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Statine – Risiken und Nebenwirkungen für Hersteller?

 „Bis vor wenigen Jahren wurde gezielt der Eindruck vermittelt, dass Statine die neuen ‚Wunder-Wirkstoffe‘ sind, die keine Risiken haben, dafür aber unzählige Leben retten.“ meint Prof. Dr. Martin Smollich, Fachapotheker für Klinische Pharmazie und Professor für Clinical Nutrition in Rheine im Interview mit docFood. Smollich, Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, spricht von einer „Statinisierung der Gesellschaft“ – getrieben nicht zuletzt von den Marketing-Abteilungen der pharmazeutischen Industrie. Hintergrund des Gesprächs mit Smollich ist die aktuelle Veröffentlichung eines Reviews zur Bewertung der Statine im angesehenen Wissenschaftsmagazin Lancet und der aktuelle Streit über Risiken und Nutzen der Statine. Fazit des Reviews – auf einen einfachen Nenner gebracht: Schluck Statine – und alles wird gut. Im exclusiven Interview mit docFood spricht Smollich darüber, warum man es sich nicht ganz so einfach machen kann – und plädiert für eine differenzierte Sichtweise.
 
 
docF: Herr Prof. Smollich, was sind Statine und wer sollte sie nehmen?
 
Prof. Smollich: Kurz gefasst kann man sagen: Die pharmakologisch heterogene Wirkstoffgruppe der Statine ist eine Gruppe sehr wirksamer Substanzen, deren Hauptwirkung in einer Hemmung der körpereigenen Cholesterinbiosynthese besteht. Insbesondere für die Indikation der Hypercholesterinämie sind sie die einzige Wirkstoffgruppe, die tatsächlich zu einer relevanten Mortalitätsreduktion führt – und das ist ja der „härteste“ klinische Endpunkt, den es geben kann. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass auch die Statine bei Hypercholesterinämie nur dann zulassungskonform angewendet dürfen, wenn Diät und andere nicht-pharmakologische Maßnahmen allein nicht ausreichend wirksam sind.
 
docF: Der Lipobay-Skandal ist längst vergessen und inzwischen gelten Statine gemeinhin als Medikamente mit geringen Nebenwirkungen.  
 
Prof. Smollich: Diese Ansicht wird gerade einmal wieder durch den im Lancet publizierten Review von Collins und seinen Mitautoren unterstützt, der den erheblichen Nutzen der Statin-Therapie betont: Danach sei die Statin-induzierte Myopathie viel seltener als angenommen und außerdem harmlos, da sie sich nach Absetzen der Statine in der Regel wieder zurückbilde; die Herzinfarkte und Schlaganfälle, die durch eigenmächtiges Absetzen der Statin-Therapie auftreten können, seien dagegen erheblich gravierender. Folglich seien die Risiken der Statin-Therapie in der Bevölkerung über- und die Vorteile unterbewertet. Die Schlussfolgerungen des Reviews sind allerdings durchaus mit Vorsicht zu genießen.
 
docF: Die Studie stellt also – salopp gesagt – einen Freibrief für den Einsatz von Statinen aus. Mit Milliardenumsätzen weltweit gehören die Statine zu den Blockbustern der Pharmaindustrie – was zu der naheliegenden Frage führt, wie nahe die Autoren solcher Studien den Herstellern stehen.
 
Prof. Smollich: Ohne Böses zu unterstellen lässt sich konstatieren, dass fast alle Autoren dieses Reviews seit Jahren Honorare von jenen pharmazeutischen Unternehmen erhalten, die auch Statine herstellen und vertreiben. Vor kurzem gab es eine große Untersuchung, die zeigte, dass eine Statin-kritische mediale Berichterstattung dazu führt, dass Patienten ihre Statin-Therapie vermehrt ohne ärztliche Rücksprache absetzen, was direkte gesundheitliche Risiken bedeuten kann. Die Studie von Collins liest sich wie eine Replik darauf mit dem Fazit: Esst alle schön brav Eure Statine auf!  Das darf man durchaus in Verbindung mit der Tatsache sehen, dass die Information über mangelnde Compliance der Patienten auch ökonomische Risiken für die Hersteller birgt.
 
docF: Noch vor kurzem hat der Pharmakritiker Prof. Gerd Glaeske den übertriebenen Einsatz von Statinen kritisiert und stattdessen gefordert, den Fokus stärker auf Möglichkeiten z. B. der Ernährungstherapie zu richten. Hat er Recht?
 
Prof. Smollich: Dass die Statin-Anwendung tatsächlich häufig kritisch gesehen wird (und zwar nicht nur von medizinischen Laien, sondern auch von Ärzten) liegt vor allem daran, dass es die Marketing-Abteilungen der pharmazeutischen Industrie in der Vergangenheit mit der „Statinisierung der Gesellschaft“ doch etwas weit getrieben haben: Nicht nur in Publikumsmedien gab es bis vor wenigen Jahren den gezielt vermittelten Eindruck, dass Statine die neuen „Wunder-Wirkstoffe“ sind, die keine Risiken haben, dafür aber unzählige Leben retten. Ein besonderes krasses Beispiel dafür sind auch die aktuellen US-amerikanischen Leitlinien (ACC/AHA) zur Indikationsstellung für die Statin-Anwendung: Wenn man diese Leitlinien anwendet, sind Statine bei 33% (!) der amerikanischen Gesamtbevölkerung indiziert! Das liegt daran, dass die Indikation nicht nur für alle Diabetiker gesehen wird, sondern auch für alle völlig gesunden Männer ab 59 Jahren bzw. für alle völlig gesunden Frauen ab 68 Jahren.
 
docF: Die amerikanischen Leitlinien leiten ihre Empfehlungen aus Studien ab, die zeigen, dass die entsprechenden Bevölkerungsgruppen von einer Statintherapie gesundheitlich profitieren. Wie zwingend sind diese Erkenntnise hinsichtlich der Schlussfolgerung, man müsse in noch breiterem Rahmen Statine verordnen?
 
Prof. Smollich: Eine Statin-Therapie ergibt tatsächlich und unstrittig einen statistischen Vorteil für diese ‚Bevölkerungsgruppen‘ – von „Patienten“ möchte ich in diesem Zusammenhang gar nicht sprechen, da ja wie erwähnt auch völlig gesunde Menschen von der Indikation der Leitlinie erfasst sind. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass dieser Vorteil auch klinisch relevant ist. Entsprechende Effekte sind bei extrem großen Studienkollektiven nicht selten: So kann auch eine HDL-Erhöhung von 55 mg/dl auf 57 mg/dl statistisch signifikant sein, der klinische Nutzen dieses Effektes ist dabei noch lange nicht gegeben. Bei der Anwendung der amerikanischen Leitlinien wird daher eine number needed to treat (NNT) von ca. 600 Patienten pro Jahr als sinnvoll angesehen: d. h., 600 Patienten müssen ein Jahr lang mit einem Statin behandelt werden, damit ein einziger Patient davon profitiert – 599 Patienten hätten von der Einnahme keinen Vorteil, aber alle Risiken. Eine derartige Relation erscheint vollkommen absurd. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) geht davon aus, dass erst ab einer NNT < 250/Jahr der klinische Nutzen einer Statin-Therapie überwiegt – und selbst hierbei würden 249 Patienten ohne Nutzen behandelt. Auch hier wäre zu erwähnen, dass von den an der Erstellung der amerikanischen Leitlinie beteiligten 15 Autoren immerhin 8 explizite Geschäftsbeziehungen zu Statin-produzierenden Pharmaindustrie unterhalten.
 
docF: Aus dieser Perspektive erscheint der Nutzen einer breit streuenden Therapie mit Statinen in einem kritischen Licht – ganz zu schweigen von den enormen Kosten. Muss man in diesem Zusammenhang nicht auch die Risiken anders bewerten? Konkret: Sind die Risiken so sehr zu vernachlässigen, wie Collins & Co. Glauben machen wollen?
 
Prof. Smollich: Tatsächlich bagatellisiert der aktuelle Lancet-Review die potenziellen Risiken der Statin-Therapie (im Sinne eines „Myopathien sind sehr selten und dann auch noch harmlos“). Dabei wird verschwiegen, dass Statine ein erhebliches Interaktionspotenzial besitzen, was gerade bei älteren Patienten zu gravierenden Nebenwirkungen führen kann. Anderseits ist festzustellen, dass die Statine inzwischen häufig überkritisch gesehen werden – was kausal daran liegen dürfte, dass sie in der Vergangenheit aufgrund von Marketingmaßnahmen viel zu unkritisch gesehen wurden. So handelt es sich bei einem Teil der Statin-Anwendung meiner Meinung nach um eine eigentlich nicht erforderliche Über-Therapie, während umgekehrt aber auch bestimmte Subgruppen – z. B. Schlaganfallpatienten – viel zu selten Statine erhalten. Beide Wege erscheinen für den Patienten nicht hilfreich. Entscheidend für den gesamten Therapieprozess ist daher die Indikationsqualität: Die Indikation für die Statin-Anwendung muss streng und zurückhaltend gestellt werden (Risiko-Kalkulation der europäischen ESC-Leitlinien statt der amerikanischen ACC/AHA-Leitlinien, Kombination mit Lifestyle-Modifikation, niedrigste Dosis, optimale Wirkstoffauswahl, Interaktionsprüfung, Risikomanagement, AkdÄ-Empfehlungen). Wenn die Indikation dann aber steht, sollten Statine auf jeden Fall langfristig und mit guter Therapieadhärenz angewendet werden, da sie in dieser Konstellation (optimale Indikationsqualität) sehr wirksam sind und tatsächlich Leben retten können.
 
d0cF: Herr Prof. Smollich, ich danke Ihnen für dieses Gespräch!
 

 Das Gespräch führte Dr. Friedhelm Mühleib

Statine – kein Ausgleich für Ernährungsfehler!

Gehören Statine tatsächlich zu den Heilsbringern unter den Medikamenten und sind so risikoarm wie Kamelle? Zu diesem Eindruck könnte man nach der Lektüre eines Reviews   in der renommierten Fachzeitschrift Lancet kommen. Der britische Epidemiologe  Prof. Rory Collins und seine Mitautoren sind dort angetreten, die ihrer Meinung nach häufig verzerrte Darstellung der Therapie mit Statinen ein für alle Mal zu korrigieren. Der Nutzen der Statine werde demnach leider allzu häufig unterschätzt – die Risiken dagegen würden weit überschätzt.
 
Das steht im krassen Gegensatz zur Diskussion, die derzeit hierzulande geführt wird. „Deutsche nehmen zu viele Mittel gegen Cholesterin“ titelte sogar die BILD vor wenigen Tagen und bezog sich auf die Aussagen des Pharmakritikers Prof. Gerd Glaeske.
 

Statinverbrauch steigt ständig

„Blutfettsenker sind wichtig, taugen aber nicht dazu, Ernährungsfehler auszugleichen“, so wird Glaeske in der Deutschen Apotheker Zeitung / DAZ.online zitiert. Glaeske äußerte sich vor dem Hintergrund des gerade veröffentlichten Innovationsreport 2015 der Techniker Krankenkasse (TK), der einen Anstieg der Kosten für Lipidsenker im Jahr 2015 um 10,4 Prozent auf 54,7 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr konstatiert. Glaeske zieht daraus als einer der Autoren der Studie den Schluss, dass Statine „nicht nur im Rahmen der Sekundärprophylaxe nach einem Herzinfarkt, sondern auch bei anderen Personengruppen eingesetzt werden, die eine medikamentöse Intervention einer Ernährungsumstellung, intensiver Bewegung oder Gewichtsreduktion vorziehen“. Frei übersetzt dürfte das bedeuten: Immer mehr Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten und null Bock auf Ernährungsumstellung, Bewegung und Abnehmen ziehen Statine einer Bekämpfung der Ursachen vor, weil Pillen schlucken bequemer ist. Bleibt zu ergänzen, dass Glaeske die Statine keineswegs kategorisch verdammt. So kritisiert Glaeske, dass Schlaganfallpatienten viel zu selten ein Statin verordnet werde, obwohl die entsprechende Leitlinie den Einsatz von Statinen bei dieser Gruppe mit dem höchsten Evidenzgrad empfehle.
 

docFood meint

Rauchen, Übergewicht, Hypertonie, Diabetes mellitus und eine Hyperlipidämie gehören zu den gesicherten Risikofaktoren einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Ernährungsfachkräfte sollten im Rahmen der Primärprävention zunächst versuchen, Patienten mit KHK zu motivieren, den Cholesterinspiegel mit Hilfe von Bewegung und diätetischen Maßnahmen – (mediterrane Kost, kohlenhydrat- und fettreduzierte Ernährung) zu senken und gleichzeitig Übergewicht abzubauen. Dabei gilt es, gemeinsam mit dem behandelnden Arzt das kardiovaskulären Risiko des Patienten im Auge zu behalten: Falls diätetische Maßnahmen nicht ausreichen, Gewicht und Cholesterin ausreichend zu senken oder der Patient diesen Weg nicht akzeptiert, wird es bei steigenden Werten riskant, auf Statine zu verzichten. Statine ja – aber mit Sinn und Verstand: So viel wie nötig und so wenig wie möglich.

 Dr. Friedhelm Mühleib

Tag des Cholesterins: Frauenherzen in Gefahr

Herzerkrankungen, darunter Herzinfarkte, treten in Deutschland mittlerweile bei Frauen fast so häufig wie bei Männern auf. Frauen sollten deswegen stärker auf die Gesundheit ihres Herz-Kreislauf-Systems achten, so die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V. zum „Tag des Cholesterins“ am 19. Juni. Bei Frauen in den Wechseljahren und später steigt das Risiko. Zu viel Cholesterin im Blut ist einer der wichtigsten Risikofaktoren. Frauen sollten deshalb insbesondere nach dem Eintritt der Wechseljahre – regelmäßig die Blutfett- und -cholesterinwerte messen zu lassen.
Die Annahme, Herzinfarkt sei eine Männersache, trifft zwar nicht mehr zu – weil das viele Frauen noch immer nicht wissen, nehmen sie die Bedrohung häufig nicht wahr und vernachlässigen vorbeugende Maßnahmen. Auch bei der ärztlichen Behandlung erhalten Frauen seltener eine konsequente Therapie. Grundsätzlich sind die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen und Männern gleich: Rauchen, Vererbung, Fettstoffwechselstörungen mit erhöhten Blutwerten von Cholesterin, Triglyzeriden und Lipoprotein(a) sowie Atherosklerose, Übergewicht, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Diabetes und Stress.
 

Diabetes und Stress: Erhöhte Gefahr für Frauen

Ein wichtiger Unterschied ist allerdings, dass Diabetes, Rauchen und Stress bei Frauen eine größere Rolle spielen als bei Männern. Darüber hinaus verschärfen sich viele Risiken bei den Frauen erst nach dem Eintritt in die Wechseljahre (Menopause). Das ist z. B. auch im Fettstoffwechsel der Fall: So haben Frauen im Durchschnitt niedrigere Blutwerte des „schlechten“ LDL-Cholesterins als Männer, was sich jedoch ab dem 55. Lebensjahr umkehrt. Erhöhte Blutfettwerte bringen bei Frauen ein mehr als doppelt so hohes Risiko für die koronare Herzkrankheit mit sich als bei Männern (76 % vs. 32 %).Frauen sind im Durchschnitt zehn Jahre älter als Männer, wenn sich Symptome zeigen und z. B. eine Atherosklerose festgestellt wird. Das verringert die Chancen, deren Entwicklung aufzuhalten oder gar rückgängig zu machen. Erleiden Frauen einen Herzinfarkt, äußert sich das häufig durch andere Beschwerden. Statt des bei Männern bekannten dominierenden Schmerzes in der linken Brust, treten bei Frauen relativ häufiger Atemnot, Bauchschmerzen und Übelkeit auf, wodurch ein Herzinfarkt oft spät erkannt wird. Auch dies trägt dazu bei, dass mehr Frauen als Männer im Alter um 50 Jahre am akuten Herzinfarkt sterben.
 

docFood rät

Wehret den Anfängen: Frauen ab 50 sollten regelmäßig die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersuchen lassen. Dazu gehören ● die Kontrolle von Cholesterin, Triglyzeriden und Lipoprotein(a) im Rahmen des Blutbildes ● die Blutzuckermessung zur Diabeteskontrolle ● die Messung des Blutdrucks. Wennn die gemessenen Werte steigen, sind die Chancen groß, dass sich die Entwicklung zu Schlimmerem verhindern lässt. Für Raucherinnen (immerhin 20% der Frauen in Deutschland) gilt: Finger besser weg von den Zigaretten, da sich schon nach einem nikotinfreien Jahr das Risiko einer KHK halbiert.

Redaktion docFood

Termin: Symposium der Lipid-Liga

„Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Ernährung und intestinal wirksame Medikamente“ – so lautet der Titel des Symposiums, das von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechsel-störungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V., der Deutschen Gesellschaft für Arterioskleroseforschung e. V. (DGAF) und dem Arbeitskreis Omega-3 e. V. am 20. Februar 2015 in Frankfurt veranstaltet wird. Eingeladen sind Ärzte, Ernährungswissenschaftler und Diätassistenten.
Zentrale Themen sind die Rolle des Intestinums für den Fettstoffwechsel, die Bedeutung verschiedener Fettsäuretypen sowie der Einfluss der Postprandialphase auf das atherosklerotische Geschehen. Dabei knüpft die Veranstaltung mit aktuellstem Wissen an die Anfänge der Therapie, z. B. zur Senkung erhöhter Cholesterinspiegel an. Das Symposium konzentriert sich auf das Intestinum – und zwar darauf, die Aufnahme von Cholesterin zu reduzieren.
 
Natürliche Wirkstoffe vs. Statine
So gibt es einige funktionelle Nähr- und Wirkstoffe sowie intestinal wirksame Medikamente, die überzeugenden Nutzen bei wenigen Nebenwirkungen bringen. Da sie bei dem heutzutage häufigen Einsatz von lipidsenkenden Medikamenten drohen, in Vergessenheit zu geraten, widmet die Veranstaltung ihnen besondere Aufmerksamkeit. Bekannte Referenten wie Prof. U. Wahrburg (Münster), Prof. E. Windler (Hamburg) oder Prof. C. von Schacky (München) sprechen daher über die Rolle des Intestinums beim Fettstoffwechsel, über gesättigte Fettsäuren, über Nähr- und Wirkstoffe und über intestinal wirksame Medikamente. Ferner geht es etwa um Wirkungen und Wirksamkeit verschiedener Stoffe wie Pflanzensterole und -stanole, Ballaststoffe, Q10/Ubiquinol und Omega-3-Fettsäuren. Es werden die Ergebnisse aktueller Forschung vorgestellt, die für Ärzte, Ernährungswissenschaftler und Diätassistenten gleichermaßen interessant sind.
Die Veranstaltung wird von der Landesärztekammer Hessen mit 9 CME Fortbildungspunkten, Kategorie A, anerkannt. Die Veranstaltung wird für die kontinuierliche Fortbildung von Zertifikatsinhabern der DGE, des VDD und des VDOE e. V. mit 6 Punkten berücksichtigt. Teilnahmebescheinigungen werden ausgestellt. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Hier finden Sie Anmeldung und Programm.

Redaktion docFood

Ihr Cholesterin ist hoch? Bloß keine Panik!

Kennen Sie Ihren Cholesterinwert? Heute ist „Tag des Cholesterins“, und zahlreiche Apotheken, Arztpraxen und Kliniken bieten Cholesterin-Messstationen, Informationsangebote und weiteren Aufklärungsaktivitäten an. Mit dem Aktionstag möchte die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V. die Bevölkerung mobilisieren. Unter dem Motto „Blutfettwerte messen lassen – je früher desto besser!“ sollen Verbraucher auf die gesundheitlichen Gefahren aufmerksam gemacht werden, die mit einem zu hohen Cholesterinwert verbunden sind. Über Sinn und Unsinn dieser Messungen spricht docFood mit der Ernährungswissenschaftlerin und Fett-Expertin Ulrike Gonder.
 
docFood: Nach Meinung der Lipid-Liga sollte jeder von uns seinen Cholesterin- und Triglyzeridwert kennen – auch Eltern den Wert ihrer Kinder. Sollten tatsächlich alle zum Messen gehen?
Ulrike Gonder: Das halte ich für doch etwas zu pauschal. Denn wir wissen ja, dass der Wert des Gesamtcholesterins im Blut nur eine ganz eingeschränkte Aussagekraft hat. Was das Herzinfarktrisiko angeht, ist dieser Wert eigentlich nur für Männer mittleren Alters – so um die 50 – relevant. Für ältere Menschen gilt demgegenüber sogar, dass mit steigendem Cholesterin die Sterblichkeit abnimmt. Man lebt also länger, wenn man mehr Cholesterin im Blut hat. Ein erhöhter Cholesterinspiegel kann zwar ein Alarmsignal sein. Doch isoliert betrachtet hat er kaum Aussagekraft und muss keine Angst vor einem erhöhten Herzinfarktrisiko machen.
docFood: Wer sollte dann überhaupt seinen Cholesterinwert messen lassen?
Ulrike Gonder: Bei Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel und ähnlichen Beschwerden ist es in jedem Fall sinnvoll, mal näher hinzuschauen. Allerdings: Der Wert für das Gesamt-Cholesterin allein sagt eigentlich gar nichts. Es muss aufgeschlüsselt werden in den Anteil an HDL- und LDL-Cholesterin und die Triglyceride. Weniger bringt nichts, wenn man abschätzen will, ob ein Risiko besteht oder nicht. Sind LDL oder Triglyceride zu hoch und HDL zu niedrig und gleichzeitig Blutdruck und Gewicht erhöht, kann man tatsächlich sagen: Hier ist ein hohes Risiko – da muss was unternommen werden.
docFood: Die Lipid-Liga empfiehlt, den Cholesterinwert am besten vorsichtshalber schon bei Kindern ab dem zehnten Lebensjahr bestimmten lassen. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?
Ulrike Gonder: Das erscheint mir tatsächlich völlig übertrieben. Man macht den Kindern damit eher Angst und klemmt das an einem isolierten Wert fest. Wer dafür sorgt, dass seine Kinder normalgewichtig und in Bewegung bleiben, muss sicherlich keine Cholesterinwerte messen lassen – abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, etwa in Familien mit familiärer Hypercholesterinämie oder familiären Fettstoffwechselstörungen, wo schon sehr früh Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten können. In solchen Familien ist dieses Risiko bei der heutigen engmaschigen medizinischen Betreuung allerdings meist sowieso bekannt. Aber jetzt generell zu sagen: Cholesterin messen ab 10 Jahren – das halte ich für hahnebüchen. Man sollte bei Kindern positives Verhalten bestärken, anstatt nach kaum definierbaren Risiken zu schauen: Spaß an gutem Essen vermitteln, das gesund, fit, fröhlich und munter hält. Zudem besteht die Gefahr, dass überbesorgte Eltern die Kinder bei leicht erhöhten Werten mit fettarmen Diäten malträtieren. Denen wird dann Phytosterin-Joghurt und fettarme Margarine reingestopft. Das ist für die Entwicklung eines Kindes eher kontraproduktiv. Gerade Kinder brauchen eine gewisse Menge an Fett, und fettarme Kost hat sich ja gerade als Herz-Kreislauf-Prophylaxe nicht bewährt.
Das Interview führte Dr. Friedhelm Mühleib
Bildquelle: Claudia Hautumm / pixelio.de
 

Ulrike Gonder

Ulrike Gonder


Nächste Woche bei docFood: Im zweiten Teil des Interviews mit Ulrike Gonder geht es um die Frage: Erhöhte Cholesterinwerte – Wieviel Fett in der Ernährung ist da noch angebracht.
 
Ulrike Gonder ist Diplom-Oecotrophologin und arbeitet seit 20 Jahren als freie Wissenschaftsjournalistin, Autorin und Referentin. Ihr Lieblingsthema ist das Fett, dem sie schon viele Artikel und mehrere Bücher gewidmet hat, z. B. „Mehr Fett! Warum wir mehr Fett brauchen, um gesund und schlank zu sein.
 
 
 
 
 
 
 

Fleisch: weniger und besseres Fett

„Fleisch ist zu fett, enthält zu viele gesättigte Fettsäuren und ist wegen seines hohen Cholesteringehaltes ein Risikofaktor für Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ Das stimmt heute nicht mehr uneingeschränkt, denn Fleisch ist fettärmer als früher. Und auch die Fettqualität hat sich erheblich verbessert: Der Anteil an den „ungesunden“ gesättigten Fettsäuren hat stark abgenommen.
Fleisch hat gewaltig abgespeckt. Noch vor 30 Jahren stand der Fettgehalt von Fleisch im Zentrum der Qualitätsdiskussion. Inzwischen hat sich hier enorm viel geändert.
 

Weniger Fett und Cholesterin

Der durchschnittliche Fettgehalt von Frischfleisch bewegt sich heute zwischen 6 % und 11 %. Bei Schweinefleisch sind zum Beispiel die Lende und das Schnitzelfleisch mit durchschnittlich 2 % sehr fettarm. Auch die durchwachsenen bzw. marmorierten Teile schlagen nur noch mit 5 % bis 15 % Fettgehalt zu Buche – etwa Kotelett oder Krustenbraten mit Fettauflage. Auch bei Rindfleisch, das immer schon als mager galt, konnte der Fettgehalt bei den meisten Teilstücken um 30 bis 50 % gesenkt werden. Mit dem Anteil an Fett insgesamt und der veränderten Fettsäurestruktur hat sich auch der Cholesteringehalt des Fleischs reduziert. Mageres Fleisch liefert ca. 45 bis 60 mg Cholesterin pro 100 g. Geht man von den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) aus, die zu einer maximalen täglichen Zufuhr von 300 mg Cholesterin rät, so trägt sogar ein stattliches Filetsteak von 150 g weniger als ein Drittel zu dieser Menge bei.
 

Bessere Fettqualität

Bei vielen Fleischarten und Teilstücken überwiegen inzwischen die einfach ungesättigten Fettsäuren. Dabei spielt die Ölsäure, die z.B. auch wesentlicher Bestandteil des Olivenöls ist, mengenmäßig die größte Rolle. Hier kommt den Züchtern und Landwirten zu Gute, dass sich die Fettqualität durch die Fütterung relativ leicht beeinflussen lässt. Enthält das Futter einen hohen Anteil an Ölsaaten wie Raps oder Soja, die viele ungesättigte Fettsäuren liefern, so verändert sich auch das Fettsäuremuster des Fleischs in Richtung auf diese hochwertigen Bestandteile.
 

Tipp von Doc Food

Kaufen Sie lieber weniger, dafür aber (teureres) Fleisch von Tieren, die aus ökologischer Haltung stammen. Denn zahlreiche Studien haben ergeben, dass das Fleisch artgerecht gehaltener Tiere doppelt so viele ungesättigte Fettsäuren liefert wie die Artgenossen aus konventioneller Haltung. Gleichzeitig stellen Sie mit Ihrer Kaufentscheidung die Weichen für bessere Haltungsbedingungen.
Bildquelle: Peter Smola / pixelio.de
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Vegetarische Ernährung: Gesundheit, die schmeckt?

Leben Vegetarier länger und gesünder als Menschen, die sich normal ernähren? Der Glaubenskrieg um diese Frage hält nach wie vor heftigste Diskussionen in Gang. Dabei zeigen die jüngsten wissenschaftlichen Untersuchungen ein recht eindeutiges Bild: Während extreme Formen des Vegetarismus wie z.B. die vegane Kost zu Mangelerscheinungen und Schäden führen können, profitieren die „moderaten“ Vegetarier offensichtlich ganz deutlich von einer fleischlosen bzw. fleischarmen Ernährungsweise.
In der großen Vegetarierstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums wurden zwischen 1978 und 1999 rund 1900 Vegetarier beobachtet. Das vielleicht spannendste Ergebnis: Vegetarier haben ein drastisch verringertes Sterblichkeitsrisiko. Es war bei den Vegetariern gegenüber Vergleichsgruppen um über 40% reduziert. In der 2013 erschienenen dritten Auflage des Standardwerkes „Vegetarische Ernährung“ schreiben der Gießener Mitbegründer der Vollwert-Ernährung, Prof. Claus Leitzman und sein Schüler, der Oecotrophologe Markus Keller: „Aus der Gesamtheit der heute vorliegenden Studien lässt sich ableiten, dass eine günstig zusammengesetzte vegetarische Ernährungsweise als stärker gesundheitsfördernd und weniger gesundheitsgefährdend einzustufen ist als eine Ernährungsweise, die die üblichen Mengen an Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln erhält“.
 

Gesundheitlicher Nutzen vegetarischer Ernährung

So kommen die Autoren bezüglich Übergewicht z.B. zu dem Fazit, dass Vegetarier im Vergleich zu Mischköstlern ein durchschnittlich niedrigeres Körpergewicht und einen niedrigeren B;MI haben: „Übergewicht und Adipositas kommen bei Vegetariern, insbesondere Veganern, nur selten vor.“ Eine vegetarische Ernährung kann demnach dabei helfen, Übergewicht zu verhindern. Gleichzeitig besitzen vegetarische Kostformenerhebliches Potenzial in der Therapie von Übergewicht und Adipositas. Im Folgenden – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – einige der wichtigsten weiteren möglichen gesundheitlichen Vorteile einer auf pflanzlichen Lebensmitteln basierenden Ernährung:
 

  • Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass vegetarisch lebende Menschen einen wesentlich niedrigeren Cholesterinspiegel im Blut haben. Das liegt offensichtlich daran, dass sie vorwiegend pflanzliche Fette mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren verzehren. Das Cholesterin wird mitverantwortlich gemacht für die Entstehung vieler Herz- und Kreislaufkrankheiten (Arteriosklerose) und kommt hauptsächlich in tierischen Produkten vor.
  • Andere Untersuchungen zeigen, dass der Blutdruck der Vegetarier ín der Regel niedriger als der von „Allesessern“ ist. Zu hoher Blutdruck ist einer der entscheidenden Risikofaktoren für den Herzinfarkt.
  • Gicht kann durch vegetarische Kost im Zaum gehalten werden. Die Ursache dieser Krankheit ist eine Störung des Purinstoffwechsels. Purine kommen vorwiegend in tierischen Lebensmitteln vor.
  • Vegetarische Kost hat scheinbar einen Anti-Aging Effekt und scheint – vermutlich durch den hohen Antioxidantien-Gehalt der vegetarischen Nahrung – das gesamte System vor Alterungsprozessen zu schützen.

 

Tipp von Doc Food:

Die wissenschaftliche Datenlage legt nahe: Wer nicht ganz auf Fleisch und tierische Lebensmittel verzichten will, tut im Interesse seiner Gesundheit gut daran, zumindest weniger davon zu essen.
Bildquelle:  Mika Abey / pixelio.de
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