Wie muss gutes Olivenöl schmecken?

Olivenöl  gehört als hochwertiges pflanzliches Fett  unbedingt in unsere Alltagsernährung. Dabei ist ein gutes Olivenöl immer auch ein ein spannendes Genuss- und Geschmackserlebnis.  Leider kann beileibe nicht jedes der zahllosen Öle, die heute im Handel verfügbar sind, mit gutem Geschmack punkten. So hat die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Olivenöltest bemängelt, dass es in den Supermärkten immer noch zu viele Olivenöle mit geschmacklichen Mängel gibt – auch wenn sie zur höchsten Qualitätsstufe ‚nativ extra/extra vergine‘ gehören. Stellt sich die Frage: Wie muss eigentlich ein gutes Olivenöl schmecken?
Dieter Oberg, einer der erfahrensten deutschen Olivenöl-Tester, der vom Internationalen Olivenölrat offiziell zugelassen und akkreditiert ist, erklärt in einem Interview mit der Stiftung Warentest, was ein gutes Olivenöl auszeichnet:
 
Fruchtigkeit , Bitterkeit und Schärfe

„Das Entscheidende ist eine ausgeprägte Fruchtigkeit – Olivenöl ist wie ein Blütenstrauß mit vielen Aromen. Je nach Olivensorte riecht und schmeckt es zu Beginn der Erntezeit eher noch grünlich mit Facetten von Blattsalat, frischem Gras oder Artischocke. Bei reiferen Oliven kommen auch süßere Noten dazu wie reife Tomate, Mandel oder Banane. Das kann bis zu Honigduft gehen. Bei frischem Öl spürt man im Mund auch eine stärkere Bitterkeit und Schärfe, was nicht unbedingt jedermanns Sache ist. Schärfe und Bitterkeit lassen mit der Lagerzeit aber nach. Neutral sollte Olivenöl in keinem Fall schmecken.“ Fazit: Olivenöle haben grundsätzlich eine individuelle Note. Jedes schmeckt anders. Dabei gibt es auch bestimmte „Leitaromen“, die sich beim Öl der wichtigsten Olivensorten immer wieder finden. Dazu gehören – je nach Sorte – der Duft nach frisch geschnittenem Gras, wilden Kräutern, Blumen, Tomaten und Zitrusfrüchten. Bei der Beurteilung des Geschmack setzen professionelle Verkoster drei Hauptkriterien an: Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe. Auch wenn dies für deutsche Gaumen manchmal gewöhnungsbedürftig erscheint: Schärfe und Bitterkeit gehören zum Geschmack eines guten Olivenöls einfach dazu. Ein Extravergine, das weder über eine spürbare Bitterkeit verfügt noch «piccante» – also deutlich scharf – schmeckt, erhält in jeder professionellen Verkostung Abzüge! Im Prinzip gilt:
 
Gutes Öl soll nach frischen Oliven schmecken

Je näher ein Olivenöl von Aromen und Geschmack her bei der frischen Olive liegt, desto höher wird es eingestuft. Und was ist mit den möglichen geschmacklichen Mängeln? Experten unterscheiden eine ganze Reihe möglicher Fehlaromen. Wenn ein Öl muffig, ranzig, metallisch, chemisch oder nach Essig riecht oder schmeckt, sind das klare Geruchs- und Geschmacksfehler, die zur Abwertung eines Öles führen müssen. Das bedeutet allerdings auch: Wie ein Olivenöl schmeckt und ob es den persönlichen geschmacklichen Vorlieben entspricht, weiß man erst, wenn man es probiert hat. Am besten wäre es, Olivenöl vor dem Kauf zu probieren. Das geht zwar in manchen Feinkostläden – in Supermärkten geht das leider nur selten oder gar nicht. Wo eine Olivenölprobe möglich ist, läuft sie ebenfalls wie eine Weinprobe ab: Riechen, bedächtig schmecken, schlucken und entscheiden bzw. bewerten – das ist auch beim Olivenöl die Reihenfolge zur Bestimmung der geschmacklichen Qualität. Wenn ein Olivenöl die Qualitätsklasse ‚nativ extra‘ hat, sollte letztlich der persönliche Geschmack des Verbrauchers entscheiden.

Probieren geht über Studieren

Letzlich geht auch beim Olivenöl Probieren über studieren. Kräftige Öle mit viel Schärfe und Bitternoten sind in ihrer Heimat zwar meist hochgeschätzt und oft mit Medaillen dekoriert. Die Deutschen  bevorzugen jedoch oft milde Qualitäten. Wer etwa bittere Öle, wie sie die Spanier z.B. lieben, nicht mag – wird genug Öle finden, die allenfalls ‚zartbitter‘ sind. Wo probieren nicht möglich, sollte man zum Testen zunächst das kleinstmögliche Gebinde kaufen. Wer nach einem guten Olivenöl sucht, sieht sich einer unüberschaubaren Flut von Produkten gegenüber. Grundsätzlich gibt es zwei Orientierungshilfen: Das Etikett und der Geschmack. Wer Wert auf ein gutes Olivenöl legt, kann sich zunächst einmal an den Qualitätsstufen orientieren. Die Kommission der Europäischen Union hat die Qualitätsnormen für Olivenöle exakt definiert und verbindlich festgelegt. Nur einwandfreie Produkte gehören in die höchste Güteklasse „nativ extra“ – von den Italienern „Extra vergine“ und den Spaniern „Virgen extra“ genannt. Mit einem „Nativ extra“ – Öl sollte man auf der sicheren Seite sein.

docFood rät

Wer preiswertes und gutes Öl für die Alltagsküche im Supermarkt kaufen will, ist mit den aktuellen Empfehlungen der Stiftung Warentest gut beraten. Wenn die Stiftung bei vielen Ölen geschmackliche Defizite bemängelt, bedeutet das nicht, dass die Öle deswegen schlecht sind. Für handwerklich hergestellte Öle mit einem größeren geschmacklichen Spektrum und individuellen Noten lohnt sich der Gang in in den Weinfachhandel (.. die Läden bieten fast immer auch ein paar gute Olivenöle an) oder in ein Feinkostgeschäft. In beiden Ladentypen wird meist gut beraten, manchmal gibt es die Möglichkeit zum Probieren. Eine weitere Alternative gerade beim Kauf von Olivenöl sind spezialisierte Online-Shops mit einem Angebot hochwertiger Öle. Unser Favorit ist schon lange das Olivenölkontor als Portal mit großem Angebot an weltweit ausgewählten Top-Olivenölen zu angemessenen Preisen, mit viel Produktwissen ausgewählt. Zudem bietet die Seite viele allgemeine Informationen zu Qualität, Herstellung und Herkunft der Öle, ergänzt durch  eine Sammlung von Rezepten. Inhaber Mike Seeger berät bei Detailfragen auch kenntnisreich persönlich. Eine gute Alternative speziell für Freunde italienischer Öle ist Olearia.de – ebenfalls mit bezahlbaren Ölen der Spitzenklasse.

Jetzt Butter für Weihnachten hamstern!

Wussten Sie schon, dass man Butter hervorragend einfrieren kann? Vielleicht sollten Sie schon mal ein Fach ihrer Truhe für Butter reservieren. Denn derzeit ist das köstliche Milchfett nicht nur teurer denn je – die Preise drohen zudem immer weiter zu steigen. Die Lage an der europäischen Butterfront ist derart dramatisch,  dass der Chef des dänisch-schwedischen Molkereikonzerns Arla in London die britische Bevölkerung noch kürzlich davor gewarnt hat, dass vor Weihnachten die Butter knapp werden könnte.
 
Im August hat sich der Steilflug der Butterpreise fortgesetzt. Dieser hatte im Juli eine kurze Pause eingelegt. Zuletzt zogen die Preise erneut an und erreichten damit eine neue Rekordhöhe. Sogar bei den Discountern hat inzwischen das billigste 250g-Päkchen die Schallgrenze von zwei Euro erreicht.
 

Geht ab wie geschmiert: Der Butterpreis

Markenbutter hat diese Marke bereits um einiges hinter sich gelassen: Die Päckchen einer bekannten irischen Buttermarke im Kühlregal unserer Supermärkte sahen immer schon wie kleine Goldbarren aus. Gefühlt nähert sich nun auch ihr Preis dem des Goldes. Der Preis für ein Päckchen Markenbutter hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. Wenn aktuell die Lebenshaltungskosten steigen, ist diese Entwicklung besonders von den Lebensmittelpreisen getrieben. Milch und Milchprodukten, allen voran die Butter, spielen dabei eine wichtige Rolle – und ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Vergessen sind die Demonstrationen der Milchbauern, die noch vor Jahresfrist auf die Straße gingen, um gegen die Dumpingpreise für ihre Milch zu protestieren. Genau diese Dumpingpreise sind einer der Gründe dafür, warum die Verbraucher nun zur Kasse gebeten werden.
 

Gründe für das große Comeback der Butter

Als Verbraucher versteht man die Welt nicht, wenn die Butter bei Aldi plötzlich zwei Euro kostet, statt 75 Cent, wie noch im vergangenen Jahr. Was also sind die wichtigsten Gründe für die Preisexplosion bei Butter, Milch und Käse?

  • Die Regel der Marktwirtschaft, dass sich Preise übe Angebot und Nachfrage regulieren – im Fall der Butter mit dem in der Landwirtschaft üblichen gewissen Verzögerungseffekt. Sie erinnern sich: Zur Freude der Verbraucher fielen die Preise für Milch und Milchprodukte noch 2016 in den Keller, ausgelöst durch Überschüsse in der Milchproduktion. Für die Erzeuger hatte das teils dramatische sinkende Einkommen zur Folge: Milchbauern gerieten in Existenznot und mussten ihren Viehbestand teils drastisch verkleinern. Die Produktion ging dadurch so stark zurück, dass nun die steigende Nachfrage nach Milchfett nicht mehr bedient werden kann – was wiederum zur Explosion der Butterpreise führt. Verkleinerte Viehbestände lassen sich eben nicht per Knopfdruck von heute auf morgen wieder vermehren.
  • Die weltweite Nachfrage insbesondere nach Milchfett steigt. Insbesondere die Asiaten sind auf den Geschmack der Butter gekommen – allen voran die Chinesen. Im ersten Halbjahr 2017 erhöhten sich die Butter- und Butteröl-Importe allein der Chinesen um gut 20% auf knapp 5000 Tonnen.
  • Die Rehabilitation der Butter als wertvolles und geschmackvolles Speisefett, dass in Maßen genossen der Gesundheit nicht schadet, sondern eher nutzt, beginnt zu wirken: Von gesundheitlichen Ängsten befreit genießen Verbraucher zunehmend die geschmacklichen Vorteile der ‚guten‘ Butter.
  • Europäer stehen dem Palmöl zunehmend skeptisch gegenüber und meiden Produkte mit Palmöl. Im Gegenzug nimmt die Nachfrage nach tierischen Fetten stark zu.

Während die Verbraucher stöhnen, atmen die Milchviehbauern auf: Mit den Butterpreisen steigen auch die Milchpreise – wenn auch in wesentlich geringerem Ausmaß. So sind die Milchpreise seit Mitte 2016 kräftig gestiegen – im Juli 2017 erhielten Landwirte im Bundesschnitt 36,1 Cent je Liter, im Vorjahresmonat waren es gerade mal 23,2 Cent. Dabei sollte man wissen, dass die Schwelle einer gewinnbringenden Milchproduktion für die Erzeuger bei einem Preis von ca. 35 Cent pro Liter liegt.
 

Preisanstieg droht auch bei Backwaren

Wenn sich die Situation nicht bald wieder normalisiert, dürften vor allem die Preise von Produkten nach oben schießen, zu deren Herstellung viel Butter benötigt wird – dann dürften z.B. Backwaren wie Croissants, Pains au chocolat oder Brioches zu Luxusgütern werden. Doch eine Trendwende für den Butterpreis ist nach Ansicht von Milchmarktexperten derzeit nicht in Sicht. Die Verbraucher haben zwar bereits mit heftigen Sparmaßnahmen reagiert: Allein im Juni ist der Absatz von Butter in Deutschland um 18% eingebrochen. Doch das reicht wohl bei weitem nicht aus, um den Preisanstieg zu bremsen. Momentan rechnet niemand so wirklich damit, dass der Preisanstieg zum Stillstand kommt – geschweige denn, dass die Preise auch nur annährend in frühere Regionen zurückkehren könnten.
 

docFood rät

Im Licht der gegenwärtigen Entwicklung erscheint die Vision des dänischen Milchexperten, dass vor Weihnachten die Butter knapp werden könnte, gar nicht mehr so abwegig. Wer nun Sorge hat, dass die Kühltheken vor Weihnachten leergeräumt sind oder die Butter unbezahlbar wird, sollte vielleicht doch jetzt schon Vorsorge treffen und einen kleinen privaten Butterberg für die Weihnachtsbäckerei einfrieren. Die Website swissmilk.ch schreibt: „Butter lässt sich gut einfrieren. In der Gefriertruhe hält sie 10 Monate und im Gefrierfach vom Kühlschrank etwa 3 Monate. Nach dem Auftauen sollte sie schnell aufgebraucht werden. Tipp: Butter in kleineren Portionen einfrieren.“ Die Schweizer müssen’s wissen, die verstehen was von Milch. Also rein mit der Butter ins Gefrierfach, bis kein Platz mehr ist. Die 3 Monate bis Weihnachten übersteht sie dort gut. docFood liefert dann rechtzeitig passenden Plätzchenrezepte in einer Butter-Sparversion – versprochen :) !

Dr. Friedhelm Mühleib

 

Schlechte Noten für Gemüsechips

Gemüsechips – hört sich doch eigentlich gut an. Irgendwie besser als Kartoffelchips. Schließlich gilt Gemüse als gesund und der Kartoffeln hängt immer noch das (unberechtigte) Dickmacher-Image an. Rein gefühlsmäßig sollten also Gemüsechips etwas Besseres sein. Weit gefehlt: wie nicht selten im Leben trügt auch hier das Gefühl. Die Stiftung Warentest hat 15 Gemüsechips untersucht und kommt zu dem vernichtenden Urteil: Die meisten sind teuer, schmecken mäßig und sind echte Kalorienbomben!
 
Dabei bestätigt eine Umfrage auf test.de,  dass ganz viele Verbraucher Gemüsechips als gesunde Alternative zu Kartoffelchips bewerten: 40 Prozent der Teilnehmer halten Karotte, Roter Bete und Co. im Vergleich mit Kartoffelchips in gesundheitlicher Hinsicht überlegen  – mit weniger Salz und Kalorien. Immerhin 47 Prozent sehen in den Gemüsechips keinen Vorteil. 


 

Testergebnis  enttäuscht gesunde Erwartungen

Das Fazit der Tester ist ernüchternd: Gemüsechips, oft aus Süßkartoffel, Pastinake, Karotte und Rote Bete hergestellt, sind nicht die erhoffte gesunde Alternative zu Kartoffel­chips. Die meisten Produkte im Test sind Kalorienbomben, sie enthalten viel Zucker, Fett und Salz. Vier enthalten sogar bedenkliche Mengen kritischer Stoffe. Die Tester haben unter den 15 überprüften Produkten nur drei gute gefunden, Die anderen Produkte waren befriedigend und mangelhaft. Doch auch die Guten sind nicht uneingeschränkt zu empfehlen: So enthalten 100 Gramm des Testsiegers Seeberger zwar relativ wenig Salz, doch mit 30 Gramm recht viel natürlichen Zucker und einen Fettgehalt, der dem von Kartoffelchips kaum nachsteht. Wenn die Qualität schon nicht besser als die der Kartoffelchips ist, ist das frittierte Gemüse zumindest doppelt so teuer: Die Packungen enthalten oft kleinere Mengen als Kartoffelchips-Tüten, was nach Ansicht der Tester den enormen Preisunterschied kaschieren soll.
 

Nur drei schmecken richtig gut

Geschmacklich stellten die Prüfer deutliche Unterschiede zwischen den Produkten fest: Demnach ist der Geschmack beim Gros der Produkte mittelmäßig. Die Chips schmecken und riechen fettig, sind brandig im Geschmack oder haben eine teils pappige Konsistenz. Immerhin haben die Tester drei geschmacklich herausragende Produkte gefunden. Einem davon verliehen unsere Tester sogar die – im Prüfpunkt Sensorik seltene – Bestnote 1,0. Vier Produkte schneiden mangelhaft ab, wegen kritischer Stoffe. Bedenk­liche Mengen Acrylamid fanden die Tester in den Chips von Netto Marken-Discount, in den Svenska-Bio-LantChips und den Tegut-Gemüse-Kesselchips. In Tier­versuchen wirkte Acrylamid krebserregend und erbgutschädigend. Mit mangelhaft bewerteten die Tester auch die Chips von Tyrrells. Die Rote Bete in den untersuchten Tüten war stark mit Nitrat belastet. Nitrat kann im Körper zu Nitrit und dann unter anderem zu Nitrosaminen reagieren. Viele dieser Verbindungen wirkten im Tierversuch krebserregend.
 

Die Besten sind teuer

Im Test siegte das teuerste Produkt, das 4,15 € pro 100 Gramm kostet: Seeberger Veggie-Chips. Ebenfalls mit gut bewertet wurden die Gemüsechips Funny Frisch Veggie Chips gesalzen für 3,20 € und das Bioprodukt Vegetable Chips von Trafo für 3,70 pro 100 Gramm. Bei sehr guten Gemnüsechips, so die Stiftung, lassen sich die Gemüsesorten durch ihr charakteristisches Aussehen unterscheiden, außerdem durch einen kräftigen, aromatischen Geschmack und Geruch.
 

docFood rät

Hier schließen wir uns dem Rat der Verbraucherzentrale (VZ) Nordrhein-Westfalen an. Die empfiehlt, Gemüsechips selber zu machen: „Roh geknabbert oder fettarm zubereitet ist Gemüse immer die beste Wahl. Für Gemüsechips und andere Snacks gilt deshalb: Besser nur ab und zu und in Maßen! Doch Gemüse- und Kartoffelchips lassen sich auch leicht selbst herstellen. Dabei hat man es selbst in der Hand, wie viel Fett in den Chips steckt. Auch lassen sich die Gewürze je nach nach Geschmack variieren.“ Das Rezept für die selbstgemachten Gemüsechips gibt es übrigens hier auf der Website der VZ direkt mit dazu

Red.

Foto und Grafik: © Stiftung Warentest

Olivenöl – Test: Viele mit geschmacklichen Mängeln

Wieder einmal hat die Stiftung Warentest Olivenöl der Qualitätsstufe „nativ extra / extra vergine“ getestet. Und leider wieder mit enttäuschendem Ergebnis. In der Februar-Ausgabe der Zeitschrift test kommen die Warentester zu dem Ergebnis: „Von 24 Olivenölen zu Preisen zwischen 5 und knapp 15 Euro pro Liter schneidet keins gut ab, 10 Produkte sind mangelhaft. Sie täuschen eine Güteklasse vor, der sie nicht entsprechen. Viele Öle sind mit Schadstoffen belastet.“ Die gute Nachricht: Unter all den getesteten mäßig guten Ölen sind die preiswerten Produkte der Discounter noch die besten.
 
Am besten schneiden vier Discounter-Produkte ab: „Gut Bio“ von Aldi (Nord), „Primadonna“ von Lidl und „Vegola“ von Netto Marken-Discount, gefolgt von „Cantinelle“ von Aldi Süd. Mit dem Testurteil „befriedigend“ schmecken sie insgesamt ausgewogen und kosten gerade einmal fünf bis sechs Euro pro Liter. 10 der 24 Öle im Test schmecken ranzig, stichig oder alt, darunter die beiden teuersten – beide von Carapelli, einem italienischen Unternehmen, das mit „120 Jahren Erfahrung in der Kunst der Olivenölproduktion“ wirbt. Die Kritik der Tester konzentriert sich im Wesentlichen auf zwei Aspekte: Geschmackliche Mängel und den Schadstoffgehalt
 
Geschmack: keine kulinarische Offenbarung – viele Mängel
Getestet wurden ausschließlich Öle der höchsten Güteklasse. Damit die als ‚gut‘ oder ‚sehr gut‘ bewertet werden können, müssen sie geschmacklich und geruchlich mindestens fehlerfrei sein. Für beste Bewertung müssen sich solche Öle durch besondere Fruchtigkeit, Harmonie und klare Aromen profilieren. Ausdrucksstarke Olivenöle riechen und schmecken intensiv fruchtig, deutlich bitter und scharf. Sie sind besonders ausgewogen – also ein Geschmackserlebnis.Die aktuell geprüften Öle, so die Tester, sind demgegenüber „keine kulinarische Offenbarung: Sie sind mittelfruchtig, nur leicht scharf, wenig bitter. Individuelle Noten sind kaum ausgeprägt.“ Zehn Öle im Test schmecken sogar ranzig, stichig oder alt. Das Urteil lautet daher mangelhaft. Sie dürften nicht als „nativ extra“ verkauft werden – neun allenfalls eine Güteklasse tiefer – als „nativ“. Ein Öl im Test ist nicht nur sensorisch fehlerhaft, sondern zudem verfälscht, weil es raffiniertes Olivenöl enthält.
 
Schadstoffe: zu viele Rückstände von Mineralölen
Was den Schadstoffgehalt betrifft, beanstanden die Warentester vor allem die verbreitete Kontamination der Olivenöle mit Mineralölbestandteilen. Die können über unterschiedliche Pfade in Speiseöle gelangen, so etwa über technische (Schmier-)öle oder Abgase von Erntemaschinen. Im aktuellen Olivenöl-Test fiel ausgerechnet ein Bio-Öl von Carapelli besonders auf. Es war deutlich mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (den so genannten Mosh) und als einziges hoch mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (den so genannten Moah) belastet. Ein Teil der Moah steht unter dem Verdacht, eine krebserzeugende Wirkung zu haben. Zehn weitere Öle enthielten deutliche Gehalte an Mosh, die mit Ausreichend bewertet wurden. Darüber hinaus enthielten immer noch viele der Öle Weichmacher (Phtalate), obwohll deren Einsatz in Materialien, die während der Herstellung mit dem Öl in Berührung kommen können (Kunststoffmaterialien in Schläuchen, Behältern, Fließbändern etc.), seit 2007 verboten ist.
 
Alles kein Grund für einen Verzicht auf Olivenöl
 Trotzdem, so die Experten, sind die aktuellen Testergebnisse kein Grund, auf Olivenöl zu verzichten: „Viele der Öle, die wir in der sensorischen Qualität mit ‚befriedigend‘ bewertet haben, dürften den Erwartungen vieler Verbraucher durchaus entsprechen. Sie schmecken ausgewogen, mittelfruchtig und nur leicht bitter und scharf. Das ist keine Gourmetqualität, bei der die Ausprägungen fruchtig, bitter und scharf deutlicher hervortreten, aber für den täglichen Gebrauch allemal geeignet.“ Was empfehlen die Experten nun den Verbrauchern auf der Grundlage der Testergebnisse? „Zunächst einmal ist Olivenöl – nach Rapsöl – das Speiseöl mit den ernährungsphysiologisch besten Eigenschaften. Es enthält einen hohen Anteil an der einfach ungesättigten Fettsäure Ölsäure. Allerdings kann man nicht erwarten, im Preissegment von vielleicht 5 bis 10 Euro je Liter besondere Qualitäten zu erhalten.“ Für den Alltag sind demnach die vier eingangs genannten Discounter-Öle für rund 5 bis 6 Euro pro Liter jedoch allemal ausreichend.
 
Ohrfeige für die Hersteller
Leider kann sich der Verbraucher beim Olivenölkauf nur bedingt auf die Aussagen der Anbieter verlassen, meint die Stiftung und übt harsche Kritik an den Herstellern und Händlern: „Die Geschichte unserer Olivenöl-Tests ist immer auch eine Geschichte des Etikettenschwindels gewesen. Die Anbieter sind gefordert, insbesondere auch die sensorische Qualität ihrer Produkte regelmäßig zu kontrollieren. Es ist nicht akzeptabel, dass fortwährend Olivenöl unter der höchsten Güteklasse vermarktet wird, das geschmacklich diesen Anforderungen aber nicht entspricht. Und auch die weit verbreitete Belastung der Öle mit Mineralölbestandteilen ist kein vertretbarer Zustand. Die Hersteller sind genauso wie die Marktüberwachungsbehörden gefordert, das Qualitätsniveau zu verbessern.“
 
docFood meint:
Im akutellen Test hat die Stiftung ausschließlich preiswerte Öle unter die Lupe genommen, die größtenteils auch in den Supermärkten zu kaufen sind. Spitzenöle der Qualitätsstufe nativ extra / extra vergine sind in dieser Preisklasse extrem selten. Ein Olivenöl „nativ extra“ für fünf Euro pro Liter ist mit dem Testurteil ‚befriedigend‘ trotzdem ein Schnäppchen – und Grund genug, ein solches Öl zu verwenden, schon aus gesundheitlichen Gründen. Den abschließenden Rat der Experten können Sie getrost befolgen: „Bei Olivenöl hält man es am besten wie die Profis. Die haben mindestens zwei in der Küche: Ein einfaches zum Braten und Kochen plus ein hochwertiges mit ausdrucksstarkem Aroma, das sie erst kurz vor dem Servieren zum Essen geben.“

Friedhelm Mühleib

Olivenöl – versiegen die Quellen?

Wird Olivenöl bald wesentlich teurer und knapp? Xylella fastidiosa, das Feuerbakterium, droht in Südeuropa ganze Anbauregionen zu vernichten. Seit Herbst 2013 sind dem Erreger in Süditalien bereits über eine Million Olivenbäume zum Opfer gefallen, während die Pflanzenmedizin immer noch ratlos ist: Gegen das Bakterium gibt es bisher noch keinerlei Mittel. Was die Bekämpfung des Bakteriums betrifft, ist der großräumige Kahlschlag auch gesunder Bäume rund um die befallenen Exemplare der Wissenschaft letzte Weisheit. Vor kurzem wurden erste Pflanzen mit Xylella-Infektionen im Süden Frankreichs festgestellt, was Bauern und Behörden mit Sorge erfüllt.
Noch ist Spanien als weltgrößter Produzent von Olivenöl nicht betroffen. Angesichts riesiger, zusammenhängender Plantage in Zentralspanien und Andalusien hätte ein Ausbruch in Spanien verhängnisvolle Folgen.
 

Insekten übertragen die Erreger

Das Bakterium wird durch Insekten, zum Beispiel Zikaden übertragen. Diese ernähren sich von Pflanzensäften und geben beim Saugen das Bakterium in das sogenannte Xylem, also in den Holzteil der Pflanzen ab. Dort beginnt es, den Wasser- und Nährstoffhaushalt der Pflanze zu blockieren. Die Pflanze trocknet nach und nach aus und stirbt schließlich ab. Der Erreger bedroht nicht nur die Oliven: Er kann bei mehr als 100 verschiedenen Pflanzenarten Krankheiten auslösen, derunter Weinreben, Zitruspflanzen, Mandelbäume und zahlreiche andere Nutz- und Zierpflanzen.
 

Ausbreitung des Olivensterbens wahrscheinlich

Nach den ersten Fällen in Frankreich hält es die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFsa) für „sehr wahrscheinlich“, dass sich das Bakterium weiter ausbreitet. Italien hat bereits den Notstand ausgerufen und zur Bekämpfung der Pflanzenkrankheit den Katastrophenschutz eingesetzt. In der Region Apulien, die besonders betroffen ist, werden aus Sicherheitsgründen alle Bäume im Umkreis von 100 Metern um einen betroffenen Baum konsequent abgeholzt – das gilt auch für Haine mit jahrhundertealten Bäumen, die im Grunde schützenswertes Kulturgut sind.
 

docFood meint

Wie wäre es, wenn es morgen kein Olivenöl mehr gäbe? Von Engpässen bei der Versorgung sind wir noch weit entfernt, es könnte jedoch zu einer Verknappung – verbunden mit stark steigenden Preisen kommen. Bis die Wissenschaft doch noch einen Weg zur Bekämpfung des ‚Oliven-Ebola‘ findet, kann viel Zeit vergehen. Eiin Einbruch bei der Versorgung – wäre dabei noch das kleinere Übel. Tausende von Familien, die in den Anbauregionen von der Olivenölherstellung leben, wären in ihrer Existenz bedroht.

Friedhelm Mühleib

Transfettsäuren – halb so schlimm?

Sie gelten als versteckte Killer in unserer Nahrung und stecken in Croissants, Donuts, Pommes frites und zahllosen Fertigprodukten: Die Transfettsäuren (TFS), die u.a. das LDL-Cholesterin vermehren, Arteriosklerose, Diabetes und Bluthochdruck fördern und das Herzinfarktrisiko steigen lassen. Machen Transfettsäuren mehr als zwei Prozent der täglich aufgenommenen Nahrungsenergie aus, erhöht sich das Risiko eines Herzinfarktes um mehr als 20 Prozent, so das bisherige Urteil der Wissenschaft. Eine aktuelle Studie sieht diese Risiken der TFS nur unter bestimmten Bedingungen gegeben:TFS in der Nahrung sind vor allem für diejenigen unbedenklich, die einen niedrigen TFS-Spiegel von weniger als 2% haben.
Während die Stiftung Warentest noch brandaktuell titelt: „Transfettsäuren: Gefahr für Herz und Kreislauf“, kommt eine aktuelle Auswertung der „LUdwigshafen RIsk and Cardiovascular Health“ (LURIC)-Studie zum Schluss, dass niedrige Spiegel von Transfettsäuren (TFS) zum einen nicht schädlich sind und zum anderen sogar noch von gesundheiltichen Vorteilen begleitet sind.
 

Transfettsäuren können Risiko für Herztod senken

Nach den Ergebnissen der Wissenschaftler um Dr. Marcus Kleber an der Medizinischen Fakultät der Universität Mannheim gilt das für TFS, die natürlicherweise in Lebensmitteln wie Milchprodukten und Rindfleisch vorkommen, selbst dann, wenn sie aus der industriellen Lebensmittelproduktion stammen. “Höhere Konzentrationen von TFA in den roten Blutkörperchen gingen einher mit höherem LDL (..dem ‚schlechten‘ Cholesterin), allerdings auch mit einem niedrigeren Gewicht, niedrigeren Triglyceriden, weniger Insulinresistenz, und deshalb einem geringeren Diabetesrisiko. Es hat uns überrascht, dass natürliche TFA mit einer niedrigeren Gesamt-Sterblichkeit verbunden waren, was vor allem durch ein niedrigeres Risiko für den plötzlichen Herztod bedingt war.“ so Dr. Kleber, der ergänzt:„ genauso unerwartet war, dass höhere Konzentrationen der industriell produzierten TFA nicht mit einer erhöhten Gesamt-Sterblichkeit verbunden waren.“
 

Deutsche mit niedrigem TFS-Spiegel

Wenn die Ergebnisse im Widerspruch zu den Daten aus den USA stehen, mag das laut Kleber darin begründet sein, dass die TFA-Spiegel der deutschen Studienteilnehmer deutlich unter denen amerikanischer Durchschnittskonsumenten liegen. Der Anteil der TFA in den roten Blutkörperchen lag in der LURIC-Studie zwischen 0,27 und 2,40% der Gesamtfettsäuren, im Durchschnitt knapp unter ein Prozent. In den USA wird ein Mittel von über 2,6% gemessen. Das Fazit der Forscher: Tierische trans-Fettsäuren aus Milch, Käse, Butter und Fleisch sind bei Menschen mit TFS-Spiegel um 1% statistisch signifikant mit einem gesenkten Risiko für plötzlichen Herztod – und im Trend mit einer gesenkten kardiovaskulären Sterblichkeit wie auch mit geminderten Gesamtsterblichkeit assoziiert. Diese Ergebnisse bestätigen frühere Studien zu den Vorteilen von tierischen trans-Fettsäuren. Die trans-Fettsäuren aus der industriellen Fettproduktion waren überraschenderweise nicht als Risiko für diese Endpunkte erkennbar.
 

docFood meint

Das vielleicht wichtigste Ergebnis der Studie für den Endverbraucher: Auch bei den Transfettsäuren macht die Dosis das Gift. Eine komplette Entwarnung ist das allerdings nicht. Die entscheidende Einschränkung, die zu beachten ist: TFS in der Nahrung sind vor allem für diejenigen unbedenklich, die einen niedrigen TFS-Spiegel haben! Liegt der TFS-Spiegel über 2 Prozent, wird’s schnell brenzlig. So gibt es keine komplette Entwarnung, aber immerhin eine stattliche Dosis davon.

Friedhelm Mühleib