrebs verbunden war.
 

Wissenschaftler empfehlen: Mehr Lycopin mit der Nahrung

Die Untersuchung der Abhängigkeit von der Höhe der Zufuhr ergab einen direkten Zusammenhang zwischen der Lycopinaufnahme und dem Prostatakrebsrisiko: Das Risiko konnte pro aufgenommener Dosis in Höhe von 2 mg Lycopin um jeweils 1 Prozent gesenkt werden. Darüber hinaus führte jede im Blut messbare Erhöhung des Lycopin-Wertes um 10 µg/ dl zu einer Senkung des Risikos um jeweils 3,5 Prozent. Zwar konnten keine deutlichen Zusammenhänge zwischen Lycopin und fortgeschrittenem Prostatakrebs nachgewiesen werden, allerdings gab es eine Tendenz, die den Schutz vor aggressiven Formen von Prostatakrebs durch die Aufnahme von Lycopin andeutete. Aus diesen Studienergebnissen leiteten die Wissenschaftler ab, dass eine erhöhte Aufnahme von Lycopin über die Nahrung mit der Senkung des Risikos für die Entstehung von Prostatakrebs in Zusammenhang steht. Bisher ist noch nicht klar, welche Wirkungsweise dahinter steht. Um diese zu klären, sind weitere Untersuchungen notwendig.
 

Lycopin – die wichtigsten Quellen

Wichtigste Quelle für natürliches Lycopin sind Tomaten – obwohl Wassermelonen und Pink Grapefruit pro 100g sogar noch etwas mehr davon enthalten. Wichtig: Die Aufnahme ist aus erhitzten Lebensmitteln besser als aus rohen, da durch die Hitze die Zellstrukturen aufgebrochen und Lycopin vermehrt freigesetzt wird. Im Vergleich mit den frischen Tomaten wird aus Tomatensuppen, Dosentomatenwie, Tomatensaft und Tomatenmark mehr von dem wertvollen Stoff resorbiert. Gerade Dosentomaten, die erst im reifen Zustand geerntet werden, weisen höhere Lycopin-Konzentrationen auf als Tomaten, die unreif geerntet werden (und nachreifen). Da Carotinoide grundsätzlich fettlöslich sind, verbessert sich die Resorption in Kombination mit fetthaltigen Lebensmitteln, was selbstverständlich auch für das Lycopin gilt. Werden frische Tomaten zusammen mit Fett erhitzt oder zerkleinert, erhöht sich die Bioverfügbarkeit des Lycopin. Studien haben gezeigt, dass die Verwendung von Olivenöl die Resorption besonders fördert – sie ist höher als bei Verwendung von Sonneblumenöl.
 

docFood rät

Die Ergebnisse – nicht nur dieser Studie – überzeugen: Lycopin scheint in verschiedener Hinsicht Bereichen einen positiven Effekt auf unseren Organismus und die Gesundheit auszuüben. Dieses Potenzial sollte nicht ungenutzt bleiben, zumal sich eine erhöhte Lycopinzufuhr durch eine oft nur minimale Ernährungsumstellung oder eine Nahrungsergänzung mit reinem Lycopin einfach umsetzen lässt. Deswegen unsere Empfehlung für alle gesundheitsbewussten Männer, die langsam ‚in die Jahre‘ kommen: Esst mehr Tomaten und alles, was sich aus ihnen zubereiten lässt.

Dr. Friedhelm Mühleib

 
Foto: © muehleib
Quelle: beipress – medizinisch-wissenschaftlicher Recherche- und Contentservice
Zum Abstract der Studie: Rowles JL 3rd, Ranard KM, Smith JW, An R, Erdman JW Jr. Increased dietary and circulating lycopene are associated with reduced prostate cancer risk: a systematic review and meta-analysis. Prostate Cancer Prostatic Dis. 2017 Dec;20(4):361-377. doi: 10.1038/pcan.2017.25. Epub 2017 Apr 25

Ingwer – Heilpflanze des Jahres 2018

Ingwer ist die Heilpflanze des Jahres 2018. In seiner Heimat Asien werden die krampflösenden, entzündungshemmenden und schmerzstillenden Eigenschaften  des Ingwer von der Erfahrungsmedizin seit jeher genutzt. Die Ingwerwurzel regt die Bildung von Magensaft, Speichel und Galle an und hemmt Brechreiz. Darmfunktion, Appetit und Kreislauf sollen dadurch positiv beeinflusst werden. Im Ayurveda wird Ingwer daneben als Heilmittel gegen Erkältungen, Muskelschmerzen und Rheuma eingesetzt.
 
Während der Ingwer hierzulande lange Zeit ein Schattendasein führte, wird er inzwischen auch bei uns als Superfood gehandelt. Lesen Sie im folgenden, was Ingwer so attraktiv macht.
 

„Königliche Pflanze“ der  Chinesen

In der traditionellen chinesischen Medizin spielt der Ingwer seit Jahrhunderten eine große Rolle. Er zählt dort zur Klasse der „Königlichen Pflanzen“. In ihr sind die wertvollsten Heilpflanzen zusammengefasst, die auch in größeren Mengen und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden dürfen und keine Nebenwirkungen haben. Sie sollen den gesunden Menschen vor Krankheit bewahren und seine Lebenskraft erhalten. Schon früh kam der Inger über die alten Handelswege von Asien nach Europa – wo ihn die Griechen und Römer vor allem als Gewürz verwendeten. Bereits der berühmte griechische Arzt Dioskurides, 1. Jahrhundert n. Chr., empfiehlt ihn gegen Magenbeschwerden. Die Geschichte des Ingwer setzt sich über das Mittelalter hinweg fort, wo ihn Hildegard von Bingen und Paracelsus bei Magen-Darm-Beschwerden empfahlen.
 

Ingwer: frisch – oder getrocknet und gemahlen

Der frische Ingwer ist in zwei Formen erhältlich: als junger Ingwer oder als reifer. Je älter der Ingwer ist, desto härter ist seine Haut. Die Haut des jungen Ingwers ist dünn und kann mitgegessen werden. Bei der harten Haut des reifen Ingwers empfiehlt sich das Schälen. In beiden Vesionen lässt sich der frische Ingwer dann raspeln, in Scheiben oder Stücke schneiden und in der Küche verwenden Getrockneter und gemahlener Ingwer wird entweder als Ingwerpulver vermarktet oder findet sich in den verschiedensten Produkten wie z.B. in Ingwer Kapseln wieder. Zwecks vereinfachter Verarbeitung wird das Pulver häufig mit weiteren Zusatzstoffen vermischt. Beim Kauf von Kapseln sollten Sie darauf achten, dass das Produkt natürlich und frei von chemischen Zusätzen, Zucker, Farbstoffen und Bindemittel ist.
 

Ingwer ist überall

Die aromatische Würzpflanze wird schon seit langer Zeit zum Verfeinern von Speisen eingesetzt. Die Lebensmittelindustrie nutzt Ingwer als Zusatz bzw. Gewürz in vielen Fertigprodukten und Mischungen wie z.B. Pasten, Currys, Marmeladen, Saucen oder Chutneys. Sehr beliebt ist er z.B. als Zusatz bei Backwaren und Süßigkeiten wie z.B. Kuchen, Lebkuchen, Printen, Bonbons, Sirup oder Konfitüren, die damit gewürzt werden. Bekannt und vor allem im asiatischen Raum beliebt ist kandierter Ingwer. Beim Kandieren wird er mit einer Zuckerlösung behandelt und erhält so die für diese Produkte typische Süße. In den angelsächsischen Ländern erfreuen sich Getränke wie Ginger Ale (alkoholfrei) oder Ginger Beer größter Beliebtheit (Ginger = Ingwer). Oftmals finden sich auch eingelegte Produkte des Ingwers in den Regalen der Supermärkte. Hierbei kann der Ingwer sehr unterschiedlich verarbeitet sein. Gari ist eine weitere Spezialität, die vor allem die Asiaten lieben: eingelegter Ingwer, der zu Sushi gegessen wird. Der Umsetzung kulinarischer Ideen bei der Verwendung des Ingwers in der eigenen Küche schließlich sind eigentlich kaum Grenzen gesetzt.
 

Wieviel Ingwer darf es sein?

Ingwer gilt gemeinhin als sicher. Gesundheitliche Folgen einer Überdosierung sind nicht bekannt. Zu einer solchen Überdosierung wird es beim scharfen Geschmack des frischen Ingwers in der Praxis kaum kommen: Lange bevor man zu viel davon gegessen hat, sagen die Geschmacksnerven ganz klar „Stopp“. In der Regel wird man also keine Waage benötigen, um Ingwer richtig zu dosieren. Hören Sie einfach auf Ihren Körper. Und was wäre die richtige Dosis?  Zwei bis vier Gramm täglich (ca. ein Teelöffel) gelten für Erwachsene als Richtwert, um eine spürbare Wirkung zu erzielen. Diese Richtlinie gilt für alle Akutanwendungen von Ingwer, etwa gegen Übelkeit oder als Verdauungshilfe: Und immer daran denken: Dabei zählt weniger die Höhe der Einzeldosis als die Regelmäßigkeit der Verwendung, die bei Beschwerden nach Möglichkeit über Wochen erfolgen sollte. Im Übrigen sind tatsächlich wenige Nebenwirkungen bekannt, die allerdings relativ harmlos sind: Bei bestehendem Reflux (Sodbrennen) können sich die Beschwerden durch die Scharfstoffe der Knolle verschlimmern. Weitere mögliche leichte Nebenwirkungen sind Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut oder der Atmungsorgane. Vor einer Operation sollte auf Ingwer verzichtet werden, um einen Einflusses auf die Gerinnungshemmung zu vermeiden. Die European Medicines Agency (EMA) sieht bei der Einnahme von Ingwerkapseln mit einer Dosierung von 250 mg/ Kapsel bei einer Einnahme von 10 Kapseln pro Tag keine Bedenken.
 

Ingwer: sieht aus wie eine Wurzel – ist aber keine!

Der Ingwer gehört zur Familie der Ingwergewächse (botanische Bezeichnung: Zingiber officinale). Der frische Ingwer, den wir kaufen und nutzen, sieht wie eine Wurzel aus und wird häufig auch als „Ingwerwurzel“ bezeichnet – genau genommen ist er allerdings keine Wurzel. Tatsächlich handelt es sich dabei um Teile vom unterirdischen Hauptspross der Pflanze. Der bildet ein verzweigtes Rhizom, das auch  als Wurzelstock bezeichnet wird.  Aus den Knollen des Rhizoms wächst die eigentliche Pflanze:  eine schilfartige, tiefgrüne Staude, die über einen Meter hoch werden kann.

Redaktion

Zu viel Magnesium kann zu Durchfall führen

Nehmen auch Sie Magnesium Tabletten, um sich vor Krämpfen und Problemen mit Herz- und Kreislauf zu schützen? Dann sollten Sie vorsichtig sein, denn auch für Magnesium gilt: Viel hilft nicht viel.  Das sieht auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) so und warnt davor, die empfohlene Tageshöchstmenge für Magnesium in Nahrungsergänzungsmitteln in Höhe von 250 Milligramm (mg) zu überschreiten.
 
Um fit und gesund zu bleiben, greifen viele Menschen zu Magnesium-Tabletten. Magnesium führt nach wie vor die Hitliste der Mineralstoffpräparate unter den Nahrungsergänzungsmitteln an.
 
 Empfohlene Tagesdosis nicht überschreiten!
 Magnesium unterstützt die Funktion der Nerven und Enzyme. Außerdem entspannt es die Muskulatur der Blutgefäße. Bei Magnesiummangel drohen Wadenkrämpfe und schlimmstenfalls Herzrhythmusstörungen. Um dem vorzubeugen, greifen viele zu Nahrungsergänzungsmitteln. Doch diese enthalten oft mehr als die empfohlene Tagesdosis an Magnesium.  „Nahrungsergänzungsmittel liegen im Trend, viele Menschen glauben, dass sie damit gesundheitliche Vorteile erzielen“, sagt BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel. „Aber auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann zu gesundheitlichen Risiken führen.
 
Bei Durchfällen unbedingt Zufuhr reduzieren
Die erhöhte Zufuhr von Magnesium, z. B. durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zusätzlich über die Zufuhr durch die normale Ernährung hinaus kann demnach zu Durchfällen führen. Die Beschwerden durch zu hohe Magnesium-Zufuhren sind innerhalb von ein bis zwei Tagen reversibel und stellen für gesunde Personen mit normaler Nierenfunktion kein signifikantes Gesundheitsrisiko dar. Dennoch sind sie als unerwünschte gesundheitliche Wirkungen zu werten. Bei Zufuhren von bis zu 250 mg Magnesium pro Tag, zusätzlich zur Magnesiumaufnahme über die normale Ernährung, wurden solche Durchfälle nicht beobachtet. Die Tageshöchstmenge gilt für Personen ab vier Jahren. Für Kleinkinder unter vier Jahren kann aufgrund fehlender Daten keine Tageshöchstmenge abgeleitet werden. Das BfR empfiehlt, die Tageshöchstmenge möglichst auf mindestens zwei Einnahmen pro Tag zu verteilen, weil dies vermutlich die Verträglichkeit erhöht. Im Zusammenhang mit der Aufnahme von Magnesium über die normale Ernährung sind bei gesunden Verbraucherinnen und Verbrauchern bisher keine nachteiligen Effekte beobachtet worden.
 
docFood rät
Üblicherweise ist Magnesium in einer abwechslungsreichen Alltagsernährung in ausreichender Menge vorhanden. Gute Magnesiumquellen sind z.B. Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide und grünes Gemüse. Die beste Strategie gegen Magnesiummangel ist deshalb  grundsätzlich eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung. Sie versorgt den gesunden Körper mit allen lebensnotwendigen Stoffen. In den meisten Fällen ist die zusätzliche Zufuhr von Magnesium über Nahrungsergänzungsmittel deshalb überflüssig.

Redaktion

 
Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Pressemeldung 50/2017

Diabetes: Hüftgold hält Schlanke gesund

Auch Schlanke sind nicht gefeit vor Diabetes und Herzkreislauferkrankungen. Knapp 20 Prozent aller Schlanken haben ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken. Dabei kommt es offensichtlich in erster Linie auf den persönlichen Stoffwechsel an. Für Schlanke, die an bestimmten Stoffwechselstörungen leiden, steigt das Risiko stark an. Um vorzubeugen sollten maßgeschneiderte Lebensstil-Interventionen entwickelt werden.

 
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrum für Diabetesforschung in Tübingen und des Helmholtz Zentrums München. Die Ergebnisse haben auch Konsequenzen für die Ernährung. Ernährungsfachkräfte sollten in Beratung und Therapie bei schlanken Klienten auf die entsprechenden Risikofaktoren achten, um entsprechenden Erkrankungen vorzubeugen.
 

Risiko bei Stoffwechselstörungen dramatisch erhöht

Schlank ist gesund – diese Faustformel gilt nicht immer. Menschen, die an Diabetes erkranken, leiden häufig bereits zuvor an Krankheiten, die Mediziner zum Metabolischen Syndrom zählen: Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung mit Hypertriglyzeridämie und erniedrigtem HDL-Cholesterin, Insulinresistenz bzw. gestörte Glukosetoleranz. Bei Schlanken mit zwei oder mehr dieser Erkrankungen   steigt das Risiko für Diabetes und Herzkreislauferkrankungen dramatisch, wie die jüngst in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ veröffentlichten Ergebnisse der Studie zeigen. Im Vergleich zu Menschen mit gesundem Stoffwechsel ist ihr Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um mehr als das Dreifache erhöht – und damit sogar höher als das von Übergewichtigen mit gesundem Stoffwechsel.
 

Risiko: Wenig Fett am Bein

Doch was sind die Ursachen hierfür? Was unterscheidet diese Untergruppe von den schlanken, stoffwechselgesunden Menschen?  Diesen Fragen gingen Wissenschaftler der Medizinischen Klinik in Tübingen und des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) am Helmholtz Zentrum München nach. Das Team um Prof. Norbert Stefan untersuchte bei knapp 1000 Probanden das Körperfett, die Fettverteilung und den Fettanteil in der Leber. Dabei zeigte sich, dass die Betroffenen nur wenig Fett an den Beinen speichern. Die Wissenschaftler untersuchten zudem die Insulin-Empfindlichkeit, die Insulin-Sekretion, die Blutgefäße und die körperliche Fitness. Auch hier zeigten sich Auffälligkeiten. „Allerdings ist bei Schlanken das fehlende Fett an den Beinen am stärksten mit einem Risiko für einen ungesunden Stoffwechsel assoziiert. Man kann daher auch sagen, ‚Hüftgold‘ hält Schlanke gesund“, fasst Prof. Norbert Stefan die Ergebnisse zusammen. Zum Vergleich: Bei Menschen mit Übergewicht sind eine nichtalkoholische Fettleber und ein erhöhter Bauchfettanteil die größten Risikofaktoren für eine Entgleisung des Stoffwechsels.
 

docFood rät

Ernährungsfachkräfte sollten in der Beratung darauf achten, dass schlanke Menschen, die z.B. unter Bluthochdruck und einer Fettstoffwechselstörung leiden, gefährdet sind und ihnen zu einer sorgfältigen ärztlichen Untersuchung raten. Wichtig wäre es, für die unterschiedlichen Untergruppen von schlanken und übergewichtigen Menschen mit Stoffwechsel-Störungen maßgeschneiderte Lebensstil-Interventionen mit entsprechenden Ernährungsprogrammen im Rahmen einer personalisierten Prävention zu entwickeln. Wie eine präventive Ernährung bei den gefährdeten Schlanken aussehen könnte, darauf geht die Studie leider nicht ein. Hier sind nun die Ernährungswissenschaftler gefragt.

  Friedhelm Mühleib

Grafik: Knapp 20 Prozent der normalgewichtigen Bevölkerung leiden unter metabolischen Störungen. Ihr kardiovaskuläres und Mortalitätsrisiko ist im Vergleich zu metabolisch Gesunden um mehr als das Dreifache erhöht. © Helmholtz Zentrum München, IDM
Quelle:  Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH)

Spermidin – Schlüssel zum ewigen Leben?

Schon mal was von Spermidin gehört? – Nein, Spermidin ist nichts Unanständiges, sondern eine natürliche Substanz, die u. a. in männlichem Sperma, altem Parmesan und einer Reihe weiterer Lebensmittel in größeren Mengen vorkommt. Vermutlich wird Ihnen das Spermidin in Zukunft häufiger begegnen – vor allem in den Medien. Eine Handvoll Studien hat ergeben, dass Spermidin das Leben von Hefepilzen, Fruchtfliegen und Mäusen erheblich verlängern kann.
 
Das reicht einigen Medien und Wissenschaftlern aus, über die Substanz zu berichten, als sei es die finale Wunderwaffe des Anti-Aging. Wir von docFood sind da skeptisch. Schließlich ist die Liste der zunächst gefeierten und schließlich sang- und klanglos verschwundenen Wunderwaffen gegen das Altern lang. Im ersten Teil unseres Spermidin-Dossiers haben wir die Fakten zum vermeintlichen Jungbrunnen Spermidin recherchiert:
 

● Was genau ist Spermidin?

Spermidin kommt in allen lebenden Organismen vor und ist eng mit Prozessen des Zellwachstums verbunden. Chemisch gesehen ist Spermidin ein Polyamin, das im Eiweißstoffwechsel der Zelle aus Aminosäuren entsteht. Im Organismus dienen biogene  Amine als Signalstoffe, z. B. als Hormone und Neurotransmitter, aber auch als Bausteine für verschiedene Elemente unserer Zellen, z.B. für Bestandteile der Zellwand. Der Name des Stoffes rührt übrigens vom Ort seiner Entdeckung her: Spermidin wurde erstmals im menschlichen Sperma gefunden, wo es in besonders hoher Konzentration vorkommt. Ein durchaus plausibler Grund, die Substanz Spermidin zu nennen. Grundsätzlich sind die biogenen Amine – und damit auch das Spermidin – unverzichtbare Bestandteile aller lebenden Zellen mit wichtigen physiologischen und biologischen Aktivitäten. (Detaillierte Informationen finden Interssierte im Artikel von Dr. Rolf Steinmüller über ‚Biogene Amine in Lebensmitteln‚ und in der ErnährungsUmschau im Artikel ‚Biogene‘ Amine‘ von Claudia Weiß.)
 

● Welche Funktionen hat Spermidin?

Ohne die Polyamine Spermidin, Spermin und Putrescin können Zellen nicht wachsen. Welche Rolle das Spermidin im Rahmen der komplexen Wachstumsprozesse im Einzelnen spielt  – etwa bei der Produktion von Nukleinsäuren und Proteinen – ist noch nicht vollständig geklärt. In Pflanzen werden diese Polyamine mit Zellteilung, Blüte und Fruchtbildung in Verbindung gebracht. In Lebensmitteln spielen sie als Aroma- und Geschmacksstoffe eine Rolle. Das Spermidin soll für den typischen Geruch von Sperma verantwortlich sein.  In tierischen Organismen verfügt speziell das Spermidin nach den derzeitigen Erkenntnissen zudem über die Fähigkeit, den Vorgang der Autophagie anzukurbeln. Die steht in enger Verbindung mit der Verlangsamung von Alterungsprozessen der Zellen: Mit Hilfe der Autophagie (zu deutsch ‚Selbstverdauung‘) können sich Zellen von Abfall befreien. So ist Autophagie für die Zelle eine Art Hausputz, mit dem beschädigte Proteine, unbrauchbare Substanzen oder nicht weiter verwertbare Moleküle aus Stoffwechselprozessen abgebaut und entsorgt werden.
 

● Spermidin als Schlüssel zu biblischem Alter?

Bereits 2009 veröffentliche eine Gruppe von Grazer Biowissenschaftler um Frank Madeo und Tobias Eisenberg eine Studie, deren Ergebnis weltweites Aufsehen erregte: „Menschliche Immunzellen, Fliegen, Würmer und Hefe, die in der Forschung ein beliebtes Alterungsmodell darstellt, werden durch Spermidinzugabe verjüngt und leben länger“, fassten Madeo und Eisenberg das Ergebnis der von ihnen koordinierten Studie zusammen, an der rund 30 Forscher von elf Universitäten beteiligt waren. Demnach lebten Hefezellen, die in einem spermidinreichen Medium kultiviert wurden, im Spermidinbad viermal länger als ohne Spermidin. Menschliche Immunzellen überlebten dreimal länger, Fruchtfliegen und Nematoden hatten eine um 30 Prozent verlängerte Lebenszeit, wenn sie eine entsprechende Spermidin-Diät bekamen. Bei Mäusen konnten durch freie Radikale hervorgerufene Schäden an Proteinen, die ein besonders wichtiger Alterungsmarker sind, deutlich reduziert werden. Grund genug für Madeo und Eisenberg, von der (möglichen) Entdeckung des „heiligen Grals der Altersforschung und dem Spermidin als „wichtigstem Faktor für Langlebigkeit“ zu schwärmen.
 

● Hoffnungen auf breite therapeutische Verwendung?

Inzwischen sollen weltweit etwa 60 Forschergruppen an Studien basteln, die untersuchen, ob und wie Spermidin gegen das Altern wirkt. In einem asiatisch – amerikanischen Gemeinschaftsprojekt konnten die Forscher ganz aktuell (April 2017) zeigen, dass sich durch Spermidingaben in hoher Dosierung nicht nur die Lebensdauer der Versuchstiere enorm verlängern lässt, sondern auch Leberzirrhose und Leberkrebs vorgebeugt werden kann (..die Tiere erhielten eine Nahrung mit Substanzen, die solche Leberschäden provoziert).  Andere Studien liefern Hinweise darauf, dass Spermidin eventuell auch bei der Prävention weiterer Erkrankungen eine Rolle spielt, die in der Regel in enger Verbindung mit Alterungsprozessen stehen. Im Tierversuch an Fruchtfliegen zeigte sich, dass eine Zufuhr von Spermidin durch die Nahrung bei diesen Insekten der altersbedingten Demenz entgegenwirkt. Madeo hat dafür gemeinsam mit dem Berliner Forscher Stephan Sigrist Fruchtfliegen untersucht, deren Erinnerungsprozesse auf molekularer Ebene denen des Menschen ähneln. Darüber hinaus haben Tierversuche mit Spermidin positive Effekte bei Herzerkrankungen gezeigt. Ein weiteres Team um den Grazer Wissenschaftler Tobias Eisenberg konnte nachweisen, dass Mäuse, die mit Spermidin behandelt wurden, im Alter weniger stark an Herzwandverdickung und Versteifung des Herzmuskels litten.
 

docFood meint

Steckt im Spermidin nun tatsächlich der langersehnte Jungbrunnen für die Menschheit? Trotz aller Euphorie, die derzeit in der Spermidin –Diskussion herrscht, ist Vorsicht geboten. Im zweiten Teil des Dossiers wird docFood darüber berichten, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Ergebnisse an Fruchtfliegen und Mäusen auf den Menschen übertragbar sind. Ob Spermidin trotz seines natürlichen ursprungs in der lebenden Zelle auch Gefahren in sich birgt. Ob sich der Spermidin-Gehalt menschlicher Zellen durch spermidinreiche Lebensmittel beeinflussen lässt, welche Lebensmittel dafür in Frage kommen, ob schon bald mit Spermidinkapseln oder ähnlichen Nahrungsergänzungsmitteln  zu rechnen ist.

 Dr. Friedhelm Mühleib

Kann Selen vor Darmkrebs schützen?

Kann eine gute Versorgung mit dem Spurenelement Selen vor Darmkrebs und anderen Darmerkrankungen schützen? Prof. Dr. Anna Patricia Kipp, Professorin für Molekulare Ernährungsphysiologie an der Universität Jena, ist überzeugt davon, dass es einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Selen und dem Schutz vor Darmkrebs gibt. Kipp hat u. a. Signalwege im Darm untersucht, die bei einer Unterversorgung mit Selen aktiviert werden. Die Behauptung „Selen hilft bei Darmkrebs“ lässt sich allerdings noch nicht beweisen.
 
Bis dahin ist nach Ansicht von Kipp immer noch viel Forschung nötig. Die Ergebnisse von Kipp sind Teile eines Puzzles, das irgendwann ein genaueres Bild der Wirkungen des Spurenelementes auf die Darmgesundheit vermitteln wird.
 

Selen: Nutzen und Schaden eng beieinander

Doch Vorsicht ist geboten: Für den Menschen liegen Nutzen und Schaden des Selens extrem eng beieinander. Ein Selenmangel macht sich zunächst meist mit unspezifischen Symptomen bemerkbar wie Müdigkeit, Haarausfall, schuppige Haut, Muskelschwäche, Leberfunktionsstörungen und Störungen der Magen-Darm Funktion bis hin zum Auftreten entzündlicher Darmerkrankungen. Ein chronischer Mangel an Selen wurde immer wieder auch mit steigendem Risiko für die verschiedensten Krebserkrankungen in Verbindung gebracht – allerdings bis heute ohne wirklich evidente Beweise.
 

Wieviel Selen braucht der Mensch?

Allerdings: Bei abwechslungsreicher Ernährung ist ein Selenmangel hierzulande eher unwahrscheinlich und selten. Um den Körper ausreichend mit Selen zu versorgen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Erwachsene die tägliche Aufnahme von 30 bis 70 µg, für Kinder je nach Alter 10 bis 60 µg. Die tatsächliche Selenzufuhr mit der Nahrung liegt in Deutschland mit 30 bis 40 µg relativ niedrig – aber immer noch gerade im ‚grünen‘ Bereich. In anderen Ländern, etwa in den USA oder in Südamerika, werden viel höhere Werte erreicht. Trotzdem beträgt der durchschnittliche Serumspiegel der deutschen Bevölkerung in Studien regelmäßig um die 80 µg/l. Werte zwischen 50 und 120 µg/l gelten dabei als normal. Wenn die Wissenschaftlerin Kipp mit ihren Aussagen über die Wirkung von Selen auf die Entstehung von Darmkrebs sehr zurückhaltend ist, dann sicher auch, um den Hype im Bereich der Nahrungsergänzungsmitteln um das Spurenelement nicht unnötig zu beflügeln.
 

Vorsicht vor zu viel Selen

Während Ernährungsmediziner eine tägliche Aufnahme von maximal 200 µg aus Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln empfehlen, sehen vorsichtige Toxikologen die Schwelle zu möglicher gesundheitlicher Gefährdung bereits bei einer Menge von 300 µg. Zu viel Selen macht sich in ähnlichen Symtomen bemerkbar wie zu wenig: Haarausfall, Hauterkrankungen, Diabetes, Leberstörungen – und ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krebsarten, darunter Prostata- und Lungenkrebs. Wer die maximal empfohlene tägliche Aufnahmemenge aus Nahrungsmitteln und Supplementen von 300 bis 400 µg Selen dauerhaft überschreitet, muss mit den beschriebenen Nebenwirkungen rechnen: Also Vorsicht vor zu viel Selen!
 

docFood rät

Obwohl Selen also potenziell giftig ist, gab und gibt es im naturheilkundlichen Bereich zeitweise einen regelrechten Hype um das Spurenelement. Der Fitnesspapst Dr. Ulrich Strunz z. B. preist Selen als Wundermittel gegen Krebs an, mit dem sich angeblich zu bis zu 70 Prozent aller Prostata-, Lungen- und anderer Krebserkrankungen verhindern lassen. Das darf man getrost als Unsinn bezeichnen. Die Einnahme von Selenpräparaten z. B. zur Verbesserung der Darmfunktion oder zur Prävention von Darmkrebs ist nach dem Stand der Wissenschaft nur bei einem nachgewiesenen Mangel sinnvoll. Ansonsten aber kann Selen als Nahrungsergänzungsmittel eher schaden. Insbesondere in Kombination mit anderen Antioxidantien sind unerwartete Wechselwirkungen möglich. Prof. Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, fasst die geltenden Empfehlungen zusammen: „Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper ausreichend mit Selen. Wer das Gefühl hat, unterversorgt zu sein, sollte, bevor er zu Supplementen greift, mit seinem Arzt besprechen, ob er diese wirklich benötigt oder nicht.“

 Dr. Friedhelm Mühleib

Statine – kein Ausgleich für Ernährungsfehler!

Gehören Statine tatsächlich zu den Heilsbringern unter den Medikamenten und sind so risikoarm wie Kamelle? Zu diesem Eindruck könnte man nach der Lektüre eines Reviews   in der renommierten Fachzeitschrift Lancet kommen. Der britische Epidemiologe  Prof. Rory Collins und seine Mitautoren sind dort angetreten, die ihrer Meinung nach häufig verzerrte Darstellung der Therapie mit Statinen ein für alle Mal zu korrigieren. Der Nutzen der Statine werde demnach leider allzu häufig unterschätzt – die Risiken dagegen würden weit überschätzt.
 
Das steht im krassen Gegensatz zur Diskussion, die derzeit hierzulande geführt wird. „Deutsche nehmen zu viele Mittel gegen Cholesterin“ titelte sogar die BILD vor wenigen Tagen und bezog sich auf die Aussagen des Pharmakritikers Prof. Gerd Glaeske.
 

Statinverbrauch steigt ständig

„Blutfettsenker sind wichtig, taugen aber nicht dazu, Ernährungsfehler auszugleichen“, so wird Glaeske in der Deutschen Apotheker Zeitung / DAZ.online zitiert. Glaeske äußerte sich vor dem Hintergrund des gerade veröffentlichten Innovationsreport 2015 der Techniker Krankenkasse (TK), der einen Anstieg der Kosten für Lipidsenker im Jahr 2015 um 10,4 Prozent auf 54,7 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr konstatiert. Glaeske zieht daraus als einer der Autoren der Studie den Schluss, dass Statine „nicht nur im Rahmen der Sekundärprophylaxe nach einem Herzinfarkt, sondern auch bei anderen Personengruppen eingesetzt werden, die eine medikamentöse Intervention einer Ernährungsumstellung, intensiver Bewegung oder Gewichtsreduktion vorziehen“. Frei übersetzt dürfte das bedeuten: Immer mehr Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten und null Bock auf Ernährungsumstellung, Bewegung und Abnehmen ziehen Statine einer Bekämpfung der Ursachen vor, weil Pillen schlucken bequemer ist. Bleibt zu ergänzen, dass Glaeske die Statine keineswegs kategorisch verdammt. So kritisiert Glaeske, dass Schlaganfallpatienten viel zu selten ein Statin verordnet werde, obwohl die entsprechende Leitlinie den Einsatz von Statinen bei dieser Gruppe mit dem höchsten Evidenzgrad empfehle.
 

docFood meint

Rauchen, Übergewicht, Hypertonie, Diabetes mellitus und eine Hyperlipidämie gehören zu den gesicherten Risikofaktoren einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Ernährungsfachkräfte sollten im Rahmen der Primärprävention zunächst versuchen, Patienten mit KHK zu motivieren, den Cholesterinspiegel mit Hilfe von Bewegung und diätetischen Maßnahmen – (mediterrane Kost, kohlenhydrat- und fettreduzierte Ernährung) zu senken und gleichzeitig Übergewicht abzubauen. Dabei gilt es, gemeinsam mit dem behandelnden Arzt das kardiovaskulären Risiko des Patienten im Auge zu behalten: Falls diätetische Maßnahmen nicht ausreichen, Gewicht und Cholesterin ausreichend zu senken oder der Patient diesen Weg nicht akzeptiert, wird es bei steigenden Werten riskant, auf Statine zu verzichten. Statine ja – aber mit Sinn und Verstand: So viel wie nötig und so wenig wie möglich.

 Dr. Friedhelm Mühleib

Warum Ballaststoffe für die Darmflora so wichtig sind

Ballaststoffarme Ernährung kann unserer Darmflora nachhaltig schaden – und die Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen vermutlich von Generation zu Generation verstärken. Amerikanische Forscher konnten im Tierversuch zeigen, dass eine  Ernährung mit geringem Ballaststoffanteil über nur vier Generationen hinweg bei Mäusen zum unwiederbringlichen Verschwinden von drei Vierteln der ursprünglichen Bakterienarten führt. Die Wissenschaftler vermuten, dass beim Menschen die intestinale Mikrobiota – so der Fachbegriff für das, was wir früher Darmflora nannten – bei einer Ernährung mit zu wenigen Ballaststoffen stark leidet. Das könnte mit gravierenden Folgen für die Darmgesundheit verbunden sein.
 
Viele Erkrankungen im menschlichen Verdauungstrakt werden inzwischen mit Störungen der Mikrobiota in Verbindung gebracht – auch wenn in den meisten Fällen die  Zusammenhänge im Detail noch nicht genau erforscht sind. Auch das Reizdarm-Syndrom mit Blähbauch und diffusen Bauchschmerzen geht häufig mit Veränderungen der Darm-Mikrobiota einher, wie eine Reihe aktueller Forschungsergebnissen zeigen. Darüber hinaus nehmen Experten an, dass etliche Zivilisationskrankheiten wie Allergien oder Nahrungsunverträglichkeiten mit einem gestörten Mikrobiom im Darm zusammenhängen.
 

Vielfalt der Darmflora gefährdet

Wie kommt es zu solchen Veränderungen der Darmflora? Der westliche Ernährungsstil mit vielen hochverarbeiteten und ballaststoffarmen Lebensmitteln könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Wie unsere moderne Ernährung die Vielfalt der Bakterien im Darm beeinflusst, war Gegenstand der Studie an der Stanford University School of Medicine in Kalifornien. In Versuchen mit Mäusen zeigten die Forscher, dass Vielfalt und Zahl der Mikroben bei ballaststoffarmer Ernährung von Generation zu Generation abnehmen. Ballaststoffe sind unverdauliche Bestandteile der Nahrung und bestehen vor allem aus Kohlenhydraten. Sie werden von den Darmbakterien aufgeschlossen. Ein ausreichender Ballaststoffverzehr gilt aus Sicht der Ernährungsmedizin seit langem als wichtige Voraussetzung für einen gesunden Darm.
 

Weniger Ballaststoffe – weniger Bakterien

Die Wissenschaftler fütterten Mäuse mit ballaststoffarmer Kost. Innerhalb weniger Wochen nahm die Vielfalt der Bakterien bei den Tieren erheblich ab. Auch die Anzahl von Bakterien einzelner Arten sank. Stellten die Forscher die Ernährung der Mäuse anschließend auf eine ballaststoffreiche Kost um, normalisierte sich das Mikrobiom wieder, wenn auch nicht vollständig: Bei einem Drittel der ursprünglichen Bakterienarten blieben die Populationen deutlich kleiner, wie die US-Forscher im Fachblatt „Nature“ berichten. Die eigentliche Überraschung kam aber, als die Mäuse beider Gruppen Nachwuchs hatten: Von Generation zu Generation verkümmerte das Mikrobiom im Darm der ballaststoffarm ernährten Tiere immer mehr – und diese Veränderung war mit einer Rückkehr zu ballaststoffreicher Ernährung nicht rückgängig zu machen. Mehr als zwei Drittel der ursprünglichen Bakterien blieben jeweils verschwunden.
 

Gefahr für die Enkel

Fazit der Studie: Die Ernährungsgewohnheiten in den modernen Industrienationen könnten eine irreversible Auslöschung zahlreicher nützlicher Darmbakterien bei kommenden Generationen mit sich bringen. Offensichtlich erholt sich der Darm von ungesunder Ernährung nicht so schnell. Wer heute zu wenig Ballaststoffe zu sich nimmt, könnte die damit einhergehenden Probleme sogar an die Enkel vererben. Welche Folgen dies für die menschliche Gesundheit haben wird, lässt sich bislang allerdings nur schwer abschätzen. Experten gehen davon aus, dass Beschwerden wie ein Blähbauch oder dauernde Bauchschmerzen erste Anzeichen einer gestörten Darmflora sind. Auf lange Sicht werden die negativen Effekte über Generationen hinweg deutlich zunehmen, so die Vermutung der Forscher.
 

Tipp von docFood

Wie das Magazin Fokus berichtet, könnte die Einnahme probiotischer Produkte allerdings helfen:Die Entwicklung des Menschen sei eng gekoppelt an die seiner Bakterien, schreibt Eric Martens von der University of Michigan Medical School in Ann Arbor in einem Kommentar zur Studie. Diese mikrobiellen Partner übernähmen einen Großteil der Arbeit bei der Verdauung komplexer Kohlenhydrate.“ Es bleibt abzuwarten, ob ein Teil dieser Funktionalität in einigen Menschen schon verlorengegangen ist und wenn ja, in welchem Ausmaß, so der Wissenschaftler, der gleichzeitig die Hoffnung hegt, dass diese Funktionen künftig möglicherweise über die Einnahme probiotischer Zubereitungen wieder hergestellt werden könnten. Mehr Infos zu Fragen rund um die Darmgesundheit finden Sie hier.
 

 Dr. Friedhelm Mühleib