Die große Gluten-Hysterie

Vertragen Sie noch alles oder leiden Sie schon – an Lebensmittelunverträglichkeiten zum Beispiel? Fast ein Drittel der Deutschen glaubt fest daran, an Lebensmittelunverträglichkeiten oder -allergien zu leiden. Das hat das Frankfurter Marktforschungsinstitut targeted in einer Umfrage herausgefunden. Von den restlichen zwei Dritteln der Befragten verzichten gut 80 % freiwillig auf bestimmte Lebensmittel.
 
Ein Hauptgrund dafür ist auch dabei das Gefühl, diese Nahrungsmittel nicht zu vertragen. Dahinter steht bei den Betroffenen meist eine Fehleinschätzung, die zu negativen gesundheitlichen Folgen führen kann.
 

Unverträglichkeiten – oft nur Einbildung

EIn den meisten Fällen beruht diese falsche Einschätzung auf einer unzutreffenden Selbstdiagnose – man könnte es auch einfach ‚Einbildung‘ nennen. Ein Blick auf die belastbaren Daten zeigt denn auch deutlich: Von einer Zöliakie z. B. – einer echten Gluten-Unverträglichkeit – sind nur etwa 0,5 % bis 1 % der Bevölkerung betroffen. Mit der verbreiteten Gluten-Hysterie sind die Deutschen nicht alleine: In den USA wurden 2015 mehr als 1.500 Erwachsene, die sich glutenfrei ernährten, nach den Gründen dafür befragt. Ein Drittel der Befragten wählte die Antwort „keinen Grund“. Ein Viertel hielt eine glutenfreie Ernährung für die „gesündere Option“ und ein Fünftel der Befragten glaubte an eine verdauungsfördernde Wirkung. Bei jedem zehnten Befragten war ein Familienmitglied „glutensensitiv“ und lediglich acht Prozent gaben an, selbst „glutensensitiv“ zu sein.
 

Glutenfrei kann schaden

Wer ohne sichere Diagnose auf Gluten verzichtet, schränkt seine Auswahl an Lebensmitteln stark ein, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Glutenfreie Ernährung ist weder gesünder als normale Kost, noch hilft sie beim Abnehmen, wie viele hoffen. Wer sich auf Grund der glutenfreien Kost nicht abwechslungsreich genug ernährt, dem droht zudem eine Unterversorgung mit wichtigen Nähr- und Mineralstoffen – zum Beispiel den Vitaminen K, B1, B2 oder B6 und Mineralstoffen wie Magnesium, Zink oder Kupfer, wie Antje Gahl betont. Die amerikanische Kinderärztin Dr. Norelle R. Reilly vom Columbia University Medical Center in New York teilt diese Ansicht und warnt vor allem Eltern davor, bereits ihre Kinder grundlos (..also ohne Diagnose) zu einer glutenfreien Diät zu zwingen: „Aus Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder setzen Eltern manchmal ihre Kinder auf eine glutenfreie Diät, in dem Glauben, dass diese Symptome lindert, Zöliakie verhindert oder eine gesunde Alternative darstellt, ohne vorherige Prüfung auf Zöliakie oder Beratung durch einem Ernährungsberater“, so Reilly. Doch wegen drohender Nährstoffmängel und Einschränkungen in der Lebensqualität kann eine glutenfreie Ernährung gerade Kindern nach Ansicht von Dr. Reilly mehr schaden als nutzen.
 

docFood rät

Beginnen Sie niemals mit der glutenfreien Diät ohne vorher eindeutig medizinisch abgesicherte Diagnose! Von einer Selbstdiagnose ist dringend abzuraten. Auch Bioresonanz oder ähnliche „Alternativen“ sind völlig ungeeignet. Eine glutenfreie Diät erfordert eine beachtliche Umstellung in der Ernährung, konsequent und lebenslang, die auch mit erheblichen Kosten verbunden ist. Das alles ist nur dann gerechtfertigt, wenn es sich tatsächlich um eine Zöliakie handelt. Eine sehr gute Übersicht darüber, welche Untersuchungen sinnvoll bzw. notwendig sind, um eine echte Zöliakie nachzuweisen, gibt die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie. Wenn Sie einen Arzt in Ihrer Nähe suchen, der sich mit der Diagnose Zöliakie auskennt, empfiehlt sich ein Anruf bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) – dort hilft man Ihnen weiter.

Dr. Friedhelm Mühleib

 
Foto:
Lebensmittelintoleranz – die Vermarktung der Angst
© targeted – Marketing Research & Consulting

Arsen in Reis – Vorsicht bei Reiswaffeln & Co.

Wie wir seit der schwarzen Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ wissen, war Arsen vorzeiten ein beliebtes Gift. Ganz und gar nicht witzig ist die aktuelle Meldung des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) über Arsenverbindungen in Reis. Die können so erheblich sein, dass die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) warnt: Da das hochgradig giftige Halbmetall Arsen bereits in geringer Dosis zu Schädigungen führen und zudem Krebs erregend sein kann, sollten Verbraucher, die viel Reis und Reisprodukte zu sich nehmen, gewisse Vorsicht walten lassen.
Gerade Menschen, die aufgrund einer Zöliakie oder aus anderen Gründen glutenhaltiges Getreide meiden, sollten demnach ihren Speiseplan nicht allein auf der Basis von Reis gestalten. Weitere glutenfreie Getreidearten sind zum Beispiel Mais, Hirse und Buchweizen, außerdem die so genannten Pseudogetreide Quinoa und Amaranth.
 

Alternativen zu Reis

„Es ist wahrscheinlich, dass Menschen, die Arsen-belasteten Reis regelmäßig als Grundnahrungsmittel essen, ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, wie etwa Lungenkrebs, haben“, sagt DGVS-Sprecher Professor Dr. med. Christian Trautwein von der Uniklinik RWTH Aachen. In Deutschland könnte dies möglicherweise Menschen betreffen, die an einer Zöliakie, einer Weizenallergie oder Weizensensitivität leiden und die üblichen Getreidesorten wie Weizen, Gerste oder Roggen meiden müssen. Die DGVS empfiehlt, statt Reis auch auf Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa und Amaranth auszuweichen und den Speiseplan zu variieren. Da Getreide häufig als Sättigungsbeilage dient, kann es bei glutenfreier Ernährung auch optimal durch Kartoffeln oder Hülsenfrüchte ersetzt werden.
 

Vorsicht bei Reiswaffeln, -flocken & Co.

Wer gerne Reis isst, sollte – wenn möglich – auf Testberichte zurückgreifen und wenig belastete Produkte bevorzugen. Denn die Belastung mit Arsen schwankt von Reissorte zu Reissorte und variiert zudem je nach Anbaugebiet. Sehr unterschiedlich sind auch die Giftmengen in verschiedenen Reisprodukten wie Reiswaffeln, -flocken oder -milch, die hauptsächlich von Kindern konsumiert werden. „Ausgerechnet in diesen Produkten kommen besonders hohe Konzentrationen von anorganischen Arsenverbindungen vor“, so Trautwein. Wegen ihres geringen Körpergewichts sind Kinder schon durch kleinere Arsenmengen relativ stark belastet. Daher sollten Kinder die genannten Reisprodukte nur in Maßen zu sich nehmen. Bei der Zubereitung von Reis empfehlen die Experten, das Kochwasser anschließend weg zu schütten, denn: „Die Arsenverbindungen gehen auch in die Flüssigkeit über, in der der Reis gekocht wird“, erklärt Professor Trautwein. „Bei Milchreis oder Risottogerichten bleiben diese im Topf“.
 

Tipp von docFood

Meldungen wie diese können – wenn sie falsch oder reißerisch formuliert werden – Ängste bei Verbrauchern auslösen. Für Panik gibt es jedoch keinerlei Grund, und so können Sie Reis – in Maßen – ruhigen Gewissens genießen. Nur bei der einseitig auf Reis ausgerichteten Ernährung und bei Kindern ist Vorsicht geboten.

Redaktion von docFood

Quelle: DGVS

Fructose – Säfte, Obst und Malabsorption

„Ich vertrage kein Obst, obwohl es so gesund ist.“ Immer wieder hört man diesen Satz. Einbildung? Oft genug hat die Bemerkung Berechtigung. Fast jeder dritte Bundesbürger hat Probleme mit der Verdauung von Fruchtzucker. Meist ist eine Fructosemalabsorption die Ursache. Leitsymptome dieser Fruchtzucker-Unverträglichkeit sind Blähungen und wässrige Durchfälle nach dem Verzehr fructosereicher Lebensmittel. Im Vordergrund der Therapie stehen diätetische Maßnahmen: Letztlich hilft nur die Einschränkung des Verzehrs fructosereicher Lebensmittel – und Obst gehört in vorderster Linie dazu – bzw. die Einstellung des Patienten auf das verträgliche Maß.
Was genau ist nun eine Fructosemalabsorption und was sind ihre Ursachen? Im Grunde ist bei der Fructosemalabsorption der Transport der Fructose in unserem Körper gestört.

Fructosemalabsortion – ein Transportproblem

Fruchtzucker gelangt bevorzugt durch eine sogenannte passiven Diffusion in unseren Stoffwechsel, die von einem speziellen Transportmolekül (GLUT 5) unterstützt wird. Bei einer Fruktosemalabsorption ist die Funktion dieses Transporters mehr oder weniger stark eingeschränkt oder – schlimmstenfalls – nicht mehr vorhanden. Dadurch wandert ein Teil der Fruktose aus der Nahrung unverdaut bis in den Dickdarm und löst dort die lästigen Beschwerden aus. Dickdarmbakterien vergären die Fruktose unter anderem zu Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan. Die Folge sind Blähungen und Durchfälle. Hinzu kommt, dass durch die Gärung unverhältnismäßig viele kurzkettige Fettsäuren gebildet, die den Stuhl zusätzlich verdünnen und die Darmbewegung anregen. Das führt zum bekannten Beschwerdebild mit Blähungen, lauten Bauchgeräuschen, Durchfall und dem häufigen Gefühl, dass der Bauch spannt und kneift. Aber auch Magenbeschwerden, Übelkeit, Stuhl mit wechselnder Konsistenz oder Verstopfung sind bei gestörter Fruktoseverwertung keine Seltenheit.

Fructose – Malabsorption oder Intoleranz?

Ist Fructoseintoleranz dasselbe wie Fructosemalabsorption, oder gibt es da einen Unterschied? In der öffentlichen Diskussion nimmt man es mit der Verwendung der beiden Begriffe häufig nicht sonderlich genau und – weil alle Welt von Intoleranzen redet – wird der Begriff Fructoseintoleranz oft benutzt, wenn eigentlich Fructosemalabsorption gemeint ist.
Ute Körner, Ernährungswissenschaftlerin und Expertin für Lebensmittelunverträglichkeiten, schreibt dazu: Grundsätzlich sollte bei der Diagnosestellung der korrekte Begriff „Fructosemalabsorption“ verwendet werden. Viele Patienten, die mit der Diagnose Fructoseintoleranz nach Hause gehen (obwohl die Fructosemalbsorption gemeint ist) informieren sich im Internet und erhalten unter dem Stichwort Fructoseintoleranz eine Reihe von Empfehlungen, die nicht für sie gelten und mehr Einschränkungen als notwendig nach sich ziehen.“
Grundsätzlich unterscheidet die Medizin zwischen der Fructosemalabsorption als in der Regel mengenabhängiger Transportstörung der Fructose und der hereditären Fructoseintoleranz als erblicher Stoffwechsel¬störung. Die diätetischen Maßnahmen zur Behandlung der beiden Erkrankungen unterscheiden sich grundlegend. Ursache der hereditären Fructoseintoleranz ist ein Gendefekt, durch den Fructose und Alkoholformen der Fructose (z. B. Sorbit) zwar aus dem Darm resorbiert, aber dann nicht weiter verstoffwechselt werden können. Infolgedessen kommt es bei jeglichem Verzehr von Fructose zu Problemen – z.B. zur Anhäufung giftiger Abbauprodukte im Stoffwechsel. Unterzuckerungen und schwere Leber-, Nieren- und Darmstörungen sind die Folgen. Dieses vollständig abweichende Krankheitsbild, das nicht viel mit der Fructosemalabsorption zu tun hat, bedarf einer völlig anderen diätetischen Führung und verlangt in der Regel einen vollständigen lebenslangen Fructoseverzicht.

Tipp von docFood:

Falls Sie glauben, an einer Fructosemalapsorption zu leiden – lassen Sie sich unbedingt von einer Ernährungsfachkraft getan. Mit dem selbstgebastelten Verzicht auf fructosehaltige Lebensmittel ist es nicht getan – im schlimmsten Fall können Sie sich damit mehr schaden als nutzen.
Foto: Kirschen enthalten besonders viel Fructose  © doris_bredow-Fotolia

Sabine Lisicki lebt glutenfrei

Tennis-Ass Sabine Lisicki kämpfte jahrelang mit Bauchschmerzen und Müdigkeit und konnte sich nur schlecht konzentrieren. Ihre Ärzte fanden dafür lange Zeit keine medizinische Erklärung. 2011 kam der Verdacht auf, dass es sich um eine Gluten Sensitivity (GS) handeln könnte. Lisicki ließ sich daraufhin erneut untersuchen, was mit einer Bestätigung der Diagnose GS endete. Seitdem profitiert sie von der glutenfreien Ernährung und hat keine Beschwerden wie Bauchschmerzen und Müdigkeit mehr. „Ich fühlte mich schon nach kürzester Zeit wieder richtig gut!“, erzählt Lisicki rückblickend, nachdem sie ihre Ernährung auf glutenfrei umgestellt hatte.

Glutenfreie Ernährung – Ernährungsberatung hilft

Wer die Diagnose Gluten Sensitivität erhält, fühlt sich oft zunächst überfordert, wenn es um die Einhaltung einer strikt glutenfreien Ernährung geht. Auch Lisicki erzählt: „Die Umstellung zu einer glutenfreien Ernährung war für mich anfangs nicht leicht.“ Eine Ernährungsberatung bei einer Fachkraft ist in dieser Phase unbedingt ratsam, um den Speiseplan ausgewogen zu gestalten. Ernährungsfachkräfte wie die Diätassistentin und Dipl. Medizinpädagogin Birgit Blumenschein leisten hier wertvolle Unterstützung. „Sehr viele Lebensmittel sind von Natur aus glutenfrei, zum Beispiel Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Um auf Brot, Pizza oder Nudeln nicht verzichten zu müssen, gibt es eine breite Palette an speziellen glutenfreien Lebensmitteln im Reformhaus, Supermarkt und Drogeriemarkt, die für einen abwechslungsreichen Speiseplan sorgen“, sagt Blumenschein.

docFood – Expertin Gabriela Freitag-Ziegler meint dazu:

Im Gegensatz zur Zöliakie und zur Weizenallergie lässt sich Glutensensitivität nur durch Ausschlussverfahren diagnostizieren: Liegen bei ähnlichen Beschwerden weder eine Zöliakie noch eine Weizenallergie oder andere Erkrankungen vor und bessern sich die Symptome durch eine glutenfreie Diät, gilt die Glutensensitivität als bestätigt. Wer eine Glutensensitivität hat, muss die glutenfreie Diät möglicherweise nur vorübergehend einhalten. Manche Betroffenen vertragen sogar kleine Mengen Gluten, so dass Gluten-Kontaminationen wenig problematisch sind
Bisher gibt es jedoch keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass eine glutenfreie Diät für die Allgemeinbevölkerung Vorteile bringt. Auch der Gastroenterologe Professor Wolfgang Holtmeier. spricht sich deutlich dagegen aus, eine glutenfreie Ernährung ohne jeglichen Befund auszuprobieren: „Eine sorgfältige medizinische Diagnose steht an erster Stelle, da noch andere Unverträglichkeiten oder Allergien Ursache für vorliegende Beschwerden sein können.“ Der Marktführer für glutenfreie Lebensmittel (Dr. Schär) betont ebenfalls, glutenfreie Ernährung sei kein Allheilmittel, beispielsweise zum Abnehmen oder zur Prävention von Herzinfarkt.

Foto: Sabine Lisicki (links im Bild) lässt sich von ihrer Ernährungsberaterin Birgit Blumenschein beraten

Foto: © Dr. Schär
 

Wer muss laktose- und glutenfrei essen?

Wenn es gelegentlich zwickt und zwackt im Darm, vermuten viele Betroffene eine Laktose- oder Glutenunverträglichkeit. In der Regel ist diese Sorge bei leichten Beschwerden unbegründet. Sie hindert die meisten jedoch nicht daran, viel Geld unnötig für laktose- oder glutenfreie Lebensmittel auszugeben. Ein neues Video der Verbraucherzentralen und der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz macht deutlich: Wer laktosefreie oder glutenfreie Lebensmittel kauft, ohne dass es gesundheitlich notwendig ist, zahlt erheblich mehr, hat aber keinen besonderen Vorteil.
 

Gesunde Geschäfte – für die Hersteller

In den Supermarktregalen finden sich immer mehr Lebensmittel, die als „laktosefrei“ oder „glutenfrei“ gekennzeichnet sind. Für Personen, die unter Laktoseunverträglichkeit oder Zöliakie leiden, erleichtert eine auffällige Kennzeichnung die Lebensmittelauswahl. Für gesunde Verbraucher haben laktose- und  glutenfreie Lebensmittel aber keinerlei Vorteile. Dennoch erwecken Hersteller und Händler oft den Eindruck, dass diese Produkte allgemein Gesundheit und Wohlbefinden steigern können. „Für gesunde Menschen sind diese Produkte schlichtweg überflüssig. Außerdem sind sie wesentlich teurer als normale Produkte“, erläutert Christiane Manthey, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Dahinter stecken oft nur die Absatzinteressen der Lebensmittelindustrie“.
 

Video klärt auf

In Kooperation mit der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz klären die Verbraucherzentralen mit dem neuen Video „Laktosefrei, glutenfrei – besonders gesund für alle?“  auf und bringen das Ergebnis eines 2013 bundesweit durchgeführten Marktchecks auf den Punkt: Gluten- und laktosefreie Produkte sind wesentlich teurer als herkömmliche Lebensmittel. Für den Kauf dieser Lebensmittel sollte deshalb ein echter, ärztlich festgestellter Bedarf vorliegen, gesunde Personen haben keinen besonderen Vorteil.
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Tipp von docFood:

Hat der Arzt eine Lebensmittelintoleranz diagnostiziert, sollte man sich zunächst von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft beraten lassen. Unter individueller Anleitung erfährt man, worauf künftig bei der Ernährung zu achten ist: ob überhaupt auf einzelne Lebensmittel vollständig verzichtet werden muss, welche Lebensmittel weiterhin unbedenklich sind oder in verringerter Menge gegessen werden können. Mehr Infos zu Laktose- und Glutenunverträglichkeit finden sie hier und hier bei docFood.
 
Bildquelle: 3 Pauly
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Fruktoseintoleranz: Unverträglichkeit von Fruchtzucker

Gemüse und Obst gehören zu einer ausgewogenen Ernährung einfach dazu. 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst (5 am Tag) sollen es laut Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich sein. Doch was tun, wenn nach Apfel, Birne oder Paprika der Bauch grummelt und schmerzt?
Der Grund könnte eine Unverträglichkeit von Fruchtzucker (Fruktose) sein, die Fruktoseintoleranz. Schätzungsweise 30 Prozent der Deutschen vertragen Fruchtzucker nur eingeschränkt.
 

Gestörte Aufnahme von Fruktose

Fruktose kommt vor allem in Obst und Gemüse vor, wird aber auch zunehmend bei der industriellen Herstellung von Nahrungsmitteln eingesetzt. Bei Fachleuten heißt die Unverträglichkeit zutreffender „Fruktosemalabsorption“ weil die Aufnahme der Fruktose aus dem Dünndarm ins Blut gestört ist. Daher gelangt der Fruchtzucker in den Dickdarm und wird dort von Bakterien abgebaut. Die Folgen: Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall. Da Betroffene unter ähnlichen Symptomen leiden wie bei einem Reizdarmsyndrom, bleibt die Fruktoseintoleranz häufig länger unerkannt. Aufschluss gibt ein Atemtest: Der Patient nimmt eine große Menge Fruchtzucker auf nüchternen Magen ein. Anhand der Wasserstoff-Konzentration, die in der Atemluft gemessen wird, kann der Arzt die eindeutige Diagnose stellen.
 

Fruktose: Die Menge macht’s

Auch gesunde Menschen vertragen Fruchtzucker nicht unbegrenzt: Die Aufnahmekapazität für Fruktose im Dünndarm liegt zwischen 35 und 50 Gramm. So bekommen auch Gesunde leicht Verdauungsprobleme, wenn sie zum Durstlöschen eine Flasche Apfelsaft trinken. Menschen mit einer Fruktoseintoleranz vertragen meist weniger als 25 Gramm Fruchtzucker, zum Teil nur 10 oder 5 Gramm. Dauerhaft auf Obst und Gemüse zu verzichten, ist aber meist nicht notwendig, und wäre auch wenig förderlich für die Gesundheit. Nach einem mehrwöchigem Verzicht auf fruktosehaltige Lebensmittel sollten Betroffene die Aufnahme von Fruchtzucker schrittweise steigern, um ihre individuell verträgliche Menge zu ermitteln.
 

Tipp von Doc Food

Wenn Sie fruktoseintolerant sind, achten Sie unbedingt auf die Zutatenliste von verarbeiteten Lebensmitteln. Neben Fruktose, Fruchtzucker und Fruchtsirup enthalten auch Zucker (Haushaltszucker = Saccharose) und Honig Fruktose. Und auch einige Süßstoffe sollten Sie meiden, wie Sorbit, Isomaltit, Mannit und Xylit. Sorbit beispielsweise wird im Körper in Fruktose umgewandelt, und blockiert die Fruktoseaufnahme im Dünndarm.
Auf www.lecker-ohne.de  finden Sie eine praktische Tabelle, in der die gängigsten Lebensmittel nach ihrem Fruktosegehalt eingeteilt werden.
Bildquelle: Aka /pixelio.de
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Laktoseintoleranz: Aufruhr im Darm

Bis zur endgültigen Diagnose ist es häufig ein langer Leidensweg: Manchmal ertragen Patienten jahrelang Schwindel, Müdigkeit, Durchfälle, Darmkrämpfe und Blähungen, ohne dass ein Arzt die wirkliche Ursache erkennt. Stuhluntersuchungen, Magenultraschall und Darmspiegelung sind ohne Befund. Oft werden Reizdarm, Lebensmittelallergie oder Verdauungsschwäche diagnostiziert, bevor sich irgendwann herausstellt: Die Wurzel des Übels liegt in einer Laktoseintoleranz, zu gut deutsch: Milchzuckerunverträglichkeit.
Nach Schätzungen von Experten sind etwa 8 bis 10 Millionen Deutsche von einer Laktoseintoleranz betroffen. Sie reagieren mit mehr oder weniger starken Symptomen auf den Genuss von Milch und Milchprodukten.
 

Was ist Laktose?

Laktose ist der Milchzucker, der als natürlicher Bestandteil in Kuhmilch, aber auch in der Milch von Schafen und Ziegen sowie in der menschlichen Muttermilch vorkommt. Als Zweifachzucker besteht die Laktose aus zwei verschiedenen Einfachzuckern, der Galaktose und der Glukose, die fest miteinander verbunden sind. Damit der Zucker im Stoffwechsel zur Energiegewinnung genutzt werden kann, muss die Laktose bei der Verdauung in ihre Bestandteile aufgespalten werden. Dieser Vorgang wird normalerweise von einem Enzym im Verdauungssaft des Dünndarms erledigt – der Laktase.
 

Was passiert bei Laktoseintoleranz?

Leider sind Menge und Aktivität der Laktase nicht beständig. In der Regel ist die Laktase-Aktivität in den ersten Lebensmonaten eines Menschen am höchsten. Danach nimmt sie kontinuierlich ab. Bei einem 50-Jährigen beträgt die Laktase-Aktivität häufig nur noch 10 % des Höchstwertes kurz nach der Geburt. Ist zu wenig Laktase im Dünndarm vorhanden, so kann Laktose aus der Nahrung nicht mehr aufgespalten werden, sondern gelangt unverdaut in den Dickdarm. Dort wird sie von Darmbakterien vergoren. Das kann zu Blähungen, Bauchkrämpfen, Übelkeit oder Erbrechen führen. Häufig treten auch unspezifische Symptome auf, zum Beispiel Müdigkeit, Hautprobleme, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Wird die Laktoseintoleranz nicht erkannt, und treten zum Beispiel häufig starke Durchfälle auf, sodass der Dünndarm dauerhaft gereizt ist, können wichtige Nährstoffe nicht mehr aus der Nahrung aufgenommen werden. Wie bei der Zöliakie kann es auch bei der Laktoseintoleranz zur Schädigung der Dünndarmzotten kommen. Abhilfe schaffen Laktase-Tabletten sowie eine konsequent laktosefreie Ernährung.
 
Bildquelle: sigrid rossmann / pixelio.de

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